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Seußlitz: Historische Treppe endlich begehbar

Mit einem halben Jahr Verzögerung ist der Aufgang zum Sächsischen Weinwanderweg wieder frei. Winzer und Touristenführer sind erleichtert.

Im Beisein von Weingott Bacchus (r.) und Bürgermeister Gerd Barthold (l.) wurde die Treppe zur Heinrichsburg in Diesbar-Seußlitz frei gegeben.
Im Beisein von Weingott Bacchus (r.) und Bürgermeister Gerd Barthold (l.) wurde die Treppe zur Heinrichsburg in Diesbar-Seußlitz frei gegeben. © Sebastian Schultz

Diesbar-Seußlitz. Die Bauzäune unterhalb der Heinrichsburg sind weg. Die Treppe hinauf zum Pavillon mit seiner herrlichen Aussicht auf das Schloss, das malerische Weindorf und die Elbe ist wieder passierbar. Lange Zeit konnten die Diesbar-Seußlitzer und ihre Gäste nur auf Umwegen dahin gelangen.

Viele nahmen den Trampelpfad am nahen Schmiedeberg. Er war nicht ganz ungefährlich, weiß Maria Lehmann. "Ich bin froh, dass ich nicht mehr diesen Umweg gehen muss", sagt die ehemalige sächsische Weinkönigin. Bei regnerischem Wetter sei er oft schlammig und dadurch rutschig gewesen. Kein gutes Aushängeschild für den ohnehin durch die Corona-Krise gebeutelten Erholungsort.

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"Die Touristen waren manchmal total verwirrt", erzählt auch Katharina Lai vom Tourismusverein. Ortsunkundige, die zum Sächsischen Weinwanderweg gehen wollten, suchten ihn vergebens. Der Weg beginnt an der Treppe zur Heinrichsburg und führt über Meißen, Weinböhla, Radebeul, Dresden und Pillnitz bis nach Pirna. Der Unmut der letzten Monate ist nun vorbei, denn am Montag wurde die Treppe nach etwa einem Jahr Bauzeit wieder ihrer Bestimmung übergeben.

Denkmalschützer lenken ein

Sichtlich erleichtert ist auch der Nünchritzer Bürgermeister Gerd Barthold (CDU). "Wir mussten einige Probleme ausräumen", erzählt er. "Denn heute gelten andere Standards als noch vor 400 Jahren." Dafür brauchte es Überzeugungsarbeit und Fingerspitzengefühl im Umgang mit der unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Meißen.

Sie wollte, dass die Treppe wie im originalen Zustand erneuert wird. Das hätte bedeutet, dass die Elbsandstein-Stufen wie vor 400 Jahren im Dreck verlegt worden wären. Dagegen regte sich nicht nur bei den Bauleuten aus Ilkendorf, sondern auch bei einigen Nünchritzer Gemeinderäten Widerstand. Sie befürchteten, dass die Stufen nur wenige Jahre halten würden, wenn sie kein richtiges Auflager bekommen. Weitere Kosten seien dadurch programmiert.

Die Treppe zur Heinrichsburg in Diesbar-Seußlitz kann wieder bestiegen werden. Seit Montag ist sie wieder passierbar.
Die Treppe zur Heinrichsburg in Diesbar-Seußlitz kann wieder bestiegen werden. Seit Montag ist sie wieder passierbar. © Sebastian Schultz

Die Meißner Behörde lenkte ein und gestattete, dass die Stufen bewehrte Betonbalken als Auflager erhielten. "Im Ergebnis konnte das ursprünglich denkmalgeschützte Gesamtbild der Treppenanlage beibehalten werden", so Gerd Barthold. Gleichzeitig wurde die Treppe verkehrssicherer. Auch, weil 20 der insgesamt 59 Stufen ausgebaut und neu aus Sandstein herstellt wurden. Sie hatten sich im Laufe der Jahrhunderte sehr abgenutzt. Die Kamenzer Firma Natursteinmontage und Bausanierung Rolf Ziesche fertigte sie an.

Weil lange nicht klar war, ob die Treppe im Originalzustand oder doch lieber nach den aktuellen Regeln der Baukunst saniert werden soll, verzögerte sich das Bauvorhaben um etwa ein halbes Jahres. Wegen der zusätzlichen Auflager wurde es rund 60.000 Euro teurer als ursprünglich veranschlagt. Bürgermeister Barthold bezeichnet die Summe als "erheblichen Nachtrag". "Umso froher bin ich, dass wir nun fertig sind, und wünsche uns, dass die Treppe weitere 400 Jahre Bestand hat", so der Gemeindechef.

Insgesamt kostete die Sanierung inklusive Planung rund 176.000 Euro. Auch die Reparatur der Trockenmauern gehörte dazu. Das Regionalmanagement Elbe-Röder-Dreieck unterstützte den Bau mit knapp 76.000 Euro über das Leader-Programm der Europäischen Union, mit dem Projekte im ländlichen Raum gefördert werden.

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