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"Gefeiert wurde schon in den Höhlen"

Das Corona-Jahr hat auch Torsten Pilz' Unternehmen hart getroffen. Trotzdem bleibt er zuversichtlich - und kann der Krise auch gute Seiten abgewinnen.

Eventtalent-Chef Torsten Pilz in der Halle seines Unternehmens. Derzeit läuft die Erweiterung. Das Lager platzte zuletzt aus allen Nähten.
Eventtalent-Chef Torsten Pilz in der Halle seines Unternehmens. Derzeit läuft die Erweiterung. Das Lager platzte zuletzt aus allen Nähten. © Klaus D.Bruehl

Riesa. Als Torsten Pilz in die Halle führt, sind zwei Mitarbeiter gerade mit dem Einräumen beschäftigt. Vor einem Jahr platzte das Lager von Eventtalent aus allen Nähten, sagt der Geschäftsführer. Nun hat sich die Firma erweitert, es entstehen fast 300 zusätzliche Palettenstellplätze - und das mitten im Coronajahr. Pilz führt durch die Regalzeilen, vorbei an Festzeltgarnituren und Hüpfburgen. "Wäre schöner, wenn die Regale etwas leerer wären", sagt Pilz und lächelt verschmitzt. Denn dann würden die Utensilien irgendwo gebraucht werden - und Geld bringen.

Die Veranstaltungsbranche kämpft. Auch bei Eventtalent ist die Auftragslage deutlich dünner geworden. Betriebsfeiern, Geschäftseröffnungen und -jubiläen, die Volltrefferwelt der Stadtwerke und andere Promotionveranstaltungen, auch die Eisbahn: All das konnte in diesem Jahr allenfalls sporadisch stattfinden. Mehr als 90 Prozent des Umsatzes fehlten im Coronajahr.

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Blick in die Regale bei Eventtalent. Die Corona-Zeit haben Torsten Pilz und seine Mitarbeiter auch genutzt, um Ordnung und Platz zu schaffen.
Blick in die Regale bei Eventtalent. Die Corona-Zeit haben Torsten Pilz und seine Mitarbeiter auch genutzt, um Ordnung und Platz zu schaffen. © Klaus D.Bruehl

Schimpfen will Torsten Pilz trotzdem nicht. "Der Spätsommer ging", sagt er. Es gibt heutzutage Familien, die den Schuleintritt des Kindes größer feiern, sich auch mal eine Hüpfburg oder andere Utensilien leihen. "Dafür gibt es ein Klientel, Gott sei Dank." Über den Winter ist das etwas anders. Doch selbst als gar nichts stattfand, bedeutete das nicht Stillstand. Es blieb die Zeit, Ordnung zu schaffen in den Hallen, sich um den Internetauftritt zu kümmern. Gleichzeitig hat der 48-Jährige nach alternativen Einnahmequellen gesucht. "Wir übernehmen jetzt Dienstleistungen im Pharmabereich", erklärt er.

Und er habe sich fit gemacht beim Erstellen von Hygienekonzepten. Während im September die meisten Großveranstaltungen schon wieder abgesagt wurden, zog Pilz gemeinsam mit Feralpi den Stadtteilspaziergang Bella Gröba durch. Dafür gab's eine Auszeichnung beim Wettbewerb "Denkzeit Event". "Das war eine Motivation, weiterzumachen", sagt Pilz.

Unterwegs bis in die Schweiz

Der Eventtalent-Chef kann auch die positiven Seiten sehen. Für den Kopf sei dieses Jahr, in dem es verhältnismäßig ruhig zuging, gut gewesen. "Mental war da echt Entspannung drin." Seit 25 Jahren ist Torsten Pilz selbstständig, viel auf Achse. Die Firma ist deutschlandweit aktiv, war für die Supermarktkette Aldi und den Spielwarenhersteller Mattel auch in der Schweiz unterwegs. In den 25 Jahren sei so manche Sieben-Tage-Woche bei ihm aufgelaufen, lässt er durchblicken. Und seit zehn Jahren ist Pilz außerdem noch für die städtische FVG bei Aufbau und Organisation der Eisbahn dabei. Das war in diesem Jahr alles anders.

Er wolle nicht den Eindruck hinterlassen, dass er sich nicht gern um die Eisbahn kümmert, sagt Pilz. Aber: "Ich hatte zum ersten Mal seit zehn Jahren besinnliche, schöne, richtige Weihnachten mit meiner Familie." Sonst stand der zweifache Vater auch Heiligabend noch länger an der Eisbahn. Diesmal blieb nicht nur an den Feiertagen sogar Zeit zum Klavierspielen. "Ich bin ja ausgebildeter Musiklehrer."

Das Firmengelände Am Südspeicher. Vor dem Umzug hatte Pilz drei Garagen in Bobersen, die er für sein Unternehmen als Lager nutzte.
Das Firmengelände Am Südspeicher. Vor dem Umzug hatte Pilz drei Garagen in Bobersen, die er für sein Unternehmen als Lager nutzte. © Klaus D.Bruehl

Kurz nach dem Mauerfall hatte Torsten Pilz ein Lehramtsstudium in Zwickau begonnen, 1996 machte er den Abschluss. Da sei schon klar gewesen, dass er wohl nicht vor der Schultafel stehen würde. "Man hat mit der Wende gesehen, dass ganz andere Perspektiven möglich sind." Parallel zum Studium hatte Pilz angefangen, im Promotionbereich zu arbeiten. Das Ein-Mann-Unternehmen nutzte erst drei Garagen in Bobersen als Lager, später zog er in das kleine Gewerbegebiet Am Südspeicher. Mittlerweile sind sie bei Eventtalent zu viert, sagt Pilz, außerdem bilde man in Zusammenarbeit mit der BA regelmäßig aus. "Der größte Teil der Beschäftigten sind aber Studenten und Freelancer. Ohne die würde es nicht gehen." 40, 50 Selbstständige oder Teilzeitkräfte melde er wohl in einem durchschnittlichen Jahr an, schätzt der Chef.

Die Krise trifft nicht die ganze Branche gleich hart

Auf den Veranstaltungsbereich hat sich Eventtalent dabei erst nach und nach ausgerichtet. Man sei Verkaufsförderer, sagt Pilz, das Hauptklientel seien nach wie vor gewerbliche Kunden. In der Coronakrise erweist sich auch die Größe des Unternehmens als Vorteil. "Andere haben gravierendere Probleme." Messebauer beispielsweise seien stark abhängig von Großveranstaltungen - und die habe es lange nicht gegeben.

Allzu große Sorgen um seine Zukunft, scheint sich Torsten Pilz nicht zu machen. "Ich hab' keine Existenzangst." Natürlich, man habe eine Verantwortung für die Mitarbeiter, und die Kredite würde man auch gern schneller abbezahlen. "Das bringt einen schon zum Nachdenken." Aber in Deutschland jammere man trotzdem auf einem recht hohen Niveau. Sein Unternehmen sieht er zumindest stabil genug aufgestellt, die Krise zu überstehen. "Ein Jahr länger werde ich aber wohl arbeiten müssen, um Corona wieder auszubügeln. Dann geht es eben erst mit 66 in Rente."

Torsten Pilz sieht auch schon erste Anzeichen dafür, dass es 2021 wieder vorangeht. "Die Ersten planen schon wieder." Große Sorgen um die Zukunft macht er sich nicht. Er schmunzelt. "Gefeiert haben die Menschen doch schon, als sie noch in Höhlen lebten."

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