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Zeischaer Sachsen hoffen auf freien Zutritt zum Kiessee

Rings um den Baggersee in Zeischa gibt es zahlreiche Bungalows. Viele davon gehören Leuten aus Riesa-Großenhain. So reagieren sie auf Pläne des künftigen Besitzers.

Karin (links) und Heinz Gruber aus Gröditz sowie Edith Hollas aus Großenhain zeigen auf den Strand, wo der künftige Kiessee-Besitzer Finnhütten und Zelte errichten will. Hier gehen sie im Sommer jeden Morgen schwimmen.
Karin (links) und Heinz Gruber aus Gröditz sowie Edith Hollas aus Großenhain zeigen auf den Strand, wo der künftige Kiessee-Besitzer Finnhütten und Zelte errichten will. Hier gehen sie im Sommer jeden Morgen schwimmen. © Jörg Richter

Zeischa. Unter 20 Meter hohen Eichen liegt die sächsische Siedlung II am Kiessee versteckt. Aus der Luft ist sie kaum zu erkennen, ganz im Gegenteil zu den anderen fünf Bungalowsiedlungen und dem Campingplatz am Waldbad, die es rings um den einstigen Baggersee gibt. Die Leute hier, die größtenteils aus der Region Riesa-Großenhain stammen, lieben den Schatten der Baumkronen. Durch sie schimmern immer noch genug Sonnenstrahlen durch, um vor den Häuschen Licht für kleine Vorgärten zu haben.

Auch Karin und Heinz Gruner aus Gröditz haben sich hier häuslich eingerichtet. 1993 kauften sie einen Bungalow, von denen das Gröditzer Zellstoffwerk am Zeischaer Kiessee mehrere bauen ließ. "Das war ab 1963, als die Grenzen dicht waren und die VEBs Naherholungsgebiete für ihre Mitarbeiter suchten", weiß der 77-Jährige. Vor allem Riesaer Betriebe wie die Zündwaren, die Nudelfabrik, das Aropharmwerk, das Reifenwerk und Robotron schufen hier Urlaubsmöglichkeiten für ihre Kollegen. Sogar die Stadtverwaltung Riesa besaß einen Bungalow.

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Damals habe es hier mehrere kleine Baggerseen gegeben, berichtet Karin Gruner. Der Kiesabbau im großen Stil habe erst nach der Wende begonnen. Die Volkseigenen Betriebe (VEB) gab es nicht mehr. Die Treuhand verkaufte die Bungalows für wenig Geld. Heute sind sie ein Vielfaches wert. Vor allem in der Coronazeit seien die Preise explodiert, weil immer mehr Leute aus der Stadt ein Wochenendhäuschen im Grünen suchten.

Dieses Schild steht am Eingang der Zeischaer Siedlung II, wo 60 Bungalows stehen, die ehemalige Volkseigene Betriebe aus Riesa und Gröditz seit den 1960er-Jahren errichten ließen.
Dieses Schild steht am Eingang der Zeischaer Siedlung II, wo 60 Bungalows stehen, die ehemalige Volkseigene Betriebe aus Riesa und Gröditz seit den 1960er-Jahren errichten ließen. © Jörg Richter

Dem Trend "Urlaub im eigenen Land" folgt auch die AIM Spa Deutschland GmbH. Das bayerische Unternehmen hat das Wonnemar in Bad Liebenwerda gekauft. Es will nicht nur ein Hotel neben das Spaßbad bauen lassen, sondern auch den nahe gelegenen Zeischaer Kiessee touristisch erschließen. Ferienhäuser, Saunahütten, ein Wassersportzentrum und ein Hochseilgarten sollen hier entstehen. Sogar ein Schiffswrack soll in dem 18 Meter tiefen Kiessee versenkt werden, um deutschlandweit Taucher anzulocken.

Die Bewohner der Siedlung II, die sich in einem Verein zusammengeschlossen haben, erfuhren davon vor wenigen Tagen aus dem Internet. Schnell machte die neue Nachricht in der gemeinsamen Whatsapp-Gruppe die Runde. "Das war sofort das Gesprächsthema Nummer eins", bestätigt Bungalow-Nachbarin Edith Hollas aus Großenhain.

Etwas Skepsis sei anfangs bei dem einen oder anderen dabei gewesen. Schließlich habe es schon mehrere ähnliche Ideen für die touristische Erschließung des Zeischaer Kiessees gegeben. Doch sie seien allesamt daran gescheitert, dass sich die Stadt Bad Liebenwerda und der Kieswerk-Besitzer nicht einigen konnten.

Das scheint jetzt anders zu sein. Wie die Lausitzer Rundschau vom Projektentwickler Rupert Atzberger erfahren hat, hätte sich die AIM Spa Deutschland GmbH mit dem Besitzer über den Kauf des Kiessee-Geländes geeinigt. Ein Notar würde bereits einen Kaufvertrag ausarbeiten.

Diesen schicken Bungalow hat Heinz Gruner zusammen mit seiner Frau Karin ausgebaut und auch einen Vorgarten liebevoll bepflanzt. Hier verbringen sie viel Zeit von Frühjahr bis Herbst.
Diesen schicken Bungalow hat Heinz Gruner zusammen mit seiner Frau Karin ausgebaut und auch einen Vorgarten liebevoll bepflanzt. Hier verbringen sie viel Zeit von Frühjahr bis Herbst. © Jörg Richter

Die Bungalowbesitzer aus dem Raum Riesa-Großenhain begrüßen das. Für sie ist es nur wichtig, dass sie auch weiterhin ungehindert an den Kiessee zum Baden gehen können. Offiziell gab es zwar ein Badeverbot, doch der bisherige Besitzer hatte die vielen Tausenden Badegäste geduldet. Mit Erleichterung haben sie Atzbergers Idee von einer Dauerkarte mit freiem Eintritt für alle Bungalowbesitzer aufgenommen.

Die Siedlung II selbst bleibt von dem Verkauf des Kiessees nicht betroffen. Der hiesige Verein, zu dem sich rund 60 sächsische Familien zusammengeschlossen haben, hatte bereits 1997 mit der Stadt Bad Liebenwerda einen Erbbaupacht-Vertrag ausgehandelt. Dieser gilt noch 75 Jahre. Die Zeischaer Sachsen bleiben also noch eine ganze Weile hier.

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