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"Putin will auch den Westen in die Knie zwingen"

Der Historiker Karl Schlögel erklärt die Motive des russischen Präsidenten und warnt die Deutschen vor einer "Flucht" in die Vergangenheit.

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Wladimir Putin hält seine Rede, während Marine-Chef Admiral Nikolai Jewmenow (l.) und Verteidigungsminister Sergej Schoigu (r.) während der Parade zum Tag der Marine salutieren.
Wladimir Putin hält seine Rede, während Marine-Chef Admiral Nikolai Jewmenow (l.) und Verteidigungsminister Sergej Schoigu (r.) während der Parade zum Tag der Marine salutieren. © Alexei Nikolsky/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa

Donnerstagmorgen in einer Berliner Altbauwohnung. Der Osteuropa-Historiker Karl Schlögel hat zum Gespräch geladen. Als wir den Termin vereinbarten, wussten wir noch nicht, dass dieser Tag das Bild von Putins Russland noch einmal radikal verändern würde: In den frühen Morgenstunden begann die russische Armee aus mehreren Richtungen einen Überfall auf die Ukraine. In der Hauptstadt Kiew heulten die Sirenen.

Als Schlögel wenige Stunden später die Tür öffnet, ist er sichtlich bewegt. Der 73-Jährige hat sich praktisch sein ganzes Leben lang mit der Sowjetunion und später mit Russland befasst. Seine erste Reise in die Sowjetunion, die ihn auch in die Ukraine führte, unternahm er schon als Schüler. Später studierte er in Berlin, Moskau und Leningrad.

Am Sonntag war Osteuropa-Historiker Karl Schlögel bei Anne Will zu Gast.
Am Sonntag war Osteuropa-Historiker Karl Schlögel bei Anne Will zu Gast. © NDR/Wolfgang Borrs

Bis 2013 war Schlögel Professor für Osteuropäische Geschichte an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder. Für sich selbst und auch für die Leserinnen und Leser seiner Bücher hat er Geschichte durch den Besuch von Orten und Städten, durch eine Erkundung des Raumes erfahrbar gemacht. Nach der russischen Intervention auf der Krim und im Donbass 2014 begann er sich intensiv mit der Ukraine zu beschäftigen.

Herr Schlögel, wie haben Sie die Nachrichten erlebt, die in diesen Tagen auf uns einströmen?

Offen gestanden habe ich, als ich die ersten Bilder vom Angriff auf die Ukraine sah, vor Verzweiflung geweint. Ich war auf einiges gefasst, aber nicht auf einen solchen Blitzkrieg im ganzen Land. Man ist sprachlos und überlegt sich, was man tun kann. Eigentlich wäre es nötig gewesen, dass die Intellektuellen aus Berlin und Paris, aus Stockholm und Madrid nach Kiew fahren. Die Botschaften wurden evakuiert, und es sah aus, als würden die Europäer die Ukraine allein lassen. Aber natürlich sind wir in Anbetracht dieser militärischen Walze hilflos.

Jetzt kämpfen Russen gegen Ukrainer. Was bedeutet dieser "Bruderkrieg" für die Menschen, die einander eigentlich nahe sind?

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