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Wölfe sollen leichter getötet werden dürfen 

Am Dienstag beraten Fachleute in Sachsen über Änderungen in der Wolfsverordnung. Naturschützer protestieren. 

Das Land Sachsen arbeitet an einer neuen Wolfsverordnung. © Symbolfoto: dpa/Carsten Reher

Dresden/Bautzen. Wird künftig schneller mal ein Wolf abgeschossen? Werden die Tiere bald öfter mit Lärm, Licht und Gummigeschossen davon abgehalten, Schafe zu reißen? Wird das Kontaktbüro in Rietschen bei Niesky für Fragen rund um den Räuber geschlossen? Solche und weitere Fragen zum Wolf soll eine neue Wolfsverordnung des Freistaates Sachsen regeln. Sie wurde Ende letzten Jahres als Entwurf vorgestellt.

Künftig soll zum Beispiel das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, kurz LfULG, zentral für den Wolf zuständig sein. Ausdrücklich auch für die Öffentlichkeitsarbeit. Im Landkreis Görlitz begrüßt man die Neuregelung grundsätzlich, auch die Zentralisierung beim Landesamt. Mit Blick auf die Wolfsscheune in Rietschen laufen Gespräche mit dem Umweltministerium, wie Pressesprecherin Julia Bjar mitteilte. Es gehe darum, „welches Aufgabenspektrum der Standort künftig übernehmen soll“, heißt es. Das bestätigt das Ministerium auf SZ-Nachfrage.

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Am 5. März findet laut Umweltministerium ein Wolfsplenum statt. Dabei werden die Stellungnahmen diskutiert, die zur geplanten Wolfsverordnung eingegangen sind. Denn das Ministerium hatte 78 Behörden, Verbände und andere Einrichtungen gebeten, dazu Stellung zu nehmen. 40 Institutionen und Personen hätten sich konkret zu Wort gemeldet. Das Gespräch am Dienstag ist Grundlage dafür, die Verordnung zu überarbeiten. Die kann dann von der Staatsregierung ohne die Zustimmung durch den Landtag beschlossen werden.

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Kritik von Umweltverbänden

Nach der neuen Regelung können künftig beispielsweise erwachsene Wölfe getötet werden, die zumutbare Schutzmaßnahmen für die Haltung von Schafen und anderen Nutztieren zweimal überwinden. Wenn nicht ein bestimmter Wolf als Schuldiger ausgemacht werden kann, dürfen so lange Wölfe getötet werden, bis es keine Schäden mehr gibt. Voraussetzung: Der Erhaltungszustand der Wölfe muss gut sein.

Umweltverbände hatten das sächsische Vorhaben bereits kritisiert. Felix Ekhardt, Vorsitzender vom Bund für Umwelt und Naturschutz in Freistaat, fragte: „Will die Staatsregierung die Wölfe ausrotten?“

Indes gibt es auch vonseiten des Bundes Schritte in Richtung schnellerer Wolfsabschuss. Bundesumweltministerin Svenja Schulze hatte in der „Bild am Sonntag“ angekündigt, die Tötung zu erleichtern. Ihr Ziel sei eine entsprechende Änderung des Naturschutzgesetzes. „Wenn Wölfe mehrfach Schutzzäune überwinden oder Menschen zu nahe kommen, muss man sie auch abschießen dürfen. Das will ich mit einer ,Lex Wolf‘ klarstellen“, sagte Schulze.