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Armutsbericht: Sachsen mit erfreulichen Zahlen

Sachsen liegt mit seiner Armutsquote auf einem Tiefstand. Bundesweit betrachtet hält der neue Armutsbericht aber weniger gute Nachrichten bereit.

Von Tobias Winzer
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Viele Menschen müssen sehr genau darauf achten, wofür sie Geld ausgeben. In Sachsen ist jeder Sechste von Armut betroffen.
Viele Menschen müssen sehr genau darauf achten, wofür sie Geld ausgeben. In Sachsen ist jeder Sechste von Armut betroffen. © Fotostand

Jeder sechste Sachse ist von Armut betroffen. Das geht aus dem Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbands hervor, der am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Demnach beträgt die Armutsquote in Sachsen 16,7 Prozent. Das ist der zweitniedrigste Wert seit 2006. Nur 2018 wurde mit einer Quote von 16,6 ein noch niedrigerer Wert erreicht.

Am stärksten von Armut betroffen ist dem Bericht zufolge Westsachsen mit einer Quote von 18 Prozent. In Südsachsen lag der Anteil der in dem Bericht als arm definierten Menschen bei 16 Prozent und damit am niedrigsten im Freistaat.

Auch im Bundesländervergleich steht Sachsen gut da. Den Angaben zufolge ist die Armutsquote nur in Bayern (12,6), Baden-Württemberg (13,5) und Brandenburg (14,2) niedriger.

Armutsbericht: Jedes Fünfte Kind von Armut betroffen

Insgesamt ist in Deutschland jedes fünfte Kind in Deutschland von Armut betroffen. Mit 21,8 Prozent aller Kinder und Jugendlichen werde ein "trauriger Rekordwert" erreicht, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands, Ulrich Schneider, bei der Vorstellung des Berichts.

Insgesamt seien 14,2 Millionen Menschen hierzulande im Jahr 2022 arm gewesen - eine Quote von 16,8 Prozent. Das seien 100.000 Menschen mehr als 2021 und fast eine Million mehr als im Vor-Pandemiejahr 2019, sagte Schneider. Im Vergleich zu 2006 ist die Zahl um 2,7 Millionen gestiegen. Es war dem Verband zufolge das Jahr, in dem der Armutstrend begann.

Der Verband bezieht sich in seiner Auswertung auf den Mikrozensus des Statistischen Bundesamts von 2022. Für 2023 liegen erst im kommenden Jahr belastbare Zahlen vor, die Daten für 2022 sind den Angaben zufolge die jüngsten in der Statistik. Es zeichne sich nicht ab, dass es bei den Zahlen für 2023 zur Trendwende kommen werde, erklärte Schneider.

Wer gilt statistisch gesehen als arm?

Wer als "arm" gilt, ist laut Mikrozensus nach Haushaltstypen und verfügbarem Nettoeinkommen gestaffelt. Ein Single-Haushalt ohne Kinder erreicht die Armutsschwelle demnach etwa bei weniger als 1.186 Euro verfügbarem Einkommen im Monat, Alleinerziehende mit einem Kind unter 14 Jahren gilt entsprechend der Staffelung als arm, wenn sie weniger als 1.542 Euro monatlich zur Verfügung haben.

Insbesondere die Gruppe der Alleinerziehenden und Haushalte mit drei und mehr Kindern sind dem Bericht zufolge "einkommensarm". Hinzu kommen Erwerbslose, Menschen mit niedrigen Bildungsabschlüssen sowie jene mit Migrationshintergrund, die überproportional betroffen seien. Frauen wiesen mit 17,8 Prozent eine höhere Armutsquote auf als Männer.

Verbandsgeschäftsführer Schneider betonte, dass es ein Trugschluss sei, zu denken, dass nur diejenigen wenig zum Leben hätten, die keiner Arbeit nachgingen. Die Statistik zeige, dass mehr als ein Viertel der 14,2 Millionen Betroffenen erwerbstätig seien, ein weiteres knappes Viertel seien Rentnerinnen und Rentner.

Bemerkenswert sei auch die Armutsverteilung innerhalb Deutschlands, hob Schneider hervor. Die niedrigsten Armutsquoten haben demnach Bayern, Baden-Württemberg und Brandenburg. Die höchsten mit jeweils 19 Prozent und mehr das Saarland, Sachsen-Anhalt, Hamburg und Nordrhein-Westfalen. Absolutes Schlusslicht ist den Daten zufolge Bremen mit einer Quote von 29,1 Prozent. (mit dpa)