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Ehrung für "Milchbaron" Müller am Zürich See

"Sachsenmilch"-Unternehmer Theo Müller erhält den Sächsischen Verdienstorden – in einem Fünf-Sterne-Hotel in der Schweiz.

Die Erbschaftssteuer in Deutschland hat „Milchbaron“ Theo Müller – hier auf einem Foto im Jahr 2014 – in die Schweiz vertrieben. Dort wird ihm Ende August der Sächsische Verdienstorden verliehen.
Die Erbschaftssteuer in Deutschland hat „Milchbaron“ Theo Müller – hier auf einem Foto im Jahr 2014 – in die Schweiz vertrieben. Dort wird ihm Ende August der Sächsische Verdienstorden verliehen. © Arno Burgi/dpa

Theo Müller gefällt es in der Schweiz. In seinem „Exil“ an der Zürcher Goldküste findet er es besonders schön. „Ich lebe nicht schlecht hier“, sagte der deutsche Molkerei-Unternehmer vor acht Jahren in einem Interview mit der Schweizer Handelszeitung. Die Lebensqualität in seinem Wohnort in der Nähe von Zürich sei weltweit eine der besten. An eine Rückkehr in die Heimat denke er nicht.

Müller ist ein überaus erfolgreicher Unternehmer und meinungsstark obendrein. Aus der kleinen Molkerei seines Vaters im bayerischen Aretsried schuf er einen weltweit agierenden Konzern, der Milchprodukte und weitere Lebensmittel herstellt. Eine der wichtigsten sächsischen Fabriken, Sachsenmilch in Leppersdorf im Landkreis Bautzen, gehört ebenfalls zu seinem Reich. 2.500 Menschen arbeiten dort für die Müller-Gruppe, die ihren Sitz in Luxemburg hat. Knapp sechs Milliarden Euro Umsatz gab sein Unternehmen im Jahr 2018 an.

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Es war die Erbschaftssteuer, die den „Milchbaron“ 2003 aus Deutschland vertrieb. 200 Millionen Euro Schenkungs- und Erbschaftssteuer würden an das Finanzamt fließen, wenn der Konzern eines Tages an seine Kinder übergeht. Müller, der im vorigen Jahr seinen 80. Geburtstag feierte, hat nie einen Zweifel daran gelassen, dass er diese Steuer als persönliche Zumutung empfindet. Er investiere das Geld lieber in sein Unternehmen, als es dem Staat zu geben. Er werde enteignet und beraubt, warf er der Regierung im Nachrichtenmagazin Spiegel vor. Große Konzerne hätten diese Probleme nicht.

„Asozial“, „unpatriotisch“, schimpften Politiker der damaligen rot-grünen Bundesregierung offen über Müller. Er sei ein „Absahner“, denn die Investitionszulagen für die Molkerei in Leppersdorf habe er vom Staat gern genommen.

Ein Firmenschild am Stammsitz der Unternehmensgruppe Theo Müller
Ein Firmenschild am Stammsitz der Unternehmensgruppe Theo Müller © Stefan Puchner/dpa

"Reiche Leute braucht das Land"

Müller dagegen verteidigt den Reichtum Einzelner. Er halte es für Unsinn, dass Vermögenskonzentration in Deutschland politisch bekämpft werde. „Nur der, der mehr hat, als er eigentlich braucht, investiert doch. Das heißt, reiche Leute braucht das Land“, sagte Müller 2004 gewohnt deutlich in einem Interview mit der Sächsischen Zeitung.

Sachsenmilch ist einer der größten Arbeitgeber in Ostsachsen. Für seine „herausragenden Verdienste um den sächsischen Wirtschaftsstandort und die Schaffung von Tausenden von Arbeitsplätzen im Landkreis Bautzen“ soll er nun den Sächsischen Verdienstorden erhalten. Mit der Auszeichnung werde er für seine sozialen und kulturellen Projekte, beispielsweise sein Engagement für die sächsische Blasmusik, geehrt, teilte Regierungssprecher Ralph Schreiber auf Anfrage mit.

Der Sächsische Verdienstorden wird regelmäßig an prominente oder unbekannte Menschen verliehen, die sich engagieren oder besondere Leistungen vorweisen. Die Veranstaltungen finden in Sachsen statt. Zuletzt zeichnete Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) an zwei unterschiedlichen Orten in Dresden Anfang Juli elf Männer und Frauen aus. Müller dagegen muss nicht nach Sachsen reisen. Kretschmer bringt ihm den Orden praktisch nach Hause. In einem Fünf-Sterne-Hotel am Zürich See wird er ihm dort am 31. August die Ehrung überreichen.

Kein zweiter Boris Becker

Wegen seines Schweizer Wohnsitzes darf sich Müller nicht mehr allzu häufig in Deutschland aufhalten. Er dokumentiere seine Fahrten in die Heimat zu hundert Prozent, erklärte er die Folgen seines Steuersparmodells kurz nach seinem Umzug im Gespräch mit der SZ. „So etwas wie bei Boris Becker kann mir nicht passieren“. Der einstige Tennisprofi war vor fast 20 Jahren wegen Steuerhinterziehung verurteilt worden, weil er zwar seinen Wohnsitz nach Monaco verlegt hatte, sich aber regelmäßig in Deutschland aufhielt.

Regierungssprecher Schreiber sagte dazu, die Ordensverleihung finde in Zürich statt, da der Ministerpräsident mit einer Delegation der Wirtschaftsförderung Sachsen eine Kurzreise in die Schweiz unternehme. Während einer Abendveranstaltung mit Gästen aus der Schweizer Wirtschaft werde Müller der Verdienstorden überreicht. „Herr Müller wird voraussichtlich in einer kurzen Rede auch über den Wirtschaftsstandort Sachsen berichten“, teilte Schreiber mit.

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Kretschmers Reise dauert drei Tage, das Programm ist übersichtlich. In Begleitung von Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft fliegt er vom 30. August bis 1. September in die Schweiz. Es geht bei den Terminen um Kontaktpflege und den Ausbau politischer und wirtschaftlicher Beziehungen, heißt es im Programm. Geplant sind ein Besuch des Technoparks Zürich, des Kunstmuseums Fondation Beyeler in Basel sowie Gespräche mit der Leitung der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich. Beim Müller-Abend im Hotel Baur au Lac geht es um Standortwerbung – mit Musikern der Staatskappelle inklusive.

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