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Ein Rosenparadies in Sachsens Kornkammer

Von William Shakespeare bis Rosentorte – in der Rose’nei in Birmenitz bei Lommatzsch rankt sich alles um die schönste der Blumen.

Ein Garten voller Rosen, über 500 sind es. Ellen Mosert hat das rund 3.000 Quadratmeter große Gelände in Gartenräume eingeteilt und intuitiv frei gestaltet.
Ein Garten voller Rosen, über 500 sind es. Ellen Mosert hat das rund 3.000 Quadratmeter große Gelände in Gartenräume eingeteilt und intuitiv frei gestaltet. © Jürgen Lösel

Von Dagmar Doms-Berger

Mitten in der Lommatzscher Pflege, der einstigen Kornkammer Sachsens, befindet sich die Rose’nei. Im kleinen Ort Birmenitz hat Ellen Mosert hier mit ihrem Antikcafé und dem Rosengarten ein Refugium geschaffen, in dem sich alles um Rosen dreht.

Rosen wachsen im Beet und in Töpfen, sie ranken an Hauswänden und Zäunen. Ihr Anblick entschleunigt, ihr Duft betört und ihr Geschmack ist ein Erlebnis – als Rosentee, Rosenbowle und selbst gebackene Rosentorte mit echten Rosenblättern und Rosenwasser, serviert auf zarten Rosentellern.

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Etwa 500 Rosen gibt es in Birmenitz zu bestaunen, historische und seltene Rosen stehen zum Verkauf. Pflanz- und Pflegetipps gibt es gratis dazu. Ellen Moserts Rosen-Wissen hat sich in den Jahren zu einem riesigen Schatz gemausert.

Die Liebe entflammte in England

Die Liebe zu den Rosen entflammte bei Ellen Mosert während der Besuche bei ihrer Tochter in England. Die Cottage-Gärten (Cottage, engl. = kleines Landhaus) faszinierten sie und ließen sie nicht mehr los.

Im Gegensatz zur mathematischen Strenge deutscher Kleingärten hat sie ihren rund 3.000 Quadratmeter großen Garten im Cottage-Stil in naturnaher Bepflanzung angelegt. „Hier konnte ich mich ausleben“, sagt die Rosen-Liebhaberin. In ihrem Refugium wächst Unterschiedliches und Abwechslungsreiches zu einem begehbaren Landschaftsgemälde zusammen.

Die italienische Espressomaschine in glänzendem Messing ist ein Interieur für sich. Sie stammt aus den 30er-Jahren und verlangt noch ganz viel Handarbeit und dementsprechend auch Zeit für einen guten Kaffee. Einen antiken Hochschrank hat Ellen Mosert eine
Die italienische Espressomaschine in glänzendem Messing ist ein Interieur für sich. Sie stammt aus den 30er-Jahren und verlangt noch ganz viel Handarbeit und dementsprechend auch Zeit für einen guten Kaffee. Einen antiken Hochschrank hat Ellen Mosert eine © Jürgen Lösel

In ihrer Blütezeit strahlen die Rosen in zarten bis kräftigen Farbtönen von Weiß über Rosa bis Purpur und Violett. Es sind die historischen Rosensorten, die es Ellen Mosert angetan haben. Sie wachsen üppiger, riechen intensiver und sind robuster als die modernen Züchtungen.

Torte trifft Rose

„Riechen Sie mal“, sagt die 66-Jährige und deutet auf eine Blüte der Rosa Rugosa. Ihr Duft ist süßlich und intensiv. Genau richtig für das Rosenwasser, das Ellen Mosert in ihrer Rosentorte verarbeitet.

Seit 2009 wachsen bei Ellen Mosert die robusten Rambler-Rosen mit dem originellen Namen Pauls Himalayan Musk, die bis ins Geäst von Bäumen klettern. Oder Uromas Gartenrose, die Rosa Muscosa, unweit von einer englischen Rose namens William Shakespeare, der besten dunkelroten Rose von David Austin.

Im Café serviert Ellen Mosert Rosentorte und Rosenwasser auf zarten Rosentellern. Die Inhaberin hat Möbel und Deko mit einem Vorleben zu einem harmonischen Miteinander kombiniert. Im Café haben rund 30 Personen Platz, im Garten können 18 Gäste genießen un
Im Café serviert Ellen Mosert Rosentorte und Rosenwasser auf zarten Rosentellern. Die Inhaberin hat Möbel und Deko mit einem Vorleben zu einem harmonischen Miteinander kombiniert. Im Café haben rund 30 Personen Platz, im Garten können 18 Gäste genießen un © Jürgen Lösel

Das Café befindet sich im rund 200 Jahre alten Fachwerkhaus. Einst war hier die gut besuchte Dorfkneipe beheimatet. Wo dazumal Bier und Schnitzel über den Tresen gingen, werden heute Rosentee und selbst gebackene Rosentorte serviert.

An der urig-gemütlichen Einrichtung des Cafés wird erkennbar: Die Inhaberin hat ein Faible für Dinge, die ein Vorleben haben. Tresen und Schrank aus den 20er-Jahren stammen noch aus der ehemaligen Storch-Drogerie in Altkötzschenbroda.

Kein Geheimtipp mehr

Dort hatte sie ihr legendäres Storch-Café eingerichtet, das sie zehn Jahre lang betrieb. Den antiken Hochschrank hatte Ellen Mosert entdeckt, sich verliebt und einem holländischen Trödler vor der Nase weggeschnappt, weil sie dem Verkäufer ein paar Scheine mehr drauflegte. Das aparte Stück, mittlerweile um die 100 Jahre alt, stammt aus der einstigen Ladenbaufabrik Berthold & Ketzsch aus Waldheim.

Sweet Lady heißt diese Edelrose mit stark gefüllten, herrlich duftende Blüten in einem zarten Cremecaramel, innen Goldencaramel. Sie sind eine besondere Zierde dieser reichblühenden Rose. Sie wächst aufrecht und kräftig, ihr Laub glänzt dunkelgrün.
Sweet Lady heißt diese Edelrose mit stark gefüllten, herrlich duftende Blüten in einem zarten Cremecaramel, innen Goldencaramel. Sie sind eine besondere Zierde dieser reichblühenden Rose. Sie wächst aufrecht und kräftig, ihr Laub glänzt dunkelgrün. © Jürgen Lösel

Die Rose`nei ist längst kein Geheimtipp mehr. Es hat sich herumgesprochen, dass sich in Birmenitz ein wahres Kleinod befindet. Es ist deshalb ratsam, den Besuch anzumelden. „In diesen Zeiten ist besondere Rücksicht gefragt, wenn auch viele geimpft sind“, sagt die Inhaberin und weiß, dass die Angst aber auch krank machen kann. Die Gäste sollten daher Zeit mitbringen, um Torte und Rosen und ihre harmonische Verbindung genießen zu können.

Riechen und schmecken

Die Rose’nei mit Antikcafé und Rosengarten mit Verkauf von historischen und seltenen Rosen in Birmenitz 5 bei Lommatzsch.

Das Café hat von April bis Oktober, Donnerstag bis Sonntag von 14 bis 18 Uhr geöffnet, im November und Dezember, Sonnabend und Sonntag von 14 bis 18 Uhr. Eine Voranmeldung, besonders an den Wochenenden, ist ratsam, Tel. 034324 20398.

Rosenkauf ist das ganze Jahr über möglich. Seit Anfang August können Gäste wieder in der Trödelscheune nach Schätzen aus Großmutters Zeiten stöbern.

Neben Rosen und der Gartenführung während der Blütezeit gibt es auch Kultur. Am 6. November, 17 Uhr, liest Thomas Gerlach aus seinem Buch „Maria Magdalena – die Frau an Jesus Seite“. Mit der Hofweihnacht am 11. und 12. Dezember endet die Saison.

Noch mehr lokale Produkte, kulinarische Köstlichkeiten und Manufakturwaren aus Sachsen finden Sie in den DDV Lokalen und im Onlineshop.

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Alle bisher erschienenen Teile der Serie "So schmeckt Sachsen" finden Sie hier

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