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KSK-Soldat gesteht unter Tränen

Nachdem er ein Waffenlager in seinem Garten bei Wermsdorf anlegte, zeigt sich ein Elitekämpfer vor dem Leipziger Landgericht reumütig.

Der Angeklagte (M) im Leipziger Landgericht. Bei dem früheren Bundeswehrsoldaten waren ein umfangreiches Waffenlager sowie Schriften mit rechtsextremen Inhalten entdeckt worden.
Der Angeklagte (M) im Leipziger Landgericht. Bei dem früheren Bundeswehrsoldaten waren ein umfangreiches Waffenlager sowie Schriften mit rechtsextremen Inhalten entdeckt worden. © Sebastian Willnow/dpa

Von Sven Heitkamp

Heller Pulli, hellblaues Hemd, gepflegte Glatze: Der ehemalige Elitesoldat der Bundeswehr, Andreas Philipp Sch., kommt Freitagmorgen als unauffälliger, biederer Zeitgenosse ins Leipziger Landgericht. Er ist eine halbe Stunde zu früh im Saal 115 und lässt sich geduldig von Kamerateams und Fotografen ablichten, ohne zu murren.

Doch die ordentliche Fassade ist wohl nur ein Teil der Geschichte: Bei einer Razzia in seinem Garten in Collm bei Wermsdorf fanden Ermittler Mitte Mai reihenweise Sprengstoff, Waffen und Munition. Und auf dem Dachboden des gepflegten, weißen Einfamilienhauses entdeckte das Landeskriminalamt neben einer abgefeuerten Panzerfaust auch Postkarten und Fotos mit Motiven aus der Nazizeit samt Hakenkreuzfahnen. Auch sammelte Sch. rechtsextreme Zeitschriften wie „Nation und Europa“ und „Der Freiwillige“ – eine Postille für ehemalige Soldaten der Waffen-SS.

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Der 45-Jährige war als Terroristen-Jäger in Afghanistan und im Kosovo eingesetzt. Voriges Jahr aber geriet er mit seiner eigenen geheimen Mission unter Terrorverdacht und machte bundesweit Schlagzeilen. Schließlich hatte der Militärische Abschirmdienst die sächsische „Soko Rex“ auf den Ausbilder aus dem umstrittenen „Kommando-Spezialkräfte“ aufmerksam gemacht.

Lange Waffen-Liste

Nach der Verlesung der Anklage gesteht der Angeklagte am Freitag erstmals sein ohnehin nicht zu leugnendes Waffenlager. Er liest eine schriftliche Erklärung vor und entschuldigt sich „aus tiefstem Herzen“ für seine „Fehler“ – die er in der sechsmonatigen Untersuchungshaft erkannt habe. Während er das sagt, bricht der Elitekämpfer in Tränen aus und ringt um Fassung. Die Sitzung muss für einige Minuten unterbrochen werden, ehe er seinen Schlusssatz sagen kann: „Ich hoffe auf eine zweite Chance.“

Am 13. Mai, als die Soko Rex sein Grundstück durchkämmte, war er am KSK-Standort im baden-württembergischen Calw festgenommen worden. Ende November kam er nach einer Beschwerde seiner Anwälte beim Oberlandesgericht Dresden gegen Zahlung einer Kaution auf freien Fuß. In Freiheit solle er nun auch bleiben, sagt sein Dresdner Anwalt Andrej Klein. In vergleichbaren Fällen seien die Beschuldigten mit einer Geldstrafe oder Bewährungsstrafe davongekommen, und Andreas Philipp Sch. habe immerhin schon mehr als ein halbes Jahr in U-Haft abgesessen.

Staatsanwalt Ron Franke sieht das anders. Er hat den Soldaten wegen Verstößen gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz, das Waffengesetz und das Sprengstoffgesetz angeklagt. Vor Gericht trug er eine lange Liste von legalen und illegalen Waffen vor, darunter zwei Kilo Plastiksprengstoff samt Zünder, eine Kalaschnikow AK-47 samt Munition, Tausende Patronen, Granaten, eine Armbrust mit Pfeilen und viele Waffenteile mehr. Dabei gebe es weder Hinweise auf ein Motiv noch auf mögliche Mittäter, meint der Ermittler der Generalstaatsanwaltschaft.

Teilnahme an berüchtigter "Schweinekopf-Party"

Allerdings hatte der Soldat durchaus Kontakte in die rechtsextreme Szene, wie sein Handy offenbarte. Auch die KSK steht seit Jahren wegen rechtsextremer Umtriebe und wegen des dubiosen Verschwindens von Waffen in der Kritik, mehrfach wurde schon eine Auflösung der Truppe diskutiert. Ob der inzwischen geschiedene Familienvater bei einer ausschweifenden Abschiedsfeier für einen Kompaniechef im April 2017, die als berüchtigte „Schweinekopf-Party“ in die Annalen einging, auch den Hitlergruß zeigte, blieb umstritten.

Andreas Philipp Sch. schilderte dem Gericht ohnehin eine andere Version seiner Geschichte. Weil die Ausrüstung der Truppe durchweg schlecht sei und es immer wieder zu Engpässen kam, habe er für Ausbildungen und Übungen Material aus Restbeständen der Truppe gebunkert. Es sei ihm ein großes Anliegen gewesen, Soldaten bestmöglich auszubilden – um „im Falle eines Falles die Verluste so gering wie möglich zu halten“. Er sei davon ausgegangen, dass es „ungefährliches“ und „nicht einsatzfähiges“ Material sei.

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Um weiteren Ärger am KSK-Standort zu vermeiden, habe er später begonnen, sein Waffenlager daheim anzulegen. Für einen Elitesoldaten, der neben einer geladenen Waffe schläft, sei der Umgang mit Munition und Sprengstoff ganz alltäglich. Zwischenzeitlich habe er sogar geplant, die Munition auf dem Übungsplatz in der Oberlausitz zu vernichten. Nur die Kalaschnikow hätte er gern als „Deko-Waffe“ im Haus aufgehängt. Ein Urteil wird im März erwartet.

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