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Finanzberater aus der Lausitz unter Betrugsverdacht

Für die Staatsanwaltschaft Hannover ist Andreas L. aus Rothenburg einer von sechs Beschuldigten im großen GPG-Kaptialanlage-Eklat.

Im Finanzskandal um die German Property Group sind mehrere Hundert Millionen Euro verschwunden.
Im Finanzskandal um die German Property Group sind mehrere Hundert Millionen Euro verschwunden. © www.imago-images.de

Dresden/Hannover. Der milliardenschwere Finanzskandal um die niedersächsische Anlagegesellschaft German Property Group (GPG) greift in Sachsen um sich. Auf Anfrage bestätigte die Staatsanwaltschaft Hannover, dass sie unter anderem Andreas L. aus Rothenburg in der Oberlausitz beschuldigt. „Wir ermitteln gegen ihn wegen des Verdachts des Betruges“, teilte die Justizbehörde in der niedersächsischen Landeshauptstadt mit.

Die in Langenhagen bei Hannover ansässige GPG hatte seit 2008 Investitionen in Höhe von gut einer Milliarde Euro bei mehr als 15.000, überwiegend ausländischen Anlegern eingeworben, unter anderem in Singapur. Mit dem Geld wollte die Firma in Deutschland denkmalgeschützte Immobilien kaufen, sanieren und anschließend weiterverkaufen. Den Anlegern stellte die GPG hohe Renditen in Aussicht. Die erworbenen Immobilien, darunter auch einige in Sachsen, haben jedoch nicht den Gegenwert des eingeworbenen Kapitals. Mehrere hundert Millionen Euro sind verschwunden. Seit Oktober 2020 ist die GPG pleite. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Anlagebetrugs und „diverser Insolvenzdelikte“.

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Mit dem Hauptbeschuldigten, dem deutsch-britischen Unternehmer und GPG-Gründer Charles Smethurst, stand Andreas L. in den vergangenen Jahren in engem Kontakt. Smethurst, der vor allem in Asien Anleger mit der guten Reputation Deutschlands anlocken konnte, baute ein Konglomerat aus mehr als 150 Firmen auf, L. führte davon mindestens 13 Unternehmen. Eine von Smethurst in Langenhagen gegründete Firma verlegte 2019 unter der Führung von L. ihren Sitz an den Dresdner Flughafen.

Bei diesem Unternehmen handelt es sich um die German Homes4You GmbH. Sie gehört seit März dieses Jahres einer auf Kapitalmarktrecht spezialisierten Firma aus München. Deren Gesellschafter wiederum ist ein Wirtschaftsprüfer und -professor aus Markleeberg bei Leipzig. Obwohl gegen ihn nach Behördenangaben nicht ermittelt wird, könnte ihm eine Millionenforderung ins Haus stehen.

Die von Andreas L. geführte German Homes4You GmbH in Dresden wirbt im Internet um Investoren und Geschäftspartner.
Die von Andreas L. geführte German Homes4You GmbH in Dresden wirbt im Internet um Investoren und Geschäftspartner. © Screenshot/SZ

Recherchen von Sächsische.de und dem Onlineportal Business Insider zufolge hat er 2018 mindestens 60 GPG-Firmen begutachtet. Demnach war keine davon zahlungsunfähig. Der im Sommer 2020 vorläufig eingesetzte Insolvenzverwalter der GPG hingegen vertrat nach Durchsicht der Akten die Auffassung, dass man „bei einer angemessenen Prüfung zu einer Zahlungsunfähigkeit der gesamten GPG-Gruppe“ hätte kommen müssen. In der Analyse des Verwalters, die dieser Redaktion auszugsweise vorliegt, heißt es weiter, der Leipziger Professor habe gegen Pflichten einer ordnungsgemäßen Wirtschaftsprüfung „eklatant verstoßen“. Da die Mindestsumme der Berufshaftpflicht für Wirtschaftsprüfer sich auf eine Million Euro belaufe, sei dieser Betrag zugunsten der GPG-Gläubiger „realisierbar“.

Bei der Jose-Carreras- Spenden-Gala 2015 in Berlin war für GPG-Gründer Charles Smethurst und seine Frau Manou die Welt noch in Ordnung.
Bei der Jose-Carreras- Spenden-Gala 2015 in Berlin war für GPG-Gründer Charles Smethurst und seine Frau Manou die Welt noch in Ordnung. © imago stock&people

Der amtierende Insolvenzverwalter teilt dazu auf Anfrage mit, er prüfe grundsätzlich alle etwaigen Ansprüche gegen sämtliche Beteiligte. Es sei stets sein Ziel, „rechtswidrige oder in anfechtbarer Weise erfolgte Zahlungen und Verfügungen der Schuldnerin zu Ungunsten der Insolvenzmasse zu identifizieren und zurückzuerlangen“.

Der Leipziger Professor lässt über seinen Anwalt mitteilen, dass er „aufgrund der von Berufs wegen auferlegten Verschwiegenheitsverpflichtungen“ nicht in der Lage sei, Stellung zu nehmen. Schadenersatzforderungen seien an ihn „bislang nicht herangetragen“ worden. Noch bis Ende März hatte er eine Teilprofessur an der Leipziger Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur inne.

Auch der Geschäftsführer der AfD-Fraktion ist involviert

Zwischen ihm und Smethurst gab es nicht nur bei der GPG eine Geschäftsbeziehung. Beide saßen zudem eine Zeitlang gemeinsam im Aufsichtsrat einer Leasing- und Immobilienfirma, die als Nachfolgeunternehmen der längst aufgelösten Bautzener OFL-Anlagenleasing AG dient. Die hatte schon 2005 reichlich Anlegerverdruss verursacht. Ihr damaliger Vorstandsvorsitzender war der nun beschuldigte Andreas L. Bereits im März hatte die Staatsanwaltschaft Hannover die Privatwohnung des 64-Jährigen und seine Büros am Dresdner Flughafen durchsuchen lassen.

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