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Grünes Gewölbe: Motiv der Schmuckrückgabe ist noch unklar

Im Prozess um den Dresdner Diamanten-Diebstahl steht nun der Zustand der aufgetauchten Beute im Mittelpunkt – und was sich die Angeklagten von der Herausgabe erhoffen.

Von Alexander Schneider
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Die ausgeraubte Vitrine im Juwelenzimmer des Historischen Grünen Gewölbes im Residenzschloss in Dresden.
Die ausgeraubte Vitrine im Juwelenzimmer des Historischen Grünen Gewölbes im Residenzschloss in Dresden. © Oliver Killig/dpa

Der Schmuck ist schon seit drei Wochen wieder da, doch noch immer sind die Hintergründe der spektakulären Rückgabe unklar. Am Wochenende vor Weihnachten nahmen Ermittler der Sonderkommission "Epaulette" einen Großteil der Beute-Juwelen, die am 25. November 2019 aus dem Grünen Gewölbe Dresden gestohlen wurden, in einer Berliner Anwaltskanzlei in Empfang. Der lange vermisste Schatz wurde zunächst kriminaltechnisch auf Spuren, und von Experten der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) auf Echtheit und Zustand untersucht.

Erste Ergebnisse sollen am Dienstag im Prozess gegen die mutmaßlichen Diebe am Landgericht Dresden bekannt gegeben werden. Ein Soko-Beamter und eine Restauratorin sind in der Hauptverhandlung, die nach wie vor im Hochsicherheitsgerichtssaal am Dresdner Hammerweg stattfindet, als Zeugen geladen. Zwar bleiben die fraglichen Schmuckstücke vorerst unter Verschluss, doch in der Verhandlung werden möglicherweise erste Fotos der aufgetauchten Diamanten gezeigt.

Verständigung geplant

Prozessbeobachter spekulieren, ob und wie sich die offenbar von Verteidigern angeschobene Rückgabe der millionenschweren Steine auf das Strafmaß der Angeklagten auswirken könnte. Die sechs Männer im Alter von 23 bis 29 Jahren gehören dem arabischstämmigen Remmo-Clan aus Berlin an. Seit knapp einem Jahr läuft ihr Prozess vor der Jugendkammer. Neben dem Einbruch werden ihnen auch zwei Brandstiftungen vorgeworfen.

Eigentlich war die Kammer gerade dabei, die Beweisaufnahme zu schließen. Dann sollen Verteidiger auf die Vertreter der Staatsanwaltschaft zugegangen sein und die Rückgabe des Schmucks in Aussicht gestellt haben. Ob allein das schon als ein Schuldeingeständnis gewertet werden kann? Man weiß es nicht. Theoretisch könnte die Beute auch von anderen Angehörigen der Großfamilie gestohlen worden sein.

Die überraschende Schmuckrückgabe wirbelte die Planungen der Kammer durcheinander. Nach Informationen von Sächsische.de muss das Gericht nun weitere Sitzungstage für Februar und März finden, was angesichts der vorgerückten Zeit und der Anzahl der beteiligten Verteidiger nicht leicht ist. Die drei bereits vor Monaten festgelegten Prozesstermine in diesem Monat werden für das nun geänderte Programm - die Vereinbarung einer Verständigung mit glaubwürdigen Einlassungen der Angeklagten, Plädoyers und Urteil - nicht ausreichen.

SKD-Generaldirektorin Marion Ackermann nannte die Rückgabe ein Weihnachtswunder. Sie habe immer daran geglaubt, dass die weltbekannten Exponate wieder auftauchen, schon weil bislang nie auch nur ein Stein irgendwo aufgetaucht sei.

Die Staatsanwaltschaft Dresden hatte als Erste über die Rückgabe informiert, sprach zurückhaltend von "Sondierungsgesprächen mit Verteidigern unter Beteiligung des Gerichts" und deutete eine Verfahrensverständigung an. Das könnte das Motiv der Schmuckrückgabe erklären. Alles Weitere jedoch kann nur im Prozess selbst geklärt werden. Nachdem der Sitzungstag am 20. Dezember coronabedingt ausgefallen war, mussten sich alle bis zum nächsten Prozesstag gedulden: Dienstag, den 10. Januar.

Wo ist der "Sächsische Weiße"?

Bei der in Berlin "sichergestellten" Beute handelt es sich um 31 Einzelteile, darunter mehrere "vollständig erscheinende Stücke" wie der Bruststern des polnischen Weißen Adler-Ordens aus der Brillantgarnitur und der Hutschmuck, der sogenannte Reiherstutz. Es fehlen jedoch unter anderem die bei dem Diebstahl ins Grüne Gewölbe beschädigte Epaulette mit dem "Sächsischen Weißen" und die Große Brustschleife der Königin Amalie Auguste. Das hatten Polizei und Staatsanwaltschaft kurz nach der Rückgabe bekannt gegeben.

Man kann daher vermuten, dass noch einige Beutestücke als "Verhandlungsmasse" für die geplante Verfahrensverständigung dienen dürften. Bei einem kurzfristig anberaumten Einsatz von 20 Polizeitauchern aus mehreren Bundesländern in einem Kanal in Berlin-Neukölln an den Weihnachtsfeiertagen wurden angeblich keine weiteren Schmuckstücke gefunden.