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"Keine Kompromisse um jeden Preis"

Louise Hummel-Schröter ist 36 Jahre alt, lebt in Dresden und ist Freiwilligendienstleistende.

Louise Hummel-Schröter ist gelernte Augenoptikerin und derzeit Bundesfreiwilligendienstleistende beim BUND Sachsen, vor allem im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und politische Lobbyarbeit.
Louise Hummel-Schröter ist gelernte Augenoptikerin und derzeit Bundesfreiwilligendienstleistende beim BUND Sachsen, vor allem im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und politische Lobbyarbeit. © Thomas Kretschel

Weshalb ist es Ihnen wichtig, sich für die Umwelt einzusetzen?

Weil es jetzt einfach zu bewahren gilt, was noch irgendwie bewahrt werden kann an Lebensgrundlage, Natur, sowie Artenvielfalt. Mein persönlicher Herzenswunsch wäre es, Zuversicht für den Rest meines Lebens, aber vor allem für das Leben meines kleinen Sohns zu haben.

Bauen und Wohnen
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?

Hier finden Sie alles, was Sie fürs Sanieren, Renovieren oder Bauen Ihrer eigenen vier Wände brauchen.

Darüber hinaus wird das Thema Gerechtigkeit und Frieden mit zunehmender Umweltzerstörung und Verknappung der Lebensräume immer wichtiger werden, lokal wie global – aber vor allem für und gegenüber den kommenden Generationen.

Welche Aktionen haben Sie bereits begleitet beziehungweise wie sind Sie in diesem Zusammenhang aktiv? Seit wann sind Sie aktiv?

Seit Juni 2019 bin aktiv in verschiedenen Bereichen:

  • Parents For Future

    Was ärgert Sie an der derzeitigen (Umwelt-)Situation am meisten?

    Mich beunruhigt vor allem die Gedankenlosigkeit und der Ressoucenhunger – ganz besonders die Ressourcenverschwendung – unserer Gesellschaft. Diese fußen meiner Meinung nach allerdings nicht auf Bosheit, sondern vor allem darauf, dass Handeln und Umweltfolgen räumlich und zeitlich völlig entkoppelt sind. Wir haben keinerlei Bewusstsein mehr dafür, wie Dinge entstehen, bevor sie in unser Sichtfeld kommen und was mit ihnen passiert, wenn sie daraus verschwinden. Strom kommt aus der Steckdose und Fleisch aus dem Kühlregal, das ist es, was wir im Alltag wahrnehmen – es ist aber einfach nicht die ganze Geschichte.

    Auch traurig macht mich der völlig aus dem Verhältnis gefallene materielle Überfluss und die Vergessenheit darüber, wie wenig eigentlich zum Leben und zum glücklich sein notwendig ist.

    Was mich beinahe täglich wütend und verzweifelt macht, ist wenn Wirtschaft und Umwelt gegeneinander ausgespielt werden! Wie schlimm muss es werden, damit auch der letzte versteht, dass es ohne Umwelt auch keine Wirtschaft mehr gehen wird?! Lebensgrundlage, Wirtschaft und Umwelt sind untrennbar verbundene Seiten einer einzigen Medaille, nämlich unserer Erde. Und genau so müssen sie auch diskutiert werden!

    Ursache dafür, und weiteres Problem ist ein immer noch größtenteils vorherrschendes mangelndes Problembewusstsein in der Gesellschaft, aber auch in der Politik, sowie ein Hin- und Herschieben der Verantwortung dafür, für Aufklärung und Bildung zu sorgen.

    Symbolbild: Auch bei Demonstrationen für mehr Klimaschutz ist Louise Hummel-Schröter mit dabei.
    Symbolbild: Auch bei Demonstrationen für mehr Klimaschutz ist Louise Hummel-Schröter mit dabei. © Archiv/Sven Ellger

    Was ist Ihr Wunsch für die Zukunft? Was wünschen Sie sich von der Politik beziehungsweise der Gesellschaft?

    Von der Politik wünsche ich mir deutlich mehr Zusammenarbeit, aber keine Kompromisse um jeden Preis. Der zwischenparteiliche Wettbewerb darf nicht über der Umsetzung notwendiger Inhalte stehen.

    Gesellschaftlich brauchen wir vor allem Gesprächskultur, auch als Basis für jede Form von Engagement. Dabei halte ich es für besonders wichtig, zu differenzieren, dass ein Gespräch zu führen eben nicht heißt, dass man die Position oder das Handeln seines Gegenübers gut findet oder toleriert – und auch nicht, dass das Gespräch dazu führt. Gespräche sollten als wichtigstes Mittel der Verbindung und zur Verhinderung des Zerfalls und der Spaltung der Gesellschaft immer möglich und akzeptiert sein.

    Gesellschaftlich braucht es langfristiges Denken, aber vor allem auch das Bewusstsein, die Folgen des eigenen Handelns (insbesondere Konsums) zu erkennen. Dabei darf dieses Bewusstsein nicht dazu führen, dass wir uns permanent schuldig oder eingeschränkt fühlen. Es soll vielmehr dazu führen, dass wir unseren Handlungsspielraum wahrnehmen und unsere Chancen erkennen, etwas zu verändern und unsere Zukunft zu bewahren.

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    Sächsische.de stellt fünf Menschen aus dem Freistaat vor und lässt sie über ihren Ärger und ihre Zukunftswünsche in der Umwelt reden.

    Von der Politik erwarte ich in diesem Zusammenhang maximale (und sogar wertungsfreie) Aufklärung, was die langfristigen Folgen unseres Handelns sind. Einfach sagen, wie es ist. Ich erwarte maximale Anstrengung, dass umweltfreundliches Verhalten auf individueller wie unternehmerischer Ebene möglich gemacht wird, honoriert und gefördert wird.

    Genauso wünsche ich mir von der Politik klare Kante gegenüber Unternehmen und Branchen, die keine Strategie für einen langfristigen, volkswirtschaftlichen Nutzen vor dem Hintergrund rasant steigender Umweltkosten vorlegen können.

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