merken
Leipzig

Krawalle nach linker Demo in Leipzig

Nach der Räumung eines leerstehenden Hauses gehen Hunderte Menschen auf die Straße. Doch es bleibt nicht nur bei einem Protestzug.

Mehrere hundert Menschen protestierten gegen die Räumung eines besetzten Hauses im Leipziger Osten. Dabei kam es mehrfach zu Auseinandersetzungen mit der Polizei.
Mehrere hundert Menschen protestierten gegen die Räumung eines besetzten Hauses im Leipziger Osten. Dabei kam es mehrfach zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. © Sebastian Willnow/dpa

Leipzig. Nach der Räumung eines besetzten Hauses ist es im Leipziger Osten zu Demonstrationen und teils gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen. Dabei seien einige Polizisten leicht verletzt und mehrere Polizeiautos beschädigt worden, sagte eine Polizeisprecherin am Freitagmorgen. Unter anderem hatte die Gruppe "Leipzig besetzen" über die sozialen Medien zu einem Protestmarsch am Donnerstagabend aufgerufen und gefordert, "die Wut über die Räumung, zu hohe Mieten und Verdrängung auf die Straße zu tragen".

Nach jüngsten Angaben der Versammlungsbehörde waren etwa 500 Menschen dem Aufruf gefolgt. Zunächst sei die Demonstration friedlich verlaufen, erläuterte die Polizeisprecherin. Plötzlich seien Steine und Flaschen auf die Beamten geworfen worden. Der große Demonstrationszug habe sich dann in mehrere kleinere Gruppen in den Nebenstraßen verteilt. Auch dort hätten Aktivisten Beamte angegriffen, Pyrotechnik angezündet und Barrikaden in Brand gesteckt. "In drei Situationen wurden Beamte derart bedrängt, dass sie Reizgas eingesetzt haben", sagte die Polizeisprecherin. Informationen über verletzte Demonstranten lagen der Polizei nicht vor.

Anzeige
Biathlon-Weihnachtsfeier - jetzt buchen!
Biathlon-Weihnachtsfeier - jetzt buchen!

Kondition, Koordination und Konzentration: die unvergessliche Weihnachtsfeier mit der Sie und Ihre Kollegen ins Schwarze treffen.

Teilnehmer der linken Demonstration legen Gegenstände als Barrikade auf eine Straße. v
Teilnehmer der linken Demonstration legen Gegenstände als Barrikade auf eine Straße. v © Sebastian Willnow/dpa

Bei 34 Aktivisten wurde im Laufe der Nacht die Identität festgestellt. 22 Personen wurden für erkennungsdienstlichen Maßnahmen auf ein Polizeirevier gebracht, erläuterte die Polizeisprecherin. Sie betonte, dass es sich nicht um vorläufige Festnahmen gehandelt habe. Bei den 22 Männern und Frauen liege ein hinreichender Tatverdacht vor. Ihnen werde Landfriedensbruch, Hausfriedensbruch, gefährliche Körperverletzung und Sachbeschädigung sowie Widerstand gegen Polizeibeamte vorgeworfen. Gegen 07.30 Uhr wurde der letzte Aktivist aus der Polizeidienststelle entlassen.

In der Nacht zu Freitag soll es zudem den Versuch gegeben haben, das ehemals besetzte und dann von der Polizei geräumte Haus in der Ludwigstraße erneut zu besetzen. Dazu wollte die Polizei am Freitagmorgen aber noch keine genaueren Angaben machen.

Polizisten sichern eine Straße im Osten der Stadt, im Hintergrund sind die Reste einer Barrikade zu sehen.
Polizisten sichern eine Straße im Osten der Stadt, im Hintergrund sind die Reste einer Barrikade zu sehen. © Sebastian Willnow/dpa

Über das gesamte Wochenende droht in Leipzig im Zuge der Hausräumung weitere Unruhe. Verschiedene Gruppen haben bis zum Sonntag im linksalternativen Stadtteil Connewitz zu Veranstaltungen zum Thema Gentrifizierung, Häuserkampf, Vernetzung, Befreiung von Kapitalismus und Kapital aufgerufen.

Mitglieder der Gruppe "Leipzig besetzen" hatten am 21. August ein leerstehende Haus in der Ludwigstraße besetzt. In einer öffentlichen Stellungnahme hatten sie die Aufwertung und Verteuerung von Wohnraum kritisiert. Sie hatten ein Nutzungskonzept für das Gebäude vorgelegt, bestehend aus selbstorganisierten Wohnformen für alle Generationen, Gemeinschaftsräumen und -gärten und Räumen für Bildungsarbeit. Die Aktivisten hatten gehofft, das Haus kostenfrei zu übernehmen. "Der Besitzer scheint ja kein Interesse an dem Gebäude zu haben, schließlich steht es seit etwa 20 Jahren leer", hatte ein Sprecher der Gruppe gesagt.

Über das gesamte Wochenende droht in Leipzig im Zuge der Hausräumung weitere Unruhe.
Über das gesamte Wochenende droht in Leipzig im Zuge der Hausräumung weitere Unruhe. © Sebastian Willnow/dpa

Die Besetzung hatte auch im Stadtrat für Streit gesorgt: Während Vertreter der CDU von Beginn an die Räumung forderten, solidarisierten sich Grüne und Linke mit den Besetzern. Die Landtagsabgeordnete und Leipziger Stadträtin Juliane Nagel (Linke) hatte dagegen die Räumung bedauert. "Die beste Lösung wäre gewesen, wenn der Eigentümer das Gespräch gesucht und eine Zwischennutzung ermöglicht hätte." Eigentümer leerstehender Häuser müssten ihren Pflichten nachkommen.

Weiterführende Artikel

Demo in Leipzig ist friedlich geblieben

Demo in Leipzig ist friedlich geblieben

Mehrere hundert Menschen haben sich am Samstag in Leipzig versammelt. Ausschreitungen hat es diesmal nicht gegeben.

Drei Tage Krawalle in Leipzig

Drei Tage Krawalle in Leipzig

Auf die Räumung eines besetzten Hauses am Donnerstag folgten Ausschreitungen bis zum Sonntagmorgen.

Innenministerium prüft schärfere Strafen

Innenministerium prüft schärfere Strafen

Die Angriffe auf die Polizei in Leipzig nennt Wöller „unerträglich“. In der Stadt hatten zuvor mutmaßlich Linksextreme randaliert.

Leipzig: Vermummte greifen Polizei an

Leipzig: Vermummte greifen Polizei an

Erneut ist es in Leipzig bei einer Demonstration zu Angriffen auf die Polizei gekommen. Am Freitagabend fliegen Steine auf Beamte und Fahrzeuge.

Anfang dieser Woche hatte sich eine Eskalation angedeutet, nachdem der Eigentümer des Hauses nach Angaben der Aktivisten ein Gesprächsangebot zurückgezogen hatte. Der Eigentümer hatte schließlich eine Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs gestellt. Daraufhin hatte das Amtsgericht Leipzig einen Räumungsbeschluss erlassen, die Polizei räumte am frühen Mittwochmorgen das Haus. (dpa)

Mehr zum Thema Leipzig