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Sachsens Landtag kritisiert die "Ossischelte" von Springer-Chef Mathias Döpfner

Nach den veröffentlichten Ostdeutschen-feindlichen SMS von Mathias Döpfner will Sachsens CDU den Springerchef einladen. Die Linke bemängelt "elitäre Verachtung Ostdeutscher".

Von Thilo Alexe
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Für seine Chatnachrichten hat Springer-Chef Döpfner um Entschuldigung gebeten.
Für seine Chatnachrichten hat Springer-Chef Döpfner um Entschuldigung gebeten. © dpa

Dresden. Medien und der Osten, Medien und Sachsen – das sind keine einfachen Beziehungen. "Lügenpresse" schallte es Reportern etwa bei Demonstrationen gegen Coronamaßnahmen entgegen. Andererseits titelte der Stern 2016: "Sachsen, ein Trauerspiel" und kündigte einen "Report aus dem dunkelsten Bundesland" an. Der Spiegel druckte zwei Jahre später das Wort Sachsen als Titel, die Buchstaben wandelten sich zur Frakturschrift.

Erwähnenswert wäre das nicht mehr, wenn nicht die vor Kurzem durchgestochenen SMSen von Springer-Chef Mathias Döpfner für Wirbel sorgten. Intern hat er nach Recherchen der Zeit „Ossis“ entweder als "Kommunisten oder Faschisten" bezeichnet: "Dazwischen tun sie es nicht." Der damaligen Kanzlerin Angela Merkel unterstellte er, den Verstand verloren zu haben. In einer älteren Nachricht sinnierte Döpfner über die angebliche Demokratiefeindlichkeit und die Möglichkeit, "aus der ehemaligen DDR eine Agrar- und Produktionszone mit Einheitslohn" zu machen.

Linke kritisiert Kretschmer-Interview bei Bild

Stoff genug also für eine Debatte im Landtag, die die Linke unter dem Titel "Springer-Chef zeigt elitäre Verachtung Ostdeutscher – Geringschätzung und Benachteiligung des Ostens endlich beenden!" am Mittwoch auf die Tagesordnung brachte . In der Kritik an den Äußerungen, für die Döpfner um Entschuldigung gebeten hatte, waren sich alle Fraktionen einig. Scharfzüngig, aber eben nicht verbal ausfallend ging Medienminister Oliver Schenk (CDU) auf Distanz. Wie sich Menschen privat äußerten, sei deren jeweiligem Maßstab überlassen. "Einen Teil mag es verwundern, wie wenig ambitioniert dieser Maßstab sein kann."

Schenk erwähnte noch die Vision des 1985 verstorbenen Verlagsgründers Axel Springer von der Wiedervereinigung. Allzu hart ging die größte Regierungspartei nicht ins Gericht mit Döpfner. Linksfraktionschef Rico Gebhardt wies denn auch in der Debatte darauf hin, dass CDU-Ministerpräsident Michael Kretschmer unlängst einem Springer-Medium, der Bild am Sonntag, ein reichweitenstarkes Interview gab, in dem er von einem "Aufruhr in der Bevölkerung" angesichts der Klimapolitik der Ampel sprach.

AfD warnt vor "Jammerossidebatte"

Die CDU hält, wie der Abgeordnete Sören Voigt sagte, Döpfners Äußerungen für "inakzeptabel". Allerdings will die Fraktion, wie Voigts Kollege Georg-Ludwig von Breitenbuch ankündigte, Döpfner einladen. Motto: Miteinander statt übereinander sprechen. Schärfere Kritik kam von der Linken. "Mathias Döpfner ist nur ein Beispiel dafür, dass in den Eliten der Bundesrepublik noch immer zu viele Leute sitzen, die von Ostdeutschland keine Ahnung und für die Ostdeutschen nichts übrighaben", sagte Fraktionschef Rico Gebhardt. Von "Ossis" hätten sie den Eindruck, sie seien lästig, undankbar ,"und dann reden die auch noch so komisch". Wer so denke, solle nicht eines der größten Medienhäuser in Deutschland leiten.

Für die mitregierenden Grünen verwies Thomas Löser ebenfalls auf das „Aufruhr“- Interview Kretschmers und stellte einen Bezug zu kritischen Bild-Schlagzeilen zu Minister Robert Habeck her. Aufhorchen ließ Lösers eher beiläufige Bemerkung: "Was glaubt der Ministerpräsident, wer ihn das nächste Mal ins Amt wählt?" Für die SPD forderte Frank Richter Differenzierung beim Blick auf die DDR. Wenn sie als Unrechtsstaat bezeichnet werde, müsse man hinzufügen, dass es dort auch "viel Recht" gab.

Der AfD-Abgeordnete André Barth warnte vor einer "Jammerossidebatte". Die Sachsen seien "auferstanden aus Ruinen des Sozialismus" – ohne gendergerechte Sprache. "Sie bieten die Stirn und haben ihre Protestkultur nicht verloren."