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Zwangsprostitution: Prozess in Dresden begonnen

Getarnt in Salons für Entspannungsmassagen, Tattoo Studios und Hausmeisterservices sollen Bulgarinnen ausgebeutet worden sein.

Am Donnerstag hat in Dresden der Prozess gegen einen Mann (Mitte) und zwei Frauen aus Bulgarien begonnen. Sie sollen Frauen zur Zwangsprostitution gezwungen haben.
Am Donnerstag hat in Dresden der Prozess gegen einen Mann (Mitte) und zwei Frauen aus Bulgarien begonnen. Sie sollen Frauen zur Zwangsprostitution gezwungen haben. © Benno Löffler

Dresden. Ein Mann und zwei Frauen aus Bulgarien sollen im großen Stil in Dresden Frauen zur Zwangsprostitution gezwungen haben. Am Donnerstag hat ihr Prozess vor dem Landgericht Dresden begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Trio Dutzende Fälle vor - Zuhälterei, besonders schwere Zwangsprostitution, Menschenhandel, gefährliche Körperverletzung, Erpressung.

Bekannt wurde der Fall im Herbst 2019, als die Polizei verschiedene Etablissements in Dresden durchsuchte. Ausgangspunkt waren Anzeigen von geschädigten Frauen, die nach ihrer Rückkehr nach Bulgarien Anzeige erstattet hatten, hieß es damals. Nach ersten Ermittlungen in Bulgarien seien dann auch deutsche Behörden eingeschaltet worden, unter anderem das Bundeskriminalamt (BKA).

Die Staatsanwaltschaft geht von einer organisierten, arbeitsteilig handelnden bulgarischen Gruppe aus, die spätestens ab Anfang 2016 in Dresden ihr Unwesen im Rotlichtmilieu getrieben haben soll. Zu den Angeklagten, einem 32-Jährigen, seiner Partnerin (35) und einer 42-Jährigen, wurde auch gegen einen inzwischen verstorbenen 43-jährigen Bulgaren ermittelt, dem Ehemann der 42-Jährigen.

Loverboy-Methode

Die Etablissements seien als Salons für Entspannungsmassagen, Tattoo Studios, Hausmeisterservice getarnt gewesen. Die teilweise unter 21-jährigen Geschädigten seien unter falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt worden. Darunter sei auch die "Loverboy-Methode" eingesetzt worden. So habe der 32-jährige Angeklagte einer jungen Bulgarin seine Liebe vorgespielt, damit sie ihn nach Dresden begleitet und hier für ihn anschafft, um ihn aus einer Notlage zu helfen.

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Man habe ausgenutzt, dass die Frauen fremd waren und über keine Sprachkenntnisse verfügten. Sie hätten ihre Wohnungen nicht verlassen dürfen und seien teilweise massiv bestraft auch vergewaltigt worden, wenn sie sich weigerten, bestimmte Sexualpraktiken oder ungeschützten Geschlechtsverkehr mit Freiern durchzuführen.

Die Verteidiger forderten die Aussetzung des Verfahrens, etwa weil sie noch keine Kenntnis der abgehörten Telefonate gehabt hätten - die Audiodateien des BKA allein umfassen angeblich mehr als 60 Gigabyte. Die Kammer lehnte eine Aussetzung zwar ab, aber unterbrach die Hauptverhandlung bis Anfang Februar, um den Angeklagten und Verteidigern etwas mehr Zeit zu geben.

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