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Landesbischof kritisiert Sachsens Abschiebepraxis

Tobias Bilz findet, dass "grundlegende Aspekte der Menschenwürde" aus dem Blick verloren gehen und fordert neue Regeln.

Die nächtliche Abschiebung einer georgischen Großfamilie hat auch Sachsens Landesbischof Tobias Bilz erschüttert.
Die nächtliche Abschiebung einer georgischen Großfamilie hat auch Sachsens Landesbischof Tobias Bilz erschüttert. © Ronald Bonß

Dresden. Mit scharfen Worten hat der sächsische Landesbischof Tobias Bilz die Abschiebepraxis in Sachsen kritisiert und neue Regeln gefordert.

"Mit ungläubigem Staunen und noch immer nicht abgeklungener Fassungslosigkeit habe ich zur Kenntnis nehmen müssen, dass im Freistaat Sachsen eine Abschiebepraxis möglich ist, die grundlegende Aspekte der Menschenwürde aus dem Blick verliert", sagte der Bischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Sächsische.de. Anlass für seine Kritik ist die Abschiebung der georgischen Familie Imerlishvili aus Pirna vor vier Wochen.

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"Mir ist bewusst, dass der angemessene Umgang mit Geflüchteten eine Herausforderung bedeutet", räumte Bilz ein. Die "sachgemäße und fallspezifisch Bewertung von Asylanträgen" sei oftmals schwer. "Die Verweigerung eines Bleiberechts wird - und darauf vertraue ich - niemals leichtfertig erfolgen", so Bilz weiter.

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Er habe "großen Respekt vor der Arbeit unserer Behörden und eingesetzten Kommissionen". "Umso verwunderter bin ich darüber, dass der konkrete Umgang mit den Betroffenen derart inhuman vonstattengeht", kritisierte Bilz. "Die Praxis der Abschiebung braucht neue Regeln!"

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