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Nicht nur im "Tatort": Mehr Angriffe auf Retter in Sachsen

Bei ihren Einsätzen zum Schutz von Leben und zur Gefahrenabwehr werden Helfer in Sachsen tatsächlich häufig attackiert. Doch eine gute Nachricht gibt es.

Im Zeitraum von Anfang 2019 bis Mitte 2020 kam es zu insgesamt 129 Straftaten, bei denen Angehörige von Rettungsdiensten oder der Feuerwehr zu den Opfern oder Geschädigten zählten.
Im Zeitraum von Anfang 2019 bis Mitte 2020 kam es zu insgesamt 129 Straftaten, bei denen Angehörige von Rettungsdiensten oder der Feuerwehr zu den Opfern oder Geschädigten zählten. © Archiv/Marko Förster

Dresden. Angriffe auf Rettungskräfte oder Polizeibeamte sind nicht nur ein Thema für den jüngsten Dresden-"Tatort". Die Zahl der zum Teil massiven Attacken auf diese öffentlichen Bediensteten ist im Freistaat tatsächlich anhaltend hoch.

Laut Angaben von Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU) kam es allein im Zeitraum von Anfang 2019 bis Mitte vergangenen Jahres zu insgesamt 129 Straftaten, bei denen Angehörige von Rettungsdiensten oder der Feuerwehr zu den Opfern oder Geschädigten zählten.

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Dabei handelte es sich zum überwiegenden Teil um Körperverletzungen beziehungsweise gefährliche Körperverletzungen sowie um tätliche Angriffe auf Personen und Bedrohungen. Zudem gab es Fälle von Nötigung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, räuberische Erpressung, gefährliche Eingriffe in den Straßenverkehr und sexuelle Übergriffe.

Davon betroffen waren 180 Angehörige von sächsischen Rettungsdiensten und Feuerwehren – 46 von ihnen erlitten in dem Zusammenhang leichte oder schwere Verletzungen, die teilweise eine stationäre Behandlung erforderlich machten.

Immerhin: Laut Wöller lag die Aufklärungsquote in diesem Bereich zuletzt bei über 95 Prozent. So konnten 123 der 129 Straftaten zügig aufgeklärt werden. Insgesamt wurden dabei 120 Tatverdächtige ermittelt, von denen einige für mehrere Angriffe verantwortlich waren. Bei mehr als drei Viertel der Tatverdächtigten handelte es sich um deutsche Staatsangehörige.

Attacken gegen Polizisten

Neben den Rettungskräften sind auch sächsische Polizeibeamte regelmäßig Angriffen ausgesetzt. Im gleichen Zeitraum kam es hier sogar zu insgesamt 2.312 Straftaten – Tendenz steigend. So wurde im ersten Halbjahr 2020 mit allein 841 Übergriffen der höchste Wert registriert.

Bei den Attacken gegen Polizisten handelte es sich vor allem um Fälle von Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte (1.404) sowie um tätliche Angriffe (498). Häufig sind die Beamten auch Bedrohungen ausgesetzt oder sie erleiden im Dienst Verletzungen. Betroffen davon waren insgesamt 716 Polizeibeamte, die in Folge zum Teil stationär behandelt werden mussten.

Auch bei den Straftaten gegen Polizisten liegt die Aufklärungsquote laut dem Innenminister bei über 95 Prozent. Ermittelt werden konnten 2.286 Tatverdächtige, von denen 1.849 die alleinige deutsche Staatsangehörigkeit besaßen.

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Angesichts der vielen Übergriffe wird weiter über eine konsequentere Ahndung solcher Taten debattiert. Der Deutsche Beamtenbund verweist hier auf eine notwendige Meldepflicht. Sachsens Städte- und Gemeindetag spricht sich für einen besseren Schutz öffentlicher Bediensteter durch zusätzliche Strafrechtsregelungen aus.

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