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Sächsische Schweiz: Der Plan gegen das Parkchaos

Ein hochmodernes Verkehrsleitsystem soll die Sächsische Schweiz entlasten. Doch bis es läuft, vergehen noch Jahre. Das sorgt für Frust.

Kirnitzschtal an einem Wochenende Anfang Mai: Autos parken wild auf einer Wiese im Nationalpark.
Kirnitzschtal an einem Wochenende Anfang Mai: Autos parken wild auf einer Wiese im Nationalpark. © Marko Förster

Das erste halbwegs sonnige Wochenende Anfang Mai gab einen Vorgeschmack, was der Sächsischen Schweiz auch in diesem Sommer wieder blüht: Am Gamrig oberhalb von Rathen war die schmale Straße links und rechts mit Autos zugestellt. Im Kirnitzschtal standen die Autos am Eingang zum Nassen Grund gar auf einer Wiese, die zum Nationalpark gehört. Holzpoller, die das verhindern sollen - einfach beiseite geräumt.

Das alles wohlgemerkt während der Corona-Beschränkungen, durch die der Tourismus im Elbsandsteingebirge seit Monaten brachliegt. Die von Gastwirten, Hoteliers und Einzelhändlern ersehnte Rückkehr der Urlaubsgäste steht erst noch bevor.

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Am Gamrig oberhalb von Rathen: Wanderparkplatz voll, Straßenränder zugeparkt.
Am Gamrig oberhalb von Rathen: Wanderparkplatz voll, Straßenränder zugeparkt. © Marko Förster

Wer es bei gutem Wetter als Tagesgast aus Dresden oder anderswo mit seinem Auto nicht bis morgens halb zehn ins Kirnitzschtal geschafft hat, der hat schlechte Karten. Die vorhandenen Wanderparkplätze sind dann schon voll. Das Suchen beginnt. Nach einigem rumgekurve bleibt das Auto irgendwo am Straßenrand stehen, Parkverbot hin oder her. Strafzettel über 15 oder 25 Euro schrecken kaum jemanden ab - sie werden längst einkalkuliert.

Das Problem ist seit Jahren bekannt. Ebenso lange wird über mögliche Lösungen beratschlagt. Der Plan: ein Verkehrsleitsystem, wie man es aus größeren Städten kennt, dazu Auffangparkplätze am Rand des Gebiets. Über digitale Anzeigetafeln werden Autofahrer schon an den Zufahrtsstraßen informiert, wie viele Parkplätze wo frei sind und entsprechend geleitet. Das soll vor allem den Suchverkehr reduzieren.

Wie das Verkehrsleitsystem aussehen soll

Für ein solches dynamisches Verkehrs- und Parkleitsystem in der Sächsischen Schweiz existiert nun erstmals ein Konzept. Es wurde vom Instititut für angewandte Verkehrstelematik (Inavet) in Dresden erstellt, für den Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge koordiniert der Verein Landschaf(f)t Zukunft das Projekt.

Die Zukunft soll so aussehen: Bei der Anfahrt beispielsweise über die A17 und die dann fertige Pirnaer Südumfahrung steht die erste Anzeigetafel schon vor der Autobahnabfahrt. Auf dem Weg in Richtung Felsenlandschaft gibt es dann an wichtigen Kreuzungspunkten fortwährend Informationen, zum Beispiel "Stau Bad Schandau, Parkplatz Leupoldishain 320 Plätze frei, Shuttle aller 15 Minuten".

Verkehrsinfotafeln ähnlich dieser in Dresden sollen Autos in der Sächsischen Schweiz in geordnete Bahnen lenken.
Verkehrsinfotafeln ähnlich dieser in Dresden sollen Autos in der Sächsischen Schweiz in geordnete Bahnen lenken. © Archivfoto: Karl-Ludwig Oberthür

Damit dies funktioniert, müssen alle großen Zufahrtstraßen aus allen Richtungen sowie die Parkplätze im Gebiet mit Technik ausgestattet werden. Sensoren sollen den Verkehrsfluss auf den Strecken, die Reisezeiten und die Parkplatzbelegung messen. Die Daten werden dann in einer Zentrale verarbeitet und über digitale Anzeigetafeln an die Autofahrer ausgespielt.

Vorgesehen sind sieben sogenannte Mobilitätszentren, also größere P+R-Parkplätze mit Umsteigemöglichkeiten in Busse. Sie sollen in Leupoldishain, am Auffangparkplatz an der Bastei, an der Hocksteinschänke, in Waltersdorf, an den Bahnhöfen in Bad Schandau und Sebnitz sowie in Hinterhermsdorf eingerichtet werden.

Kritik: Es fehlen kurzfristige Maßnahmen

Das mit Spannung erwartete Konzept wurde kürzlich in Sebnitz und Bad Schandau in den Stadtratssitzungen vorgestellt. Wer sich dort allerdings schnelle Lösungen erwartet hatte, wurde enttäuscht. Bei den Präsentationen fielen Sätze wie "Es besteht seit Jahren ein erhebliches öffentliches Interesse an der Lösung der Verkehrsproblematik" oder "Die Umsetzung wird ein gemeinsamer Kraftakt". Konkrete Zeiträume oder Kostenangaben aber fehlten.

In Bad Schandau machte darauf Sepp Friebel (CDU), Ortsvorsteher von Postelwitz, seinem Ärger Luft: Das Konzept sei schön, aber es nütze nichts. "Wir ersticken am Verkehr", sagte Friebel, der - wie alle Postelwitzer - direkt an der B172 wohnt, wo beinahe jedes schöne Sommerwochenende die Autos dicht an dicht im Stau stehen. "Wir brauchen schnellstens zentrale Parkplätze und Bus-Shuttle."

Warum es so lange dauert

Doch damit sieht es schlecht aus. "Es gibt keine schnelle Lösung", sagte Andreas Tänzer, Projektkoordinator bei Landschaf(f)t Zukunft. Er erklärte auch, warum. Es sei deutschlandweit das erste Mal, das ein solches Verkehrsleitsystem für eine ganze Region wie die Sächsische Schweiz konzipiert werde. "Da sind wir Vorreiter." Selbst im Allgäu gebe es bislang nichts vergleichbares.

Das Problem seien die unterschiedlichen Zuständigkeiten. Anders als in einer Großstadt ist die Verantwortlichkeit verstreut. Jeder Parkplatz liegt in einer anderen Gemeinde, hinzu kommen Kreisstraßen, Staatsstraßen, Bundesstraßen und die Autobahn. Mit dem jetzt vorliegenden Konzept sei es zum ersten Mal gelungen, alle Partner an einen Tisch zu holen.

Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr stehe hinter dem Projekt. Die Behörde des Freistaats baut in Dresden an der Stauffenbergallee gerade eine Verkehrszentrale für ganz Sachsen auf. Dort soll auch das Leitsystem für das Elbsandsteingebirge mit eingebunden werden. Die Sächsische Schweiz gilt damit als Modellregion, was nicht zuletzt für die Finanzierung wichtig werden dürfte.

Pilotprojekt in Bad Schandau

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Ein erster sichtbarer Teil des Verkehrsleitsystems soll in Bad Schandau entstehen. Am Parkplatz an der Elbbrücke wird noch in diesem Sommer Messtechnik und eine Anzeigetafel installiert. Dies ist das Pilotprojekt, mit dem das Landesamt für Straßenbau die Technik erproben will. Schrittweise sollen die Parkplätze an der Toskana-Therme, am Bad Schandauer Elbkai und später in Ostrau in das System integriert werden. Bis auch die Parkplätze im Kirnitzschtal mit der nötigen Technik ausgestattet sind, wird es allerdings noch dauern.

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