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Das erwartet Sachsens Touristik vom Sommer

Reisen sind wieder möglich, die Tourismusbranche atmet auf. Doch Corona ist nicht vorbei. Was Sachsen in den Sommermonaten erwartet.

Mountainbiken, etwa auf der neuen "Blockline"-Strecke im Erzgebirge, ist auch in diesem Sommer einer der Gründe, in Sachsen Urlaub zu machen.
Mountainbiken, etwa auf der neuen "Blockline"-Strecke im Erzgebirge, ist auch in diesem Sommer einer der Gründe, in Sachsen Urlaub zu machen. © dpa

Dresden. In Sachsen beginnen die Sommerferien, in anderen Bundesländern sind die Schulen bereits in der Pause. Die Corona-Maßnahmen sind weitgehend gelockert, Reisen sind wieder möglich. Zieht es viele Sachsen an die Ostsee oder in die Berge, kommen auch viele Urlauber nach Sachsen. Steht dem Freistaat also eine unbeschwerte Tourismus-Saison bevor?

Wie viele Urlauber kommen diesen Sommer nach Sachsen?

Die Hoffnungen und Erwartungen auf eine gute Tourismus-Saison sind groß. Die sächsischen Regionen verzeichneten eine große Anfrage an interessierten, potenziellen Gästen, heißt es vom Tourismusverband. Für die Ferienzeit sei in den sächsischen Regionen bereits ein "guter Vorbuchungsstand" erreicht, in allen Regionen seien aber noch Plätze frei. Im Erzgebirge seien die Auswahlmöglichkeiten aber beispielsweise nicht mehr allzu groß, berichtet der Tourismusverband vor Ort. Konkrete Buchungszahlen lägen allerdings frühestens im August vor.

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Der Tourismus war nach dem Lockdown in diesem Jahr langsamer gestartet als im Vorjahr. Im Erzgebirge hatten die Hotels beispielsweise erst Mitte Juni wieder geöffnet, da die Inzidenz zum Anfang des Monats noch über 50 gelegen hatte.

In Dresden sei die Nachfrage bislang noch verhalten, heißt es vom Stadtmarketing. Allerdings habe die Hotellerie begründete Hoffnung auf einen kurzfristigen Buchungsanstieg im August und September. Den habe es nämlich auch im vorigen Corona-Jahr gegeben: War im Juli 2020 durchschnittlich nur jedes zweite Zimmer belegt, waren es im September bereits 70 Prozent. Die Zimmerauslastung reichte somit fast an die Belegung von 82 Prozent im Vor-Corona-Jahr 2019 heran. Außerdem habe Dresden im Vergleich der deutschen Großstädte im Sommer 2020 den geringsten Übernachtungsrückgang gehabt. "Das lässt uns ähnlich optimistisch auf ein gutes Sommergeschäft hoffen", sagt Stadtmarketing-Sprecherin Karla Kallauch.

Auch im Erzgebirge blickt man positiv in die Saison: Bereits im letzten Jahr hätten sich die Monate Juli und August sehr positiv entwickelt, im August habe es sogar 4,7 Prozent mehr Übernachtungen als im Vorjahr gegeben. Für dieses Jahr schätzt der regionale Tourismusverband die Entwicklung ähnlich ein.

"Es ist kein Boom zu spüren", sagt Axel Klein, Geschäftsführer des sächsischen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga). "Wir freuen uns aber darauf, wieder Gäste zu haben." Die Wertschätzung der Urlaubsgäste gegenüber den Übernachtungsanbietern sei nach dem Corona-Lockdown besonders groß.

Prägt Corona auch in diesem Jahr die Urlaubspläne?

Ja, auch in diesem Jahr falle auf, dass die Gäste im Vergleich zu den Vorjahren kurzfristiger buchen, um flexibel zu bleiben und auf aktuelle Pandemieentwicklungen reagieren zu können, sagt Andrea Kis vom Landestourismusverband. "Das Geschäft gestaltet sich dadurch deutlich schwieriger." Auch Prognosen für die Tourismussaison fielen deshalb schwer. Hotels fehle außerdem die Planungssicherheit. Viele böten daher großzügigere Stornierungsrichtlinien an, sagt Kis.

Sind die Übernachtungspreise wegen Corona gestiegen?

Das lässt sich nicht pauschal sagen. Im vergangenen Jahr lag der durchschnittliche Preis für ein Zimmer in einem Dresdner Hotel laut der Statistik des Marktforschungsunternehmens Str bei 74,50 Euro pro Nacht, das sind sogar 6,70 Euro weniger als 2019. Zwar hätten die Übernachtungsbetriebe durch steigende Personalkosten, die Inflationsrate und eben auch die weiterhin geltenden Corona-Hygienebestimmungen höhere Ausgaben, sagt Klein. Dazu kommt insbesondere in der Gastronomie der Fachkräftemangel. Dennoch seien die Preise durch staatliche Hilfen wie die vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer bis Ende 2020 nicht explodiert. Gaststätten konnten so beispielsweise Lebensmittel günstiger einkaufen und so Speisen gewinnbringender verkaufen, ohne die Preise anzuheben.

Von wo kommen die Urlauber nach Sachsen?

Schon vor Corona lag der Anteil der ausländischen Gäste in Sachsen nur bei 11 Prozent, deutschlandweit waren es 21 Prozent. Nach Angaben des Tourismusverbandes stammen auch nun die meisten Gäste aus Deutschland. In Dresden werden vor allem Besucher aus Bayern, Baden-Württemberg und Berlin erfasst. Die wenigen Gäste aus dem Ausland kämen vor allem aus Polen und den europäischen Nachbarländern. Kamen vor Corona viele Sachsen-Besucher aus den Vereinigten Staaten, sei dieser Markt nun weggebrochen.

Besonders in Leipzig fehlen die Geschäftsreisenden. Der Messe- und Kongressmarkt werde sich voraussichtlich erst 2024 vollständig erholen.

Was machen die Urlauber in Sachsen?

Wie im vergangenen Jahr stehe der naturverbundene Urlaub in Sachsen ganz weit vorne, sagt Andrea Kis vom Tourismusverband: Wandern, Fahrradfahren, Aktivitäten an oder im Wasser, dazu häufig Übernachtungen in Ferienwohnungen oder auf Camping-Plätzen mit Selbstverpflegung. Auch in Dresden und im Elbland sind Genuss- und Weintouren besonders gefragt. Nach wie vor stehe in der Landeshauptstadt aber die klassische Städtereise mit Kultur und Sehenswürdigkeiten ganz vorne.

Außerdem kommen neue touristische Angebote dazu, die am Outdoor-Boom andocken. Durch das Osterzgebirge führt seit Neustem eine 140 Kilometer lange Mountainbike-Piste. Die "Blockline" werde "die Entwicklung des Ganzjahrestourismus positiv beeinflussen", heißt es vom Tourismusverband der Sächsischen Schweiz.

Wie beeinträchtigen die Flut-Schäden den Tourismus?

"Das Unwetter vom Wochenende mit seinen Folgen war zweifelsohne schlimm. Bezogen auf das touristische Angebot sind wir aber mit einem blauen Auge davon gekommen", sagt der Geschäftsführer des Tourismusverbandes Sächsische Schweiz, Tino Richter. Einem Urlaub im Elbsandsteingebirge stehe nichts im Wege, ganz im Gegenteil: "Stornierungen und ausbleibende Buchungen wären nach über sieben Monaten Schließung eine Katastrophe für unsere Branche."

Auch in anderen Urlaubsregionen gebe es keine längerfristigen Beeinträchtigungen, so der Landesverband. Lokale Einschränkungen könne es bei Wander- und Fahrradwegen geben. Für die Sächsische Schweiz hat der Tourismusverband eine Karte entwickelt, die die vom Hochwasser betroffenen Regionen zeigt.

Wie geht es weiter nach dem Sommer?

"Durch den langen Lockdown bis Anfang Juni sind auch bei einem guten Verlauf der Sommer-Saison die Verluste nicht mehr aufzuholen", sagt Tino Richter vom Tourismusverband der Sächsischen Schweiz. "So einen Lockdown hält man einmal durch, aber nicht ein zweites Mal", sagt auch Axel Klein vom Dehoga-Landesverband.

Im Corona-Jahr 2020 war die Bettenauslastung in allen Regionen stark gefallen. Nach Zahlen des Statistischen Landesamtes gingen die Belegungen in der Reiseregion Sächsische Schweiz im Vergleich noch am wenigsten zurück (-2,1 Prozentpunkte), einen besonders starken Abfall in der Bettenbelegung erlebten dagegen die Städte Leipzig (-21,6 Prozentpunkte) und Dresden (-21,0 Prozentpunkte).

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"Ein weiterer Lockdown im Herbst muss unbedingt verhindert werden", betont auch Rolf Keil, Präsident des Landestourismusverbandes und Landrat des Vogtlands. "Die Folgen wären sonst für die Tourismusbranche katastrophal." Rolf Keil wie auch Dehoga-Chef Axel Klein plädieren daher für eine höhere Impfquote. "Damit hätten wir viel mehr rechtliche Argumente gegen eine erneute Schließung, die dann erst einmal gerechtfertigt werden muss", sagt Klein.

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