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Waldbrandexperte beantwortet Fragen: Wie brennt Totholz?

Der Waldbrandexperte Johann Georg Goldammer über Klimawandel, feuerfeste Bäume – und was die Gesellschaft für die Brandvorsorge tun müsste.

Von Christina Wittig-Tausch
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Es ist umstritten, welche Rolle das Totholz bei den Bränden im Elbsandsteingebirge spielte, hier ein Blick in die Böhmische Schweiz im Sommer 2022. Am 14. März stellt die Brandkommission der sächsischen Regierung ihre Ergebnisse dazu vor.
Es ist umstritten, welche Rolle das Totholz bei den Bränden im Elbsandsteingebirge spielte, hier ein Blick in die Böhmische Schweiz im Sommer 2022. Am 14. März stellt die Brandkommission der sächsischen Regierung ihre Ergebnisse dazu vor. © Václav Sojka, Verwaltung des Na

Herr Professor Goldammer, seit Monaten geht die Debatte in Sachsen hin und her, welchen Einfluss das Totholz auf den Brand in der Sächsischen Schweiz hatte. Am 14. März stellt die Kommission der Staatsregierung ihre Erkenntnisse zu den Bränden im vergangenen Sommer vor. Welche Rolle spielt Totholz bei Waldbränden?

Ein Feuer breitet sich besonders leicht in abgestorbenen Vegetationselementen aus, darunter auch im Totholz. Sie bilden das Brennmaterial. Neben der Stärke, also dem Durchmesser des Brennmaterials, bestimmt auch dessen räumliche Anordnung das Verhalten und die Auswirkungen eines Feuers. Das Klima verändert sich, wir haben erste Jahre der Dürre erlebt. Dieser Trend wird sich eher noch intensivieren. Dann trocknet auch stärkeres Totholz aus. Hierauf müssen wir ein besonderes Augenmerk richten.

In der Debatte um die Ursachen des Brands im Elbsandsteingebirge wurde auch geäußert, dass für die Ausbreitung eher Flugfeuer verantwortlich waren als Totholz.

Mit Flugfeuern ist bei jedem Waldbrand zu rechnen. Daher sind die Beobachtungen im vergangenen Sommer keine Ausnahme. Entscheidend für die Ausbreitung eines Feuers ist aber vorwiegend das Feuer auf dem Waldboden und im leichten Brennmaterial zwischen dem Boden und den Kronen der Bäume. Dazu zählen Pflanzenteile aus der Gras- und Krautschicht, Nadel- und Blattstreu sowie feines Zweigmaterial.

Brennt denn auch stärkeres Totholz?

Totholz, das bei lang anhaltender Dürre ausgetrocknet ist, wird durch ein Bodenfeuer entzündet. Auf dem Waldboden liegendes, brennendes Totholz trägt nicht zur Ausbreitung des Bodenfeuers bei, aber es erhöht die Schwere der Schäden. Das Feuer verweilt lange im Totholz und glüht es langsam aus. Das Ergebnis sind lang anhaltende hohe Temperaturen im Boden und an den Stammfüßen der stehenden Bäume. Dadurch kann das Feuer in die Stammfüße und in den Wurzelraum eindringen. Das bedeutet, dass später noch Bäume absterben, die das Feuer zunächst scheinbar überlebt haben.

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