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Freital

Schmuckstück für die Weißeritztalbahn

Für 3,4 Millionen Euro ist in Freital eine neue Werkstatt entstanden, mit der sich gleich drei Probleme lösen lassen.

Betriebsleiter Mirko Froß in der neuen Werkstatthalle der Weißeritztalbahn. Mit den vier gelben Hubböcken können die tonnenschweren Wagen in die Höhe gehoben werden. © Foto: Karl-Ludwig Oberthür

Noch sieht es in der riesigen Reparaturhalle, dem Herzstück der neuen Werkstatt der Weißeritztalbahn, recht leer aus. Handwerker führen momentan die letzten Arbeiten aus. Die Regale, auf denen später Werkzeuge und Ersatzteile gelagert werden, fehlen noch. Und das, worum es eigentlich geht, ist auch noch nicht da: die Wagen der Weißeritztalbahn. Doch Betriebsleiter Mirko Froß kann sich sicher sein, dass sich das bald ändern wird. Nach fast zwei Jahren Bauzeit ist die neue Werkstatt der Traditionsbahn in Freital-Hainsberg fertig.

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3,4 Millionen Euro hat die Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft (SDG), die neben der Weißeritztalbahn auch die Lößnitzgrundbahn und die Fichtelbergbahn betreibt, dafür ausgegeben. Ursprünglich waren einmal 2,8 Millionen Euro vorgesehen. Für die Summe, die zum großen Teil vom Freistaat finanziert wird, ist ein moderner Anbau an den vorhandenen Lokschuppen entstanden, der für die SDG gleich drei Probleme löst.

Effektiveres Arbeiten möglich

Denn bislang wurden die Reparaturen an zwei Standorten in Freital durchgeführt – je nachdem, ob es sich um eine Lok oder einen Waggon handelte. Während sich die Lokwerkstatt seit jeher in Hainsberg befindet, kamen die Waggons nach Potschappel. Die Werkstatt an der Ecke Carl-Thieme-Straße/Oberpesterwitzer Straße hat ihre Lebensdauer jedoch deutlich überschritten. Eine ordentliche Heizung gibt es nicht, die Bausubstanz ist schlecht, die heutigen Anforderungen an Arbeitsplätze sind dort nicht erfüllt.

Der Anbau aus verschiedenen Perspektiven: Links ist der Unterschied zwischen neuer Wagen-Werkstatt und alter Lokwerkstatt deutlich zu erkennen. © Foto: Karl-Ludwig Oberthür

Ein zweites Problem: Seit dem Hochwasser 2002 ist die Werkstatt in Potschappel nicht mehr ans Gleisnetz angebunden. Das heißt, die Wagen mussten bislang umständlich und damit teuer per Tieflader von der Endhaltestelle der Weißeritztalbahn in Hainsberg nach Potschappel transportiert werden. Diesen Weg kann sich die SDG nun sparen. Für das Verkehrsunternehmen ergibt sich mit dem Neubau noch ein dritter Vorteil: Weil das Werkstatt-Team, bestehend aus drei Wagen- und drei Dampflokschlossern, nun an einem Ort arbeitet, kann es flexibler eingesetzt werden. „Das macht es bei der Dienstplanung etwas einfacher“, sagt Betriebsleiter Froß.

 Von der Straße aus ist die Fassade durchweg modern gestaltet worden.  © Foto: Karl-Ludwig Oberthür

Denn zu tun gibt es für die Mannschaft in der neuen Zentralwerkstatt genug. Rund 40 Wagen werden hier aller vier Monate routinemäßig geprüft. Die Wagen werden dafür einzeln in die neue, acht Meter hohe Werkstatthalle gerollt und mit einer sogenannten Hubbockanlage nach oben gehoben, um die Räder abzumontieren. Per Kran können, wenn nötig, tonnenschwere Einzelteile getauscht werden. Mittels eines Grabens, der sich zwischen den beiden Schienensträngen befindet, können die Schlosser die Wagen auch von unten genau inspizieren. Bis Ende 2020 – dann soll auch in Radebeul eine neue Werkstatt fertig sein – werden hier auch die Wagen der Lößnitzgrundbahn geprüft.

Doch mit dem Neubau ist nicht nur die neue Wagen-Werkstatthalle entstanden. In der zweiten Etage gibt es zum einen ein Büro und einen Schulungsraum und zum anderen einen Raum, in dem die Drucklufttechnik untergebracht ist. Zur neuen Werkstatt gehören außerdem viele Lagerräume und vor allem endlich moderne Umkleide- und Sanitärräume für die Werkstattmitarbeiter sowie für das gesamte Team der Weißeritztalbahn.

Nicht nur ein Zweckbau

Weniger modern sieht es hingegen nebenan in der denkmalgeschützten Lokwerkstatt aus. Dort wurden lediglich die Elektrik, das Heizsystem und die Drucklufttechnik erneuert. Ansonsten wurden die Räume nicht verändert. „Der Zustand des Hauses ist nicht so schlecht“, sagt Froß. Ebenso wie die Wagen in der benachbarten Wagenwerkstatt werden hier die drei Loks der Weißeritztalbahn regelmäßig überprüft. So ein Check findet alle 30 Tage statt und dauert im Durchschnitt etwa 14 Tage. Nur so kann sichergestellt werden, dass die bis zu 90 Jahre alten Dampflokomotiven zuverlässig die Strecke zwischen Hainsberg und Kipsdorf bewältigen.

Doch die neue Zentralwerkstatt der Weißeritztalbahn, die sich etwas versteckt an der Straße Zum Güterbahnhof befindet, erfüllt nicht nur praktische Zwecke, sondern sie ist auch ein architektonisches Schmuckstück geworden. Ein Teil des Anbaus wurde mit langlebigem und wetterbeständigem Lärchenholz verkleidet. Er grenzt sich dadurch deutlich von der alten Lokwerkstatt daneben ab. „Das haben wir mit dem Denkmalschutz so abgestimmt“, sagt Froß. Ein anderer Teil des Anbaus wiederum ist mit roter Fassadenfarbe gestaltet und nimmt so den Ziegel-Look der Lokwerkstatt auf.

Der Betriebsleiter hofft nun, dass auch die letzten noch fehlenden Teile für die neue Werkstatt schnell geliefert werden. Spätestens Anfang Mai soll der Betrieb auf Hochtouren laufen. Die Werkstatt in Potschappel wird dann dichtgemacht und das Haus nur noch als trockener Unterstand für Loks und Wagen genutzt.

Sie wollen noch besser informiert sein? Schauen Sie doch mal auf www.sächsische.de/ort/freital und www.sächsische.de/ort/dippoldiswalde vorbei.

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