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Wohnungsdrama mit Happy End

Einer 86-Jährigen wird kurz vor Weihnachten in Pirna die Wohnung gekündigt. In Sebnitz findet sie ein neues Zuhause in einem frisch sanierten Haus.

Christel Schumann (re.) musste in Pirna aus ihrer Wohnung. Im barrierefrei sanierten Haus von Michael Walldorf in Sebnitz gehört sie zu den ersten Mietern.
Christel Schumann (re.) musste in Pirna aus ihrer Wohnung. Im barrierefrei sanierten Haus von Michael Walldorf in Sebnitz gehört sie zu den ersten Mietern. © Steffen Unger

Für Christel Schumann verlief der vergangene Advent alles andere als besinnlich. Zwei Wochen vor Weihnachten wurde der 86-Jährigen von ihrer Hausverwaltung eröffnet, dass sie sich nach einer neuen Bleibe umsehen müsse. Der Besitzer der Eigentumswohnung, in der sie im Pirnaer Süden zur Miete wohnte, hatte Eigenbedarf angemeldet und ihr gekündigt.

Und das obwohl er ihr beim Kauf der Wohnung noch zugesichert hatte, dass sie bleiben kann bis sie 100 Jahre alt ist. Er wolle nur sein Geld anlegen, hieß es damals vor drei Jahren. Christel Schumann hatte bei dem Eigentümerwechsel schon 13 Jahre in der Wohnung gewohnt. Sie war aus Schwarzenberg im Erzgebirge nach Pirna gezogen, um näher bei ihren Kindern zu sein.

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Ihre Tochter Barbara Kusch aus Lichtenhain war von der unverhofften Kündigung ebenso erschüttert wie ihre Mutter - gerade in der Weihnachtszeit. Zwar betrug die Kündigungsfrist in diesem Fall neun Monate, die Familie wollte nach dem ersten Schock aber so bald wie möglich mit dem Kapital abschließen. Barbara Kusch lief zu einem Bekannten aus dem Dorf, der in Sebnitz bei den Schiller-Apartments arbeitet. Noch am gleichen Nachmittag kam die mündliche Zusage.

"Ich hätte sonst gar nicht gewusst, wo ich hin sollte", sagt Christel Schumann. Die 86-Jährige ist geistig hellwach, nutzt Smartphone und Tablet, nur mit dem Laufen klappt es nicht mehr so gut. Sie ist außerhalb der Wohnung auf Krücken oder den Rollator angewiesen.

Weitere barrierefreie Wohnungen in Sebnitz

Das Haus, in das Christel Schumann nun frisch eingezogen ist, war zur Wohnungsbesichtigung noch eine Baustelle. Es ist die Schillerstraße 10 in Sebnitz, genau gegenüber der bestehenden Schiller-Apartments. Das zuvor lange Jahre leerstehende Gebäude ist nach einer aufwendigen Sanierung zum neuen Bestandteil dieser seniorengerechten Wohnanlage in Sebnitz geworden.

Das frisch sanierte Haus auf der Schillerstraße in Sebnitz sticht auf dieser Straßenseite heraus.
Das frisch sanierte Haus auf der Schillerstraße in Sebnitz sticht auf dieser Straßenseite heraus. © Steffen Unger

Die Eigentümer Susanne und Michael Walldorf, die in Sebnitz schon eine lange Reihe an Immobilien gekauft und saniert haben, haben damit ein weiteres vor sich hin dämmerndes Gebäude in barrierefreien Wohnraum verwandelt. So wie die bereits 2015 fertiggestellten Schiller-Apartments gehörte auch das Haus Schillerstraße 10 einst zur Blumenfabrik Hugo Werner.

Die 16-monatigen Bauarbeiten waren in diesem Fall besonders aufwendig. Von dem alten Gebäude blieben nur noch die Außenwände und die Treppe im Inneren erhalten. Sämtliche Zwischendecken und Wände wurden in moderner Betonbauweise neu eingezogen und ein neues Dach aufgebaut. Besonders aufgrund des begrenzten Platzes war es eins der schwierigeren Projekte, erklärt Uwe Lohf von der ausführenden Baufirma Bendl HTS.

Bauaufträge für Sebnitzer Firmen

Entstanden sind acht Wohnungen, von denen bereits fünf vermietet sind. Alle verfügen über einen Balkon an der Rückseite, top moderne Sanitär- und Elektroinstallation, und sind auch mit dem Rollator schwellenlos befahrbar. Ein neu eingebauter Fahrstuhl bringt die Mieter auf ihre Etage. Ein besonderes Schmuckstück ist die vom Burkauer Kunstschmiedemeister Knut Winkler angefertigte Eingangstür an der Schillerstraße.

Rund eine Million Euro stecken in dem Sanierungsprojekt. Geld, das in der Region bleibt, wie Investor Michael Walldorf und auch der Sebnitzer Oberbürgermeister Mike Ruckh (CDU) betonten. Alle beteiligten Handwerksfirmen stammen aus Sebnitz und Umgebung. Die Stadt Sebnitz hatte das Haus zuerst von der vorherigen Eigentümerin gekauft und später die Sanierung mit Fördermitteln aus dem Stadtumbauprogramm von Bund und Land unterstützt.

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Christel Schumann hat sich mit Hilfe ihrer Kinder schon wohnlich eingerichtet in ihrem neuen Heim. "Für ältere Leute wie mich ist das hier ein kleines Paradies", sagt sie. Sie sitzt morgens auf ihrem Balkon, der nächste Supermarkt und der Sebnitzer Marktplatz sind mit dem Rollator auf ebener Strecke erreichbar.

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