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Fans von Hansa Rostock sorgen mit Choreo für einen Eklat

Fans von Hansa Rostock zeigen beim Spiel gegen den FC St. Pauli eine Fahne mit Plattenbauten, die als Symbol für einen rassistischen Angriff stehen. Außerdem werden bei Ausschreitungen zwei Kinder verletzt.

Von Moritz Schloms
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Hansa-Fans zeigten gegen St. Pauli eine provokante Choreografie.
Hansa-Fans zeigten gegen St. Pauli eine provokante Choreografie. © Picture Alliance/Fotostand/Voelk

Rostock. Das brisante Zweitligaspiel zwischen Hansa Rostock und dem FC St. Pauli (2:3) ist am Samstag von Ausschreitungen überschattet worden, zudem sorgte eine Choreografie der Heimfans für Wirbel. Nach Polizeiangaben kam es durch bislang unbekannte Tatverdächtige aus einer circa 100-köpfigen Personengruppe zu Steinwürfen auf Polizeifahrzeuge. Dabei wurden neben Einsatzfahrzeugen auch ein privater Pkw beworfen und beschädigt. In dem Pkw wurden zwei Kinder im Alter von zwei und zwölf Jahren durch Glassplitter leicht verletzt. Der FC Hansa Rostock verurteilte den Vorfall.

Zudem hatten Rostocker Fans auf der Südtribüne kurz nach Anpfiff eine provokante Choreografie gezeigt. Auf einer großen Fahne waren verschiedene Plattenbauten zu erkennen. Darunter das "Sonnenblumen-Haus" aus Rostock-Lichtenhagen. Dies wird in den sozialen Medien von vielen als eine Verhöhnung der Opfer einer rassistischen Attacke in eben jenem Haus gewertet.

Im August 1992 fanden im "Sonnenblumen-Haus" an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen fremdenfeindliche Angriffe von hunderten Randalierern statt. Diese richteten sich gegen eine Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber und ein Wohnheim für vietnamesische Vertragsarbeiter. Dabei warfen die Angreifer Steine und Brandsätze und riefen rassistische Parolen. Die Angriffe erhielten hohe mediale Aufmerksamkeit und gelten noch immer als eine der schlimmsten fremdenfeindlichen Attacken seit der Wiedervereinigung.

Hansa-Chef Robert Marien stärkt die eigenen Fans

Bereits im August 2022, 30 Jahre nach den Angriffen, fielen die Fans von Hansa Rostock mit einer ähnlichen Flagge auf. Der DFB sanktionierte dieses Verhalten mit einer Geldstrafe gegen den Verein.

Auf Nachfrage von t-online teilt eine Sprecherin von Hansa Rostock dem Medium am Sonntag mit, dass die Choreo, bis auf den Einsatz von Pyrotechnik, vom Verein genehmigt war. Die "Ostsee Zeitung" berichtete, dass es von den 27.000 Fans im Stadion für die Choreo "reichlich Applaus" gegeben habe.

Laut der Zeitung stärkte der Vereinschef Robert Marien den Fans am Samstag nach dem Vorfall den Rücken. Er habe der Zeitung gesagt, es grenze fast schon an "Böswilligkeit", den Rostockern zu unterstellen, sie würden mit dem "dunkelsten Kapital" der Stadt-Geschichte "kokettieren".

Gegenüber Sächsische.de verwies die Pressesprecherin des Vereins Marit Scholz darauf, dass die Fangruppe den Namen "Plattenbau Rostock" trage. Es sei deswegen eben nicht nur das "Sonnenblumen-Haus" gezeigt worden, sondern auch andere Plattenbauten. Weiter sagt Marit Scholz: "Selbstverständlich herrscht Einigkeit darüber, dass die schrecklichen Ereignisse von 1992 mit ganzer Schärfe verurteilt und keineswegs verherrlicht oder Opfer verhöhnt werden – dazu hat sich die Fanszene erst kürzlich auch noch einmal klar in ihrem Szenemagazin positioniert."

Im März dieses Jahres hatte der Verein ein Choreo-Verbot gegen die eigenen Fans verhängt. Damit hatte man auf mehrere Vorfälle reagiert. So waren bei einem Auswärtsspiel in Hamburg zuvor zwei Menschen bei Ausschreitungen verletzt worden. Auch das waren nicht die ersten Vorfälle dieser Art. 2021 musste der Verein fast 100.000 Euro Strafe zahlen, nachdem die Fans Pyrotechnik gezündet und Polizisten angegriffen hatten.

Das Spiel Rostock gegen St. Pauli, auch als "Nordduell" bekannt, galt bereits im Vorfeld als Hochrisikospiel. Die beiden Fanlager gelten als verfeindet. (SZ mit dpa)

Transparenzhinweis: Am Sonntag war der Artikel ohne ein Statement des Vereins veröffentlicht worden, da eine Presseanfrage unbeantwortet blieb. Das Statement der Pressesprecherin von Hansa Rostock wurde nachträglich ergänzt.