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Dynamo: Wie geht es Knippings krankem Freund?

Dynamo-Profi Tim Knipping hat weiter Kontakt zu Leon. Das Geld für dessen Assistenzhund ist zusammen, aber es gibt ein Problem.

Von Michaela Widder
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Im Sommer schenkte Tim Knipping dem kranken Dynamo-Fan Leon ein Dynamo-Shirt und einen Ball, zuletzt lud er ihn zu einem Spiel ein.
Im Sommer schenkte Tim Knipping dem kranken Dynamo-Fan Leon ein Dynamo-Shirt und einen Ball, zuletzt lud er ihn zu einem Spiel ein. © SGD/Markus Zeumer

Dresden/Chemnitz. Ihre private Telefonnummer geben Profisportler nur ungern heraus – und Fußballer eigentlich nie. Leon hat trotzdem die Handynummer von Tim Knipping. Als der langzeitverletzte Abwehrchef von Dynamo Dresden kürzlich seinen 29. Geburtstag feiert, bekam er auch von dem Teenager aus Chemnitz eine Glückwunsch-SMS – und freute sich darüber sehr. Die beiden verbindet eine besondere Geschichte.

„Wir stehen natürlich immer noch in Kontakt. Solange ich lebe, biete ich Leon meine Freundschaft an“, sagt Knipping im Gespräch mit der SZ. Als der Verteidiger von Leons langer Leidensgeschichte hörte, unterstützte er nicht nur eine Spendenaktion, sondern suchte auch den persönlichen Kontakt und besuchte den 14-Jährigen sogar in Chemnitz.

Seit seinem vierten Lebensjahr kämpft der Junge gegen den Krebs, einen besonders hartnäckigen. Er leidet an Neurofibromatose, die seltene Krankheit hat er von seinem mittlerweile verstorbenen Vater vererbt bekommen. In der schwersten Form, und diese hat Leon, bilden sich immer wieder hirneigene Tumore. Schon zehn Mal musste er operiert werden, allein siebenmal im Kopf. Ein Wettlauf gegen den Krebs.

Es drohte eine Amputation

Den längeren Atem hat bisher Leon. „Für mich ist er ein absolutes Vorbild, wenn man sieht, was er durchgemacht hat“, erzählt Knipping während des Trainingslagers im Sommer. Dabei hat der Fußball-Profi selbst schwere Rückschläge zu verkraften. 2017 brach er sich das linke Schienbein, es folgten acht Operationen. Zwischenzeitlich drohte sogar die Amputation des Unterschenkels. Dann im Mai dieses Jahres verlor er seinen Stiefvater, der an den Folgen einer Corona-Erkrankung starb. Und jetzt kämpft der Verteidiger nach einem Kreuzbandriss im August um sein Comeback auf dem Rasen. Vermutlich hat es schon auch mit seinen eigenen Tiefschlägen zu tun, dass er besonders berührt ist, wenn es Menschen im Leben unverschuldet schwer haben.

Während andere Fußballer die Social-Media-Kanäle vor allem als Werbeplattform nutzen, unterstützt Knipping lieber soziale Projekte. „Die Plattformen werden heutzutage viel zu wenig dafür eingesetzt, kleine, schöne Dinge zu tun. Wenn man eine Person des öffentlichen Lebens ist, sollte man diese Chance nutzen.“

Als Dynamo einen Spendenaufruf von Leon teilt, sieht das auch Knipping. Der Junge benötigt dringend einen Begleithund, den sich die Familie allerdings nicht leisten kann. So ein vierbeiniger Therapeut kostet zwischen 25.000 und 35.000 Euro. Knipping versteigerte sein Trikot mit den Unterschriften aller Spieler sowie getragene Schuhe und einen Ball. Einige Mitspieler spendeten eine größere Summe. Dadurch wurden andere Vereine auf den jungen Dauer-Patienten aufmerksam.

Mit einer Lauf-Challenge im Lockdown „verkaufte“ beispielsweise die D-Jugend des BSC Freiberg ihre zurückgelegten Kilometer und wurde dafür kürzlich mit dem Kleinen „Stern des Sports“ in Silber ausgezeichnet. Das Geld für den Begleithund ist seit Sommer längst zusammen. Für Leon, der durch die Krankheit stark eingeschränkt und teilweise auf den Rollstuhl angewiesen ist, soll der Hund Alltagshelfer und gleichzeitig Frühwarnsystem sein. Denn wie aus dem Nichts können Krampf- und Schlaganfälle auftreten.

Wie wichtig so ein Hund auch mental sein kann, weiß Knipping aus eigener Erfahrung. „Ich durchlebe es gerade mit meiner Mutter zusammen“, erzählte er nach dem Tod seines Stiefvaters im Sommer. Sie habe auch einen Hund. „Dadurch weiß ich, was ein solches Tier bedeuten kann, wie viel Kraft es geben kann.“

Einladung ins Dynamo-Stadion

Doch die Familie von Leon wartet noch immer auf einen Helfer, das Geld – darunter eine große Summe von Dynamo – ist längst an den Hundevermittler überwiesen. „Wir hatten zwei Hunde, erst einen Labrador, dann einen Pudel. Es war beides Mal ein Reinfall“, sagt Mutter Romy Kühnert und ist verärgert: „Ich hatte mehr Arbeit mit den Hunden als mit meinem Kind.“ Die Vierbeiner seien gar nicht als Assistenzhunde ausgebildet, so war jedenfalls ihr Eindruck. Sie sollen beispielsweise einen Notknopf drücken, wenn Leon plötzlich umfällt. „Doch außer ,Sitz!‘, ,Platz!‘, ,Bleib!‘ konnte der Hund nichts. Der Pudel hat lieber den Müll angefressen.“

Romy Kühnert, die durch die Krankheit nicht mehr arbeiten kann, ist dringend auf Hilfe angewiesen. Die gute Nachricht bei all dem Ärger: Leons Zustand ist im Moment stabil. Allerdings darf er zurzeit nicht in die Schule, weil er nicht geimpft werden kann. Nur eine Woche in diesem Schuljahr ist Leon bisher unterrichtet worden. Die Zeit zu Hause verbringt er viel mit Zocken. Beim Fifa-Spiel am Computer kann er sein Schicksal für den Moment vergessen.

Am liebsten würde er natürlich selbst Fußball spielen in einem Verein. Das schafft er aber körperlich nicht, zumindest als Fan war er auch mal bei Dynamo im Stadion. „Wir schreiben ab und zu. Ich hatte Leon und seine Mutter zum Spiel gegen Sandhausen eingeladen“, erzählt Knipping. „Es war schön für die beiden, mal rauszukommen. Wenn es die Möglichkeit gibt, werden wir das auch wiederholen.“