merken
PLUS Dynamo

Dynamo schießt im Test acht Tore - ohne Traoré

Der Probespieler fehlt am Dienstag gegen den Bischofswerdaer FV. Der Trainer hofft trotzdem weiter, dass die Verpflichtung klappt. Die Verhandlungen laufen.

Dynamos Luca Herrmann bekam gegen den Bischofswerdaer FV endlich wieder Spielpraxis - und traf auch zum zwischenzeitlichen 5:0.
Dynamos Luca Herrmann bekam gegen den Bischofswerdaer FV endlich wieder Spielpraxis - und traf auch zum zwischenzeitlichen 5:0. © kairospress

Dresden. Der Probespieler fehlte. Ibrahima Traoré war bei Dynamos 8:0-Sieg im Testspiel gegen den Fünftligisten Bischofswerdaer FV am Dienstagabend nicht dabei. Seit Donnerstag trainiert der 33-jährige Ex-Gladbacher beim Zweitligisten mit. „Ein Einsatz hier hätte sich natürlich angeboten“, meinte Chefcoach Alexander Schmidt nach dem Spiel. „Aber ich kenne den genauen Stand nicht, weiß nur, dass die Verhandlungen laufen. Jetzt müssen wir schauen, ob sich die Parteien einigen.“

Aus seiner sportlichen Sicht spräche „nichts gegen eine Verpflichtung. Er hat einen guten Eindruck hinterlassen“, so Schmidt. Auch die Rückmeldungen vom Dortmunder Trainer Marco Rose, der Traoré aus zwei gemeinsamen Jahren in Mönchengladbach kennt, seien gut gewesen.

DDV Lokal
FÜR SIE NUR DAS BESTE - DDV Lokal
FÜR SIE NUR DAS BESTE - DDV Lokal

Unser DDV-Lokal-Shop ist der Ort, an dem wir für Sie das Besondere großschreiben. Egal ob als Überraschung für Ihre Liebsten oder für Sie selbst: Unsere Geschenke und Manufakturwaren vereinen Tradition, Qualität und Handwerkskunst vom Feinsten. Hier mehr erfahren!

Schmidt hatte angekündigt, eine Verpflichtung vor allem vom Fitnesszustand abhängig zu machen. Da genauer hinzuschauen, ist angebracht – nicht nur wegen Traorés Alter und der Tatsache, dass er seit Sommer bei keinem Verein mehr trainiert hat. In den vergangenen beiden Spieljahren brachte er es gerade einmal auf zwei Startelf-Einsätze für die Borussia, davor war er immer wieder verletzt: Sprunggelenk, Adduktoren, Leisten-OP, Muskelfaser- und Sehnenriss – irgendwas war immer. In den sieben Jahren in Gladbach kam er auf 555 Verletzungstage, das letzte Mal Stammspieler war er in der Saison 2015/16. „In meiner besten Zeit war ich leider oft verletzt“, erklärte Traoré kürzlich in einem Interview mit der Rheinischen Post.

Die körperliche Verfassung ist für Dynamos Trainer „das A und O. Kann er sofort den Rhythmus mitgehen? Wenn, brauchen wir schnell einen adäquaten Ersatz.“ Traoré soll die Lücke schließen, die durch die Verletzungen von Brandon Borrello (Mittelfußbruch) und Panagiotis Vlachodimos (Kreuzbandriss) entstanden ist. „In der Offensive kann er alles spielen“, findet Schmidt. „Und bei der Qualität gibt es gar keine Zweifel.“Traoré sagt, dass er sich noch jung fühle, für einen Fußballer aber schon alt sei. Seinen Spielstil beschreibt er so: „Dribblings, Tempowechsel und kreative Ideen.“ Das sei wichtig, „weil die Räume enger geworden sind“.

Nach 175 Spielen in der Bundesliga und dem Aus in Mönchengladbach sah er seine Zukunft eigentlich nicht mehr in Deutschland. „Vielleicht ist es gut, noch mal was anderes zu machen“, erklärte er im Interview mit der Rheinischen Post. Daraus wurde offensichtlich nichts. Nun will er nach Dresden. „Entscheidend ist, dass ich das Gefühl habe, gebraucht zu werden und Spaß haben kann. Ich werde nicht einen Vertrag unterschreiben, nur, um irgendwie weiter zu kicken.“

Kevin Ehlers (r.) wird gegen Bischofswerda erst in den Schlussminuten eingewechselt. Reine Vorsichtsmaßnahme, sagt der Trainer.
Kevin Ehlers (r.) wird gegen Bischofswerda erst in den Schlussminuten eingewechselt. Reine Vorsichtsmaßnahme, sagt der Trainer. © Kairospress/Th. Kretschel

Die Einstellung ist auch für Schmidt ein wichtiges Kriterium. „Die Frage ist: Kommt er hierher, weil er noch Ambitionen hat? Oder kommt er nur her, weil er kurz vorm Ruhestand noch ein bisschen abkassieren will?“, so der Trainer, der zudem betont, dass er „coachbar sein müsse und auch in seinem Alter noch aufnahmebereit“. Alle diese Voraussetzungen hat der Probespieler offenbar erfüllt, jetzt liegt es noch an Vertragsdetails, dem Finanziellen.

Nach dem Ende seiner Karriere will Traoré zurück nach Paris ziehen, dort könnte er sich um seine Immobilienfirma kümmern, die er seit zehn Jahren besitzt. In einem der Problem-Vororte ist er als einer von fünf Geschwistern aufgewachsen. Seine Mutter stammt aus dem Libanon, sein Vater aus Guinea. Für die Auswahl des westafrikanischen Landes hat er 49 Partien bestritten, pausiert derzeit aber. Wie lange er noch auf Vereinsebene pausiert, hängt davon ab, ob er sich mit Dynamo einigt.

Ein Einsatz am Sonntag beim Spiel gegen den FC St. Pauli käme aber wohl auf jeden Fall noch zu früh. Und dies gilt auch für Kevin Ehlers. Der Innenverteidiger, der sich während der Vorbereitung einen Muskelfaserriss am Hüftbeuger zugezogen hatte, sollte gegen Bischofswerda eigentlich Spielpraxis für sein Comeback sammeln, wurde aber erst nach 76 Minuten eingewechselt. „Die Ärzte hatten gesagt, dass er maximal 20 Minuten auf den Platz darf“, erklärte Schmidt.

Beim 3:0-Sieg vergangenen Sonntag gegen Bremen gehörte Ehlers erstmals wieder zum Kader, verspürte beim Aufwärmen einen leichten Druck. Am Mittwoch wird bei ihm ein Kontroll-MRT gemacht. „Kevin ist ein sensibler Spieler. Wir möchten ihm dadurch das Gefühl geben, dass nichts passieren kann“, so Schmidt. Sicher ist sicher.

Bei Luca Herrmann ist das offenbar nicht nötig. Nach seiner Knieprellung stand er gegen den Oberligisten in der Startelf und erzielte sogar ein Tor zum 5:0-Pausenstand. „Es haben sich alle reingehängt, der Ball lief flott“, lobte Schmidt. Traoré konnte das aber nicht zeigen.

Dynamo Dresden – Bischofswerdaer FV 8:0 (5:0)

Weiterführende Artikel

Dynamos Problem mit der Nachwuchsregel

Dynamos Problem mit der Nachwuchsregel

Vier Spieler aus dem Profi-Kader muss der Verein selbst ausgebildet haben. Um die Vorgabe zu erfüllen, beschäftigen die Dresdner derzeit zwei Dauerreservisten.

Dynamo gewinnt Test gegen Freital klar

Dynamo gewinnt Test gegen Freital klar

Mit fünf Profis in der Startelf setzt sich das junge Team Zukunft gegen den Landesligisten durch. Wie Co-Trainer Heiko Scholz das Spiel einschätzt.

Dynamo lässt das Future-Team wieder aufleben

Dynamo lässt das Future-Team wieder aufleben

Damit die Talente und Reservisten mehr Spielpraxis bekommen, sollen sie gegen Mannschaften aus der Region antreten. Start ist am Dienstag gegen den SC Freital.

Dynamo: Mitryushkin – J. Löwe, Aidonis (76. Ehlers), Mai, Giorbelidze – Kulke (56. Hollenbach), Herrmann (46. Oehmichen) – Hosiner (46. Ehrlich) – Diawusie, Sohm (46. Schulze), Seo.
Tore: 1:0 Seo (1.), 2:0 Sohm (22.), 3:0 Hosiner (24.), 4:0 Sohm (32.), 5:0 Herrmann (38.), 6:0 Oehmichen (56.), 7:0 Ehrlich (62.), 8:0 Ehrlich (85.). Bes. Vork.: Mai verschießt Elfmeter (76.).

Mehr zum Thema Dynamo