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Dynamo kassiert trotz des Abstiegs

Es klingt paradox: Weil die Dresdner die Klasse nicht halten konnten, bekommen sie Geld aus drei verschiedenen Töpfen. Ein Überblick.

Gewaltenteilung bei Dynamo: Michel Born (l.) regelt das Finanzielle, Ralf Becker sorgt sich um den Kader.
Gewaltenteilung bei Dynamo: Michel Born (l.) regelt das Finanzielle, Ralf Becker sorgt sich um den Kader. © Lutz Hentschel

Ein Abstieg ist im Fußball fast immer schmerzhaft, zumindest wird die Floskel gerne verwendet. Sie beschreibt nicht allein die Enttäuschung der Fans, die ihre Mannschaft nun gegen weniger attraktive Gegner anfeuern müssen, sondern auch die finanziellen Folgen für den Verein.

Auch Dynamo muss in der 3. Liga, die nächste Woche mit dem Auswärtsspiel beim 1. FC Kaiserslautern beginnt, mit deutlich weniger Geld auskommen. Allein die Erlöse aus der TV-Vermarktung sinken von neun auf gut eine Million Euro, auch die Zuwendungen der Sponsoren richten sich nach der Spielklasse. „Nichts ist teurer als der Abstieg“, hatte der kaufmännische Geschäftsführer Michael Born gesagt.

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Der wirtschaftliche Absturz wird aber zumindest ein klein wenig abgefedert – und das nicht nur, weil die Grundmiete fürs Rudolf-Harbig-Stadion von 40.000 auf 25.000 Euro pro Spiel sinkt. Der Verein kassiert auch mehrere Bonuszahlungen. 

Die SZ gibt einen Überblick:

  • 600.000 Euro aus Solidaritätsfonds

Im April 2018 hatten die Zweitligisten, darunter auch Dynamo, einen Solidaritätsfonds beschlossen. Jeder Verein zahlt seitdem pro Saison 66.666 Euro ein, damit die beiden Absteiger in die 3. Liga am Saisonende jeweils 600.000 Euro bekommen. Unterliegt in der Relegation der Zweitligist, sind jeweils 99.999 Euro fällig. Mit dem Geld sollen die Folgen des Absturzes abgemildert, also etwa Entlassungen auf der Geschäftsstelle vermieden werden.

Seit der Einführung gibt es Kritik an diesem Modell – aus den Reihen der 3. Liga. Der ehemalige Geschäftsführer des VfR Aalen, Holger Hadek, sah darin „einen Bonus“ für die Absteiger. Die Praxis zeige, „dass die zusätzlichen Gelder in der Regel für den sofortigen Wiederaufstieg verwendet“ würden. Malte Metzelder, Ex-Sportchef bei Preußen Münster, fürchtete um „die Durchlässigkeit“ zwischen Bundesligen und 3. Liga und sprach von „geschlossenen Gesellschaften“.

Auf dem Vereinskonto von Dynamo angekommen sind die 600.000 Euro noch nicht. „Das hängt mit der Verschiebung der Saison durch die Corona-Zwangspause zusammen“, erklärt Born. „Wir erwarten das Geld aber in den nächsten Tagen.“

  • 500.000 Euro aus Nachwuchsfonds

Eine halbe Million erhält Dynamo für das Nachwuchsleistungszentrum. In der 3. Liga ist das nicht mehr eine Bedingung, um die Lizenz zu erhalten. Doch die Absteiger sollen sie trotzdem weiterführen. „Mit dem Geld soll der Standard in der Nachwuchsförderung auf dem gleichen Niveau gehalten werden“, so Born. Die halbe Million ist also zweckgebunden, die Deutsche Fußball-Liga fordert dafür Nachweise.

  • Bis zu 800.000 Euro aus dem Hilfspaket

Anfang Juli hatte die Bundesregierung ein Hilfspakt für Mannschaftssportarten verabschiedet, darunter auch Fußball-Drittligisten. Damit sollen im Zeitraum von April bis Dezember 80 Prozent der eingebüßten Zuschauereinnahmen erstattet werden, maximal aber 800.000 Euro pro Verein. „Wir werden diese Fördermittel natürlich beantragen, können das aber nur für die Monate von September bis Dezember, da sie nicht für Zweitligisten gedacht sind“, erläutert Born. Die Antragsfrist endet am 31. Oktober. „Da schon jetzt absehbar ist, dass wir die sonst üblichen Zuschauerkapazitäten bis zum Jahresende nicht annähernd ausschöpfen können, rechne ich damit, dass wir den Maximalbetrag zugewiesen bekommen.“ Für das Pokalspiel werden wohl mehr als 10.000 Tickets verkauft, ins Harbig-Stadion passen sonst 32.249.

  • Kein Euro von RB Leipzig

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Die vier Champions-League-Klubs der vergangenen Saison – Bayern München, RB Leipzig, Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen – hatten ebenfalls einen Solidaritätsfonds aufgelegt. Laut einem Bericht der Bild-Zeitung vom Dienstag sollen dabei 20 Millionen Euro an „durch Corona ausgelöste Härtefälle“ bei „Klubs der Bundesliga und der 2. Bundesliga“ geflossen sein. Das könnte also auch Dynamo betreffen. Doch der kaufmännische Geschäftsführer widerspricht: „Es waren 7,5 Millionen, die an die Drittligisten sowie an die Frauen-Bundesliga gezahlt wurden“, erklärt Born. Demnach gingen die Schwarz-Gelben also leer aus. „Ob es diese Aktion auch in dieser Saison geben wird, ist unklar.“

Dynamo kassiert also garantiert 1,1 Millionen Euro aus Solidaritäts- und Fördertöpfen, es können aber auch bis zu 1,9 Millionen Euro werden. Schmerzhaft bleibt der Abstieg aber trotzdem. Sportlich sowieso, aber auch finanziell.

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