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Dynamo-Krise: Angekommen im Abstiegskampf

Dynamo verliert das Heimspiel gegen Sandhausen, es ist die achte Niederlage im neunten Spiel. Der Trainer glaubt weiter an das Gute und lobt die Fans.

Von Tino Meyer & Jens Maßlich
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Das Bild zur Situation: Christoph Daferner ist enttäuscht nach der Niederlage gegen Sandhausen und vergräbt sein Gesicht im Trikot. Im Spiel vergibt er die zwei besten Chancen.
Das Bild zur Situation: Christoph Daferner ist enttäuscht nach der Niederlage gegen Sandhausen und vergräbt sein Gesicht im Trikot. Im Spiel vergibt er die zwei besten Chancen. © dpa/Robert Michael

Dresden. Dynamo Dresden ist endgültig im Abstiegskampf der 2. Fußball-Bundesliga angekommen. Der Aufsteiger verlor am Samstagnachmittag sein Heimspiel gegen den SV Sandhausen mit 0:1 (0:0) - die achte Niederlage aus den letzten neun Pflichtspielen. Das Tor des Tages vor 11.144 Zuschauern im Rudolf-Harbig-Stadion erzielte: ausgerechnet Ex-Dynamo Pascal Testroet mit einem sehenswerten Volleyschuss in der 50. Minute.

Hier der Liveticker zum Nachlesen.

Dynamos Negativtrend setzt sich damit unvermindert fort, was diesmal auch Auswirkungen auf die zuletzt immer noch ansprechende spielerische Leistung hat. Die wichtigsten Fragen und Antworten nach dem Spiel - und die ersten Reaktionen von Trainer und Spielern.

Hat Dynamo dieses Spiel verdient verloren?

Ja und nein. Schon in der ersten Halbzeit ist es das zu erwartende zähe Spiel, allerdings mit Vorteilen für Dynamo. Das Bemühen, den Negativtrend stoppen zu wollen, wird deutlich, auch wenn von der spielerischen Wucht des Saisonbeginns nichts mehr geblieben ist. Zu Buche stehen dennoch zwei große Chancen: In der 22. Minute trifft Luca Herrmann nach Dynamos bestem Angriff des gesamten Spiels den Pfosten, und in der 34. Minute köpft Christoph Daferner nach Hermanns Flanke den Ball aus Nahdistanz dem Torwart mehr oder weniger direkt in die Arme.

Nach dem Gegentreffer kippt das Spiel. Schmidt reagiert zwar umgehend und wechselt mit Ransford-Yeboah Königsdörffer (20 Jahre) sowie Jongmin Seo (19) zwei zusätzliche Offensivspieler ein, später bringt er den erfahrenen Mittelstürmer Philipp Hosiner (32). Trotzdem bleibt Dynamo lange Zeit de facto chancenlos. Auch spielerisch läuft nicht viel zusammen. Selbst der kämpferische Impuls ist abgesehen von den Schlussminuten mangelhaft, stattdessen zunehmende Verunsicherung zu spüren. Exemplarisch dafür: ein krasser Fehlpass von Heinz Mörschel in der 77. Minute.

Christoph Daferner hatte Dynamos größte Chancen. In der ersten Halbzeit platziert er seinen Kopfball aus fünf Metern nicht, in der zweiten Hälfte scheitert er frei vor Sandhausens Keeper Patrick Drewes.
Christoph Daferner hatte Dynamos größte Chancen. In der ersten Halbzeit platziert er seinen Kopfball aus fünf Metern nicht, in der zweiten Hälfte scheitert er frei vor Sandhausens Keeper Patrick Drewes. © dpa/Robert Michael

Schließlich vergibt Torjäger Daferner, mit bislang fünf Saisontreffern Dynamos bester Torschütze, die größte Chance. In der 86. Minute läuft er aus seitlicher Position allein auf Sandhausens Torwart zu, schießt Patrick Drewes aber mehr ab als dass dieser eine Parade zeigen muss. Die letzte Möglichkeit hat Seo mit seinem Volleyschuss, der übers Tor geht.

Was sagen die Trainer nach dem Spiel?

"Das ist sehr bitter für uns." So beginnt Alexander Schmidt seine Spielanalyse auf der Pressekonferenz eine gute halbe Stunde nach dem Schlusspfiff. Und Dynamos Cheftrainer stellt fest: "Nach dem Rückstand war es sehr schwierig gegen eine kompaktstehende Mannschaft. Der letzte Pass, der letzte Schuss hat uns einfach gefehlt. Und wenn man die wenigen Chancen, die wir hatten, wenn man die nicht macht, kommt dieses bittere Ergebnis zustande."

Pech allein lasse er als Erklärung nicht gelten. "Wir müssen uns steigern. Aber das ist jetzt natürlich auch eine Kopffrage", meint Schmidt und lobt die Zuschauer: "Danke an die Fans, dass sie uns nicht gröber ausgepfiffen haben. Das hätte die Mannschaft auch nicht verdient."

Alexander Schmidt war wie Co-Trainer Ferydoon Zandi und Michael Akoto nach dem Spiel enttäuscht.
Alexander Schmidt war wie Co-Trainer Ferydoon Zandi und Michael Akoto nach dem Spiel enttäuscht. © dpa/Robert Michael

Die Negativserie mit den inzwischen acht Niederlagen sowie vier Liga-Niederlagen zuletzt ohne eigenen Treffer sei schwierig zu verkraften für die Mannschaft. "Ich muss sehen, dass ich die Mannschaft jetzt wieder aufbaue. Wir müssen positiv bleiben, ich habe keinen Bock von spürbarer Verunsicherung zu sprechen. Klar ist: Das war ein schlechtes Ergebnis für uns, da müssen wir nicht um den heißen Brei reden."

Sandhausens Trainer Alois Schwartz bringt es auf den Punkt: "Mit Glück und Geschick haben wir gewonnen. Ich freue mich, dass wir nach langer Zeit mal wieder ohne Gegentor geblieben sind."

Wie fällt das Tor des Tages?

Mal wieder nach einer Standardsituation, diesmal einem Eckstoß. Mörschel klärt mit dem Kopf, allerdings nicht entscheidend. Testroet nimmt den heranfliegenden Ball im Strafraum volley und erzielt die Führung. Es ist, von einem Testroet-Kopfball in der 20. Minute abgesehen, bis dahin die erste und auch einzig wirkliche Chance für Sandhausen. "Unser Mut, wie wir Fußball spielen und die Gegner beackern, ist positiv. Negativ zu betrachten ist aber die Verteidigung bei Standards. Das müssen wir klar verbessern", sagt der zur Halbzeit eingewechselte Kapitän Sebastian Mai.

Und die eigenen Standards? Wie zuletzt erschreckend ungefährlich. Alle zehn Eckbälle sowie sämtliche Freistöße, und auch davon gibt es einige, verpuffen. Yannick Stark fasst danach zusammen: "Wie die letzten Wochen: Wir haben ein zu einfaches Gegentor bekommen und die Chancen nicht gemacht."

Das Tor des Tages: Pascal Testroet erzielt seinen vierten Saisontreffer, Dynamos Luca Herrmann steht zu weit weg.
Das Tor des Tages: Pascal Testroet erzielt seinen vierten Saisontreffer, Dynamos Luca Herrmann steht zu weit weg. © dpa/Robert Michael

Was bedeutet die Niederlage in der Tabelle?

Dynamo bleibt vorerst auf Platz zwölf, der Abstand zur Abstiegszone ist auf drei Punkte geschrumpft. Sandhausen, vor dem Spiel auf dem Relegationsplatz, rückt bis auf einen Zähler an Dynamo heran. Zudem können Hansa Rostock und Holstein Kiel an diesem Wochenende noch punkten, im schlimmsten Fall beträgt Dynamos Vorsprung auf den Relegationsplatz dann nur noch einen Zähler. "Es wird alles enger, und es wird kritischer, was den Abstand nach hinten betrifft. Aber es ist noch nichts Extremes passiert", meint Dynamos Cheftrainer.

Welche Startformation bietet der Trainer auf?

Gleich auf vier Positionen ändert Schmidt diesmal die Startformation - was nach dem Pokalspiel am Mittwoch durchaus zu erwarten war. Mit dem Ausscheiden gegen St. Pauli hat das allerdings weniger zu tun, sondern eher damit, dass man bei der 2:3-Niederlage in die Verlängerung musste.

Der stellvertretende Kapitän Yannick Stark, Abwehrchef Michael Sollbauer, Julius Kade sowie Torjäger Daferner kehren in die Anfangself zurück. Für sie müssen Robin Becker, Ransford-Yeboah Königsdörffer und Pascal Sohm auf die Ersatzbank, Paul Will fällt krankheitsbedingt gänzlich aus. Dafür meldet sich Kapitän Mai zurück, der am Mittwoch noch erkrankt fehlte. Mit Beginn der zweiten Halbzeit bringt ihn Schmidt für den gelbvorbelasteten und mit Testroet schwer beschäftigten Antonis Aidonis. Doch auch Mai hat sichtlich Schwierigkeiten.

Wie läuft die Rückkehr von Ex-Dynamo Testroet?

Eine Hoffnung geht schon vor dem Anpfiff in Erfüllung, das Pfeifkonzert beim Verlesen von Sandhausens Aufstellung bleibt aus. Im Gegenteil, es gibt sogar Applaus für ihn - und das nicht nur von den mitgereisten knapp 40 Gäste-Fans. "Ich bin ja jetzt kein Auer mehr", hatte Testroet, der von 2015 bis 2018 bei Dynamo spielte, mit Blick auf die Rückkehr nach Dresden gesagt. Im Sommer wechselte der 31-jährige Stürmer nach Sandhausen, nachdem man ihn bei Erzgebirge Aue aussortiert hatte.

Nachdem Testroet in der Vorwoche beim 2:2 gegen Bremen beide Treffer für Sandhausen erzielte, gehört er auch diesmal zur Stammformation. Und ist mit seinem Tor sozusagen der Mann des Tages. Auf den Jubel nach seinem nun schon vierten Saisontreffer verzichtet er, zufrieden und glücklich ist er dennoch. "Wenn ich hier früher ein Tor erzielt habe, ist das Stadion explodiert. Diesmal war es ein mulmiges Gefühl. Für mich und meine Mannschaft habe ich mich sehr gefreut, aber ich kann hier nicht feiern", sagt der Siegtorschütze danach.

Hatte bei seiner Rückkehr an alte Wirkungsstätte gut lachen: Pascal Testroet.
Hatte bei seiner Rückkehr an alte Wirkungsstätte gut lachen: Pascal Testroet. © dpa/Robert Michael

Beim SV Sandhausen spielt mittlerweile ein Ex-Dynamo-Trio, neben Testroet auch Außenstürmer Alexander Esswein und Innenverteidiger Tim Kister (und der sogar bereits seit 2013). Der 31-jährige Esswein macht ein weitgehend unauffälliges Spiel, der 34-jährige Kister sitzt zunächst auf der Bank und wird in der Nachspielzeit eingewechselt.