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Dynamos größtes Talent und seine neue Rolle

Kevin Ehlers darf nur spielen, wenn andere ausfallen. Das war vorige Saison noch anders. Sein Trainer verrät, ob Dynamo die Winter-Transferzeit nutzt.

Kevin Ehlers sagt, dass er mit seiner persönlichen Zwischenbilanz zufrieden ist.
Kevin Ehlers sagt, dass er mit seiner persönlichen Zwischenbilanz zufrieden ist. © dpa-Zentralbild

Dresden. Wahrscheinlich hat er die Gefahr erkannt, die in der Frage nach der persönlichen Zwischenbilanz steckt. Antwortet Kevin Ehlers, dass er mit den sechs Startelf-Einsätzen nach 16 Spielen zufrieden sei, könnte man denken, er habe keine hohen Ansprüche und Ziele. Was natürlich Quatsch ist. Würde er sich dagegen frustriert und verärgert über die zu wenigen Nominierungen zeigen, wäre das eine mehr oder minder offene Kritik am Trainer. Da könnte Ärger drohen.

Ehlers ist schlau genug, beides gekonnt zu umschiffen, er nimmt die Frage nach der Bilanz einfach wörtlich. „Von den Spielen, bei denen ich von Anfang an auf dem Platz stand, haben wir nur das gegen Saarbrücken verloren. Deshalb kann ich ganz zufrieden sein“, sagt er und weiß natürlich, dass die Frage anders gemeint war. Aber Nachhaken ist in Zeiten von Video-Pressekonferenzen nur bedingt möglich.

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Dass er tatsächlich rundum glücklich ist mit dem Pendeln zwischen Ersatzbank und Startelf kann man sich nur schwer vorstellen. Für einen Verteidiger, der in gut einem Monat 20 wird, sind die Einsatzzeiten zwar immer noch beachtlich, doch in der vergangenen Saison hatte er einen Stammplatz – und Dynamo spielte eine Klasse höher in der 2. Bundesliga. Nach dem Abstieg wurden mit Sebastian Mai, der später zum Kapitän bestimmt wurde, und Tim Knipping zwei erfahrene Profis auf seiner Position verpflichtet. Die spielten auch – genauso wie später der dann genesene Routinier Marco Hartmann.

Fritz-Walter-Medaille und Marktwert von 1,5 Millionen Euro

Ehlers lief nur auf, wenn jemand aus dem Trio verletzt oder gesperrt war. Derzeit sind Hartmann und Mai angeschlagen, sie werden auch bei den restlichen beiden Spielen in diesem Jahr, am Samstag bei Viktoria Köln und am Dienstag im DFB-Pokal gegen Darmstadt 98, fehlen. „Natürlich profitiere ich von der Situation“, sagt Ehlers. „Deshalb darf ich aber trotzdem keine Fehler machen – oder nur wenige.“

Am Ende der vergangenen Saison, die für ihn persönlich so glänzend lief, für die Mannschaft aber mit dem Abstieg endete, hatte er sich einige Schnitzer geleistet. Womöglich entschied die sportliche Führung deshalb, gleich zwei erfahrene Innenverteidiger zu verpflichten. Als Misstrauensvotum gegen das Talent, das im Sommer vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) mit der Fritz-Walter-Medaille in Silber ausgezeichnet worden war und dessen Marktwert bei 1,5 Millionen Euro liegt, will das Sportchef Ralf Becker aber natürlich nicht verstanden wissen. „Kevin ist trotz seines jungen Alters schon jetzt eine feste Größe in unserer Profi-Mannschaft“, betont er. „Seine Leistungen auf dem Platz zeigen, welch großes Potenzial er besitzt.“

Doch wie kann er das zeigen, wenn Hartmann und Mai wieder fit sind? Und wie lange wird er sich mit seiner Pendlerrolle zufrieden geben? Als er im Sommer Angebote von anderen Vereinen erhalten hatte, lehnte die der Junioren-Nationalspieler allesamt ab. „Der Hauptgrund war, dass ich mich hier wohlgefühlt habe“, erklärt er und merkt, dass er die Antwort an dieser Stelle nicht beenden sollte: „Und ich fühle mich immer noch wohl.“

Verletzung bei der U20-Nationalmannschaft

Dabei lief die Saison für ihn holprig an, das begann schon in der Vorbereitung. „Ich habe nicht gut angefangen, war selbst nicht zufrieden“, hatte er Ende September erklärt. „Und wenn man nicht die Leistung bringt, muss man sich eben hinten anstellen.“ Dann knickte er auch noch bei der U20-Auswahl um, zog sich eine Einblutung im Sprunggelenk zu, verpasste das Pokalspiel gegen den HSV und die ersten beiden Drittliga-Partien. Erst Mitte Oktober stand er erstmals in der Startelf, gegen Magdeburg ersetzte der Sohn von Hansa-Rostock-Ikone Uwe Ehlers den gesperrten Knipping. Danach musst er wieder auf die Bank.

„Natürlich möchte ich spielen, weil ich denke, dass dies in meinem Alter ganz wichtig ist“, hatte er im Trainingslager im Sommer gesagt. „Es liegt an mir, den Trainer in der tagtäglichen Arbeit zu überzeugen.“ Das gelingt ihm laut seiner Einschätzung derzeit wieder besser. „Wir haben uns als Mannschaft gefunden, man kennt nun die Abläufe der anderen. Das vereinfacht die Dinge“, sagt er.

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Nach dem Pokalspiel fährt Ehlers zu seiner Familie an die Ostsee, am 28. Dezember muss er schon wieder zurück sein in Dresden, dann stehen der nächste Corona-Test und zwei Einheiten an. Am 2. Januar beginnt die Winter-Transferzeit. Das ist für ihn kein Thema – und wohl auch für Dynamo nicht. „Ich gehe im Moment davon aus, dass wir nichts machen“, erklärte Trainer Markus Kauczinski. Bei den Innenverteidigern besteht wirklich kein Bedarf.

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