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Darum ist Dynamo in der Offensive so schwach

Die Dresdner scheitern in Ingolstadt erneut an der eigenen Harmlosigkeit. In der Liga schoss die Mannschaft bisher nie mehr als ein Tor pro Spiel.

Es war die entscheidende Szene des Spiels. In der 5. Minute foulte Max Kulke (Nr. 36) seinen Gegenspieler Stefan Kutschke und sieht Rot.
Es war die entscheidende Szene des Spiels. In der 5. Minute foulte Max Kulke (Nr. 36) seinen Gegenspieler Stefan Kutschke und sieht Rot. © PICTURE POINT

Unmittelbar nach dem Schlusspfiff war das Adrenalin präsenter, der Ärger über das Gesehene noch nicht verflogen. „Wir haben so viel Wut im Bauch, wir sind so angepisst wegen dem, was hier passiert ist“, motzte ein verärgerter Markus Kauczinksi in ein TV-Mikrofon. Adressat seiner etwas umgangssprachlich formulierten Kritik war Schiedsrichter Martin Thomsen, der, so fand es nicht nur Dynamos Cheftrainer, in zwei entscheidenden Szenen daneben lag.

Die erste ereignete sich bereits nach fünf Minuten und „stellte das Spiel auf den Kopf“, wie Kauczinski fand. Max Kulke, der als Rechtsverteidiger den an Oberschenkelproblemen laborierenden Robin Becker vertrat, foulte im Strafraum Ex-Dynamo Stefan Kutschke. Über den Elfmeterpfiff wunderte sich kaum jemand, über den Platzverweis gegen Kulke dagegen nahezu alle. „Eine klare Fehlentscheidung“, urteilte Dynamos Sportdirektor Ralf Becker. „Darf man nicht geben“, meinte Kauczinski. „Eine absolute Frechheit“, sagte Kapitän Sebastian Mai. „Meiner Meinung nach eine Gelbe Karte“, erklärte Kulke. Und sogar Kutschke, der den Elfer sicher verwandelte, hatte Probleme „mit der Doppelbestrafung“, die eigentlich doch schon abgeschafft war.

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Der Platzverweis ist auch deshalb ärgerlich, weil er die personelle Notlage auf den Außenverteidigerpositionen weiter verschärft. Chris Löwe fehlt mit dem Außenbandriss im Knie noch mehrere Wochen, Kulke nun für zwei Spiele, eine härtere Strafe durch das DFB-Sportgericht würde verwundern. Becker war nicht mit nach Ingolstadt gereist, ob er gegen den SV Meppen am Samstag wieder spielen kann, ist offen. Mit Löwe-Ersatz Jonathan Meier steht derzeit also nur noch ein Außenverteidiger zur Verfügung. Das ist ein bisschen wenig, die Nachverpflichtung eines vertragslosen Spielers hatte Kauczinski aber bereits ausgeschlossen. Gegen die Schanzer rückte Offensivmann Ransford-Yeboah Königsdörffer in die Viererkette. „Er hat das ordentlich gemacht“, fand der Trainer. Womöglich wird das nun zur unfreiwilligen Dauerlösung.

Die zweite Szene, die Kauczinski aufregte, war ein Schlag ins Gesicht von Marvin Stefaniak in der 80. Minute, der nicht geahndet wurde. „Das ist ein klarer Elfmeter für uns. Da kann das Spiel noch einmal in eine andere Richtung gehen“, erklärte der 50-Jährige später bei der Pressekonferenz, als sich das Adrenalin schon wieder ein bisschen verflogen hatte. Bei allem Verständnis über den Ärger – ganz schuldlos war seine Mannschaft an der 0:1-Niederlage, der zweiten in Folge, aber nicht. Dem Elfmeter und Platzverweis ging ein katastrophaler Fehlpass von Torwart Kevin Broll voraus. Und bis zur Pause war die Mannschaft einzig auf Schadensminimierung bedacht, es mangelte an Mut und an Ideen, gegen zum Teil hart einsteigende Ingolstädter teilweise auch am Willen, sich zu wehren. Das änderte sich – wie schon gegen Zwickau – erst in der zweiten Hälfte.

Nur das Pokalspiel fällt heraus

Bei aller kämpferischen Steigerung und trotz der Unterzahl bleibt festzuhalten: Die Mannschaft strahlt zu wenig Torgefahr aus. Das ist keine Momentaufnahme, sondern zeichnete sich bereits in der Vorbereitung ab, als Dynamo bei drei Testpartien in Folge keinen Treffer erzielte. Und es zieht sich wie ein roter Faden durch die bisherige Saison, aus der einzig das 4:1-Pokalfestival gegen den Hamburger SV zum Auftakt herausfällt. In der Liga schossen die Schwarz-Gelben in den bisher sieben Partien nie mehr als ein Tor. In Ingolstadt wurde es nur einmal, und das kurz vor Schluss, richtig gefährlich, als der direkt getretene Freistoß von Stefaniak von der Linie geköpft wurde.

Kauczinski hatte den Fakt kürzlich heruntergespielt, da galten die Dresdner mit den drei 1:0-Siegen allerdings noch als die Minimalisten der Liga. „Wir hatten in allen Spielen Chancen für mehrere Tore“, erklärte der Trainer. „Und gegen den HSV ging jeder Schuss rein – das gleicht sich über eine Saison aus.“ Nach den beiden Niederlagen in der englischen Woche ist die Situation nun eine andere, und auch die Einschätzung von Kauczinski trifft kaum mehr zu. Sowohl gegen Zwickau als auch in Ingolstadt erspielte sich die Mannschaft kaum Möglichkeiten. Dass dies selbst in Unterzahl durchaus möglich ist, zeigte zuletzt der VfB Lübeck – gegen Dynamo.

Doch warum sind die Schwarz-Gelben so harmlos? In Ingolstadt ließ Kauczinski die beiden Mittelstürmer Philipp Hosiner und Christoph Daferner jeweils eine Halbzeit ran, beide schossen nicht einmal aufs Tor. Das war aber nicht nur ihre Schuld, es mangelte schlicht an verwertbaren Vorarbeiten. Auf der rechten Außenbahn könnte Agyemang Diawusie mit seiner Schnelligkeit punkten, nutzt diesen Vorteil aber zu selten. Auf der anderen Seite wechselten sich bisher Panagiotis Vlachodimos und Königsdörffer ab, beide konnten den Trainer offenbar noch nicht überzeugen.

Zu wenig Torgefahr aus dem Mittelfeld

Kommen die Flanken und Eingaben mal in den Strafraum, werden sie nicht verwertet. „Wir haben da Probleme, Abnehmer zu finden. Das ist eine Sache, an der wir arbeiten müssen“, erklärte Kauczinski. Auch das zentrale Mittelfeld strahlt zu wenig Gefahr aus. Patrick Weihrauch saß am Samstag zunächst draußen, Rückkehrer Stefaniak durfte sich auf seiner Position probieren. Der zeigte vielversprechende Ansätze, braucht aber wohl noch einige Wochen, um nach der langen Zeit als Bankdrücker in den Rhythmus zu kommen.

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Die Mannschaft muss den schon eher wiederfinden. Das Heimspiel am Samstag gegen den SV Meppen ist kein vorentscheidendes, dafür ist die Saison noch viel zu lang. Der Ausgang der Partie könnte aber darüber entscheiden, ob die nächsten Wochen ungemütlich werden. Das ahnt wohl auch der Trainer. „Wir werden so viel Gas geben gegen Meppen und uns das wieder holen, was wir heute verloren haben.“ Es klang wie eine Kampfansage.

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