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Dynamos Ultras erklären ihren Stimmungsverzicht

Kein Capo, keine Choreos. Dynamos aktive Fanszene stellt die lautstarke Unterstützung im Stadion ein, verteidigt aber die Vorgehensweise des Vereins.

Die Lage ihrer Vereins können die Ultras verstehen, Dynamo ist auf Zuschauer-Einnahmen während der Corona-Zeit angewiesen. Doch die aktive Fanszene in Dresden stellt auch klar, jetzt nicht einfach zur Tagesordnung übergehen zu wollen.
Die Lage ihrer Vereins können die Ultras verstehen, Dynamo ist auf Zuschauer-Einnahmen während der Corona-Zeit angewiesen. Doch die aktive Fanszene in Dresden stellt auch klar, jetzt nicht einfach zur Tagesordnung übergehen zu wollen. © dpa/Robert Michael

Dresden. Alle oder keiner! Das Motto gilt für die Ultras Dynamo nach wie vor, wenn auch nicht mehr absolut. Für die sogenannten Geisterspielen, also den kompletten Ausschluss von Zuschauern in Fußballstadien, kann sich die aktive Fanszene des Drittligisten aus Dresden genauso wenig begeistern wie für die momentan praktizierte Lösung. "Natürlich ist es uns auch nicht verborgen geblieben, dass wieder einmal Dynamo Dresden der Verein war, der in Deutschland voran gegangen ist und bis dato die meisten Fans zurück ins Stadion gebracht hat", schreiben die Ultras in einer Stellungnahme auf ihrer Homepage.

Tatsächlich stellte Dynamo mit exakt 10.053 Fans beim DFB-Pokalspiel gegen den Hamburger SV im Rudolf-Harbig-Stadion einen Rekord auf. Es war das größte Zuschauer-Corona-Event in Deutschland seit Ausbruch der Pandemie im März. Und es hätten angesichts des ausgeklügelten und vom Dresdner Gesundheitsamt genehmigten Hygienekonzepts inklusive Freigabe des Stehplatzbereichs noch viel mehr sein können. "Nichtsdestotrotz", betonen die Ultras, "ist der aktuelle Zustand aber absolut kein Normalzustand für uns."

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Der K-Block beim Pokalspiel gegen Hamburg ist nur spärlich gefüllt. Dabei hatte das Gesundheitsamt die Öffnung des Stehplatzbereichs ausdrücklich erlaubt. Dynamos aktive Fanszene aber verfolgt einen anderen Weg.
Der K-Block beim Pokalspiel gegen Hamburg ist nur spärlich gefüllt. Dabei hatte das Gesundheitsamt die Öffnung des Stehplatzbereichs ausdrücklich erlaubt. Dynamos aktive Fanszene aber verfolgt einen anderen Weg. © dpa/Robert Michael

Deshalb wird die aktive Fanszene, die auf den Stehplätzen des K-Blocks ihren Stammplatz hat, vorerst auf die organisierte, lautstarke Unterstützung der Mannschaft im Stadion verzichten. Begründet wird diese Entscheidung mit den von DFL und DFB gemeinsam mit den Vereinen beschlossenen Maßnahmen aufgrund der aktuellen Corona-Lage in Deutschland. 

"Wenn die Auslastung des Stadions einfach so massiv beschränkt ist, dass tausende Dynamofans bei Heimspielen draußen bleiben müssen und wir gar nicht erst zu Auswärtsspielen anreisen dürfen, überall Abstandsgebote eingehalten und Gesichtsmasken getragen werden müssen", erklären die Ultras, "dann können wir als Fanszene nicht einfach so zur Tagesordnung übergehen und tun, als wäre die Welt im Dynamoland in Ordnung."

Kein Boykott, aber eine klare Aussage zur Situation

Bis auf Weiteres wird es im Rudolf-Harbig-Stadion daher "keinen aktiven Stimungskern im K-Block" geben, so die Ultras. Konkret bedeutet das: kein Capo, der Gesänge anstimmt und Schlachtrufe organisiert, keine Choreografien, keine Fanklub-Fahnen am Zaun.

Als Boykott will die Fanszene die Maßnahmen allerdings nicht verstanden wissen. "Trotzdem wird der Großteil unserer Leute auch weiterhin im Stadion vertreten sein und natürlich wird es auch niemanden untersagt werden, die SGD in dieser Phase lautstark zu unterstützen", heißt es. Diese Unterstützung müsse nun aber mehr denn je auf viele Schultern und Fanblöcke verteilt werden. Wie das funktionieren könne, habe das Pokalspiel gegen den HSV, das Dynamo furios mit 4:1 gewann, teilweise schon gezeigt.

Mit dem Plakat "Nein zu Geisterspielen" am Eingang zum K-Block machte Dynamos aktive Fanszene schon während der Rückrunde auf die aus ihrer Sicht unbefriedigende Situation aufmerksam.
Mit dem Plakat "Nein zu Geisterspielen" am Eingang zum K-Block machte Dynamos aktive Fanszene schon während der Rückrunde auf die aus ihrer Sicht unbefriedigende Situation aufmerksam. © Lutz Hentschel

Dass der Verein überhaupt Tickets verkauft, ist für die Ultras nachvollziehbar. Man wertschätze die Bemühungen rund um die (Teil-)Zulassung von Zuschauern absolut. "Der Verein und seine Mitarbeiter können nichts für dieses Corona-Theater." Im ersten Liga-Heimspiel der Saison am Sonntag gegen Waldhof Mannheim sollen noch weit mehr als 10.00 Zuschauer ins Harbig-Stadion kommen. Dynamo profitiert dabei auch vom Vorgehen des Freistaats Sachsen, der die bundesweit einheitlich beschlossene 20-Prozent-Auslastung ignoriert und weiter einen eigenen sächsischen Weg im Umgang mit der Corona-Krise verfolgt. 

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Auch die Ultras Dynamo verfolgen das Geschehen genau. Ihr Umgang mit der aktuellen Situation sei nicht "bis zu irgendeinem Stichtag in Stein gemeißelt". Jede Woche werde die Lage neu bewertet. Das oberste Ziel aber bleibt unverändert: "Zielsetzung muss es ganz klar sein, so schnell wie möglich wieder zur Vollauslastung von Fußballstadien zurück zu kehren und alle Beschränkungen auf ein Minimum zu reduzieren." Dafür wollen sie sich weiterhin "im Rahmen unserer Möglichkeiten" einsetzen.

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