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Sachsen ignoriert die neue Zuschauer-Obergrenze

Die Länder einigen sich auf die 20-Prozent-Auslastung von Stadien und Sporthallen, doch der Freistaat geht weiter eigene Wege. Davon profitiert nicht nur Dynamo.

Die Anzeigetafel am Montag beim Pokalspiel gegen Hamburg. So viele Zuschauer sollen es auch künftig bei Dynamo-Heimspielen sein - mindestens.
Die Anzeigetafel am Montag beim Pokalspiel gegen Hamburg. So viele Zuschauer sollen es auch künftig bei Dynamo-Heimspielen sein - mindestens. © dpa/Robert Michael

Dresden. Es wäre eine Schritt zurück gewesen - zumindest in Sachsen. Am Dienstag hatten sich die Bundesländer bei der flächendeckenden Fan-Rückkehr in die Stadien und Hallen auf eine sechswöchige Testphase mit einer Auslastung von maximal 20 Prozent der jeweiligen Kapazitäten geeinigt. In einigen Bundesländern wie Bayern, wo bisher ein generelles Zuschauerverbot galt, wird die Regelung von den Vereinen überwiegend begrüßt. Das Bundesliga-Eröffnungsspiel in München am Freitagabend wird trotzdem ohne Zuschauer ausgetragen. In Sachsen stieß die Einigung auf Verwunderung, war man hier doch schon viel weiter.

Das DFB-Pokalspiel am Montagabend gegen den Hamburger SV verfolgten beispielsweise  mehr als 10.000 Zuschauer im Rudolf-Harbig-Stadion, das entspricht einer Auslastung von knapp 30 Prozent. Bei der von den Bundesländern verabschiedeten Obergrenze dürften bis Ende Oktober nur noch 6.450 Tickets verkauft werden. Doch der Fußball-Drittligist muss sich gar nicht beschränken. 

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"Mit Blick auf das Ergebnis der Beratungen der Länder zu den Sportveranstaltungen besteht kein Anpassungsbedarf bei den aktuellen sächsischen Verordnungen und Allgemeinverfügungen", teilte das Sozialministerium Sachsen auf Anfrage von Sächsische.de mit. Was bedeutet, dass die Beschlüsse für den Freistaat nicht bindend sind und die Vereine weiter mit den von den Gesundheitsämtern genehmigten Hygienekonzepten planen können.   

Mehr als 10.000 gegen Mannheim

Beim ersten Drittliga-Heimspiel von Dynamo am 27. September gegen Waldhof Mannheim sollen deshalb sogar mehr als 10.000 Zuschauer ins Stadion kommen. Dies kündigte der Pressesprecher des Vereins, Henry Buschmann, an. "Die Beschlüsse sind - Stand jetzt - Empfehlungen", betonte er nach einem Gespräch mit dem zuständigen Ministerium. Eine Steigerung ist deshalb möglich, weil bei der Partie gegen den HSV das genehmigte Kontingent - speziell auf den Stehplätzen - noch nicht ausgereizt worden war. Anders formuliert: Das Spiel war nicht ausverkauft.

In den nächsten Tagen soll die Umsetzung des Hygienekonzepts und das Verhalten der Zuschauer beim Pokalspiel mit dem Dresdner Gesundheitsamt ausgewertet werden. Dynamo hatte die Disziplin der Anhänger bereits gelobt. Allerdings saß der Mund-Nasen-Schutz - wie auch in anderen Stadien - nicht bei allen korrekt. Abhängig ist eine Freigabe auch vom Inzidenzwert der vergangenen sieben Tage pro 100 000 Einwohner. Liegt der Wert über 35 und ist das Infektionsgeschehen nicht klar eingrenzbar, dürfen keine Fans in die Stadien. 

Volleyball-Supercup vor 1.100 Zuschauern

Sachsens Sonderweg hat nicht nur Auswirkungen auf den Fußball. So sollen beim Volleyball-Supercup der Frauen, ebenfalls am 27. September, zwischen dem Dresdner SC und dem Schweriner SC 1.100 Zuschauer in die Margon-Arena. Das wären gut 30 Prozent. Das Hygienekonzept der Deutschen Volleyball-Liga wurde bereits genehmigt, daran ändert auch die 20-Prozent-Empfehlung nichts.

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