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RB Leipzig trotz einer Schwäche im Achtelfinale

RB Leipzig gewinnt 3:1 bei Real Sociedad San Sebastian und darf weiter vom Gewinn der Europa League träumen. Borussia Dortmund fliegt dagegen raus.

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Emil Forsberg (4.v.l) feiert zusammen mit seinen Leipziger Teamkollegen seinen Treffer zum 1:3-Endstand.
Emil Forsberg (4.v.l) feiert zusammen mit seinen Leipziger Teamkollegen seinen Treffer zum 1:3-Endstand. © dpa/Stringer

Von Jens Marx und Heinz Büse

San Sebastian. San Sebastián (dpa) - Trainer Domenico Tedesco klatschte kräftig in die Hände, seine grinsenden Spieler beglückwünschten sich gegenseitig. Trotz ein paar Zitterminuten ist Vizemeister RB Leipzig letztlich souverän ins Achtelfinale der Europa League eingezogen. Das Tedesco-Team gewann am Donnerstabend das Zwischenrunden-Rückspiel beim lange Zeit erschreckend harmlosen Gastgeber Real Sociedad San Sebastián mit 3:1 (1:0).

"Es war von ersten Minute ordentlich, wir hätten aber in der ersten Hälfte mehr Tore machen müssen. Es war sehr reif, hier zu bestehen", sagte Abwehrchef Willi Orban, der den Tabellenvierten der Fußball-Bundesliga nach einem Elfmeter-Fehlschuss von André Silva (39. Minute) in Führung gebracht hatte.

Nach einer knappen Stunde traf Silva (59.) selbst vor rund 34.000 Zuschauern im Estadio Anoeta. Für Spannung sorgte kurzzeitig Martin Zubimendi (67.). "Die Fans haben Sociedad schön nach vorne gepeitscht", sagte Tedesco zu dieser Phase. Doch dem eingewechselten Emil Forsberg (89.), der auch schon eine Woche zuvor beim 2:2 im Hinspiel vom Elfmeterpunkt nach seiner Einwechslung getroffen hatte, gelang mit einem verwandelten Handelfmeter die Entscheidung. "Es wurde noch mal ein bisschen hitzig, wir sind aber cool geblieben", sagte Mittelfeldspieler Konrad Laimer.

Die Zitter-Minuten hatte sich RB selbst zuzuschreiben. Bei Tedescos Team, das auf fünf Positionen im Vergleich zum 6:1 am vergangenen Sonntag verändert war, haperte es diesmal beim Tore schießen.

Die Heimfans bleiben oft stumm

RB bestimmte fast nach Belieben, was auf dem Platz in San Sebastián passierte. Die heimischen Fans, an die Kapitän Mikel Oyarzabal nach der Ligapleite im Baskenderby am Wochenende (0:4 bei Athletic Bilbao) noch einmal appelliert hatte, waren mitunter still. Stimmungsaufheller ließ RB lange nicht zu.

Stattdessen wurden die Gäste schnell gefährlich: In der vierten Minute scheiterte aber Lukas Klostermann an Mathew Ryan. Gute fünf Minuten später klärte der Australier im Tor der Spanier gegen Kevin Kampl. Beide zählten zu den frischen Kräften im RB-Team. Die dritte Großchance vergab der spätere Torschütze Orban (19.) gegen Ryan.

Nach einem Klasse-Pass von Dani Olmo kam der 29 Jahre alte Schlussmann - eigentlich die Nummer zwei - zu spät aus seinem Kasten und holte Christopher Nkunku im Fünfmeterraum von den Beinen. Unter den Pfiffen der Real-Fans trat André Silva an. Und er verschoss, Ryan tauchte in die rechte Torwartecke ab - ungünstigerweise ließ er den Ball so abprallen, dass der diagonal vor dem Tor entlang rollte. Orban sprintete allen auf und davon und traf zum 1:0.

Was der Funktionär bemängelt

Hochverdient war die Führung, nur eigentlich zu wenig bei 11:1 Abschlüssen in der gesamten ersten Halbzeit aus Leipziger Sicht. "Wir kontrollieren das Spiel und sind in allen Phasen gut. Gute Standards, spielen hinten gut raus, gute Umschaltmomente, aber die Tore fehlen", befand RB Leipzigs Technischer Direktor, Christopher Vivell, beim Sender RTL+ in der Pause.

Es änderte sich am Spielgeschehen auch nach der Pause erstmal nicht viel. Die Spanier wirkten trotz des Rückstandes noch recht verhalten. Den Leipzigern jedenfalls konnte es recht sein. Sie sorgten weiter für Gefahr, in der 55. Minute mit einem satten Distanzschuss von Olmo, den Ryan zur Ecke klärte. Beim sehenswerten Tor von Silva aus 15 Metern in den Winkel war der Heim-Keeper machtlos.

Doch dann kamen die Spanier auf einmal zum Anschlusstreffer, nach langem Bangen vom Videoreferee anerkannt. Und RB sah sich plötzlich unnötigem Stress in der Schlussphase drei Tage vor dem Ligaspiel beim VfL Bochum ausgesetzt, konnte sich aber dank des verwandelten Forsberg-Elfmeters auf die Auslosung an diesem Freitag freuen.

Der BVB scheint auf einem guten Weg, aber ...

Mehr Leidenschaft, kein Lohn - für Borussia Dortmund ist das erhoffte Fußball-Märchen ausgeblieben. Das 2:2 (2:1) bei den Glasgow Rangers besiegelte den Knockout des Bundesliga-Zweiten bereits in der Zwischenrunde der Europa League. Trotz einer starken ersten Halbzeit vor 50.817 Zuschauern im tosenden Ibrox-Park blieb das 2:4 aus dem Hinspiel vor einer Woche eine zu große Hypothek. Damit ist für den ambitionierten Revierclub nach dem frühen Aus in der Champions League eine weitere Geldquelle versiegt.

Dabei schien der BVB nach Toren von Jude Bellingham (31.) und Donyell Malen (42.) auf gutem Weg Richtung Achtelfinale. Doch die Treffer von James Tavernier (22./Foulelfmeter/57.) sorgten für Ernüchterung.

Alle guten Vorsätze der Borussia, das Blatt nach dem Hinspiel noch zu wenden, schienen schon in der 22. Minuten passé. Nach starkem Start mit einem Pfostentreffer von Bellingham (4.) und einem Fernschuss von Malen (18.) knapp neben das Rangers-Tor lagen die Gäste urplötzlich hinten. Ein überflüssiges Foul von Julian Brandt im eigenen Strafraum ahndete der spanische Schiedsrichter Antonio Lahoz zu Recht mit einem Elfmeter, den Tavernier sicher verwandelte.

Bei allem Frust über diesen Rückstand reagierte das Rose-Team diesmal nicht mit hängenden Köpfen, sondern mit wütenden Angriffen. Dieses Engagement und dieser Mut wurden schnell belohnt. Mit etwas Glück fiel der Ball nach einem missratenen Pass von Malen vor die Füße von Bellingham, der sich die Chance zum Ausgleich aus kurzer Distanz nicht nehmen ließ.

Dortmunds Jude Bellingham (l) feiert den ersten Treffer seiner Mannschaft. Doch am Ende reichen die beiden Treffer des BVB nur zu einem 2:2.
Dortmunds Jude Bellingham (l) feiert den ersten Treffer seiner Mannschaft. Doch am Ende reichen die beiden Treffer des BVB nur zu einem 2:2. © Jane Barlow/PA Wire/dpa

Dieser Treffer war der Auftakt zu einem umkämpften und offenen Schlagabtausch beider Teams. Dass die Schotten in der 35. Minute eine Doppelchance von Scott Arfield und Alfredo Morelos nicht nutzten, sollte sich nur wenig später rechen. Eine Kombination auf engstem Raum über Brandt und Bellingham schloss Malen mit dem Treffer zum 2:1 ab. Dieser Halbzeitstand schürte beim BVB die Hoffnung auf ein Happy End.

Auch nach Wiederanpfiff gingen die Dortmunder mit viel Einsatz zur Sache, fanden aber nur noch seltener den Weg in den gegnerischen Strafraum. Das brachte die Rangers zurück ins Spiel. Mit bösen Folgen für den BVB: Einen missglückten Abwehrversuch von Mats Hummels bestrafte Tavernier mit seinem zweiten Treffer. Damit war das Aus des Bundesligisten besiegelt. Zwar mühte er sich redlich um das dritte Tor, lief aber vergeblich an. Mit Kontern waren die Schotten gefährlicher als der BVB. (dpa)