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Dresdner Olympia-Träume werden wahr

Tokio, er kommt: DSC-Läufer Karl Bebendorf ist bei Olympia dabei, das ist nun offiziell. Genauso, dass einige prominente Namen im Aufgebot fehlen.

Entspannt ist Karl Bebendorf nach dem Training im Dresdner Heinz-Steyer-Stadion. Zeit durchzuatmen und mal kurz innezuhalten.
Entspannt ist Karl Bebendorf nach dem Training im Dresdner Heinz-Steyer-Stadion. Zeit durchzuatmen und mal kurz innezuhalten. © Matthias Rietschel

Dresden. Erleichtert wie nie zuvor ist er. Jetzt, wo alles klar und endgültig offiziell ist, fällt die Anspannung bei Karl Bebendorf ab. „Ja, es hat funktioniert. Ich bin für die Olympischen Spiele nominiert. Mein Kindheitstraum wird nun Wirklichkeit, und ich bin unheimlich dankbar“, erklärt der Dresdner am Samstag via soziale Medien. Kurz zuvor hatte der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) ihn und weitere 89 Leichtathleten für die in gut drei Wochen beginnenden Sommerspiele in Tokio nominiert.

Geahnt hat Bebendorf das längst, zu gut läuft es für ihn nicht erst in dieser Saison. Doch ohne die erfüllte Olympia-Norm über 3.000 Meter Hindernis, die er knapp verfehlte, blieb eine kleine Unsicherheit bis zuletzt. Die erleichternde Nachricht, die den Höhepunkt seiner Karriere bedeutet, erreichte ihn passenderweise im Trainingslager in den Bergen von St. Moritz.

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„Ich war neun Jahre alt, als ich zum ersten Mal das Heinz-Steyer-Stadion betrat. Ich verfolgte seitdem jede Weltmeisterschaft und Olympiade vorm Fernseher und träumte davon, eines Tages auch da stehen zu können“, meint der DSC-Läufer und stellt spürbar glücklich fest: „16 Jahre später darf ich meinen Traum leben.“ Bebendorf ist der erste Olympia-Teilnehmer aus dem ebenso laufbegeisterten wie mit viel Lauftradition versehenen Dresden seit Heike Meißner, die 1996 über 400 Meter Hürden den fünften Platz belegte.

Als Medaillenkandidat kommt er nicht infrage

Ihr Trainer von damals ist der von Bebendorf heute: Dietmar Jarosch, „der mich die letzten fünf Jahre zu dem Athleten geformt hat, der überhaupt solche Leistungen erbringen kann“, wie der 24-Jährige betont. Er füllt damit immer mehr die großen Fußstapfen aus von Dresdner Lauflegenden wie Jörg Peter, der unter anderem 27 Jahre den deutschen Marathonrekord hielt, und Hagen Melzer, Europameister 1986 und WM-Zweiter 1987 auf der Hindernisstrecke.

Bebendorfs Karriere ist eine, die in Dresden ihren Anfang nahm („Danke Mama und Papa für jede Minute, Stunde, Tag oder Woche, für die ihr euch am Stadionrand beim Training oder Wettkampf Zeit genommen habt“), allerdings nicht immer geradlinig verlief. Auch das hat Bebendorf nicht vergessen, hat die Kritik und Zweifel an ihm und dass er es international schaffen könne aber stets als Extraportion Motivation genommen. „Jeder hat seinen kleinen Anteil an diesem Meilenstein, und dabei möchte ich betonen, dass es für mich erst der Anfang ist“, meint Bebendorf. Als Medaillenkandidat kommt er in Tokio jedoch nicht infrage, auch das ist ihm bewusst. Schon ein Platz im Endlauf wäre eine kleine Sensation.

Favoriten im deutschen Team sind andere. Angeführt wird das Aufgebot vom Dresdner Johannes Vetter, dem derzeit weltweit herausragenden Speerwerfer sowie Weitsprung-Weltmeisterin Malaika Mihambo und Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul. Zu den wenigen Medaillenkandidaten zählen außerdem Hindernisläuferin Gesa Krause, Speerwurf-Europameisterin Christin Hussong und auch Kugelstoßerin Christina Schwanitz aus Dresden, die für den LV 90 Erzgebirge startet und bereits ihre vierten Spiele erleben wird.

Harting und Lückenkemper sind nur Ersatz

Große Freude löste das Tokio-Ticket bei Siebenkämpferin Carolin Schäfer aus. Die frühere WM-Zweite hatte wegen Nebenwirkungen einer Corona-Impfung ihre Teilnahme an den Qualifikationswettkämpfen absagen müssen, ist aber in Japan dabei. „Caro hatte die Olympia-Norm im Jahr 2019 erreicht und nimmt zudem im World Ranking eine vordere Platzierung ein“, erklärt Idriss Gonschinska, der Vorstandsvorsitzende Leistungssport im deutschen Verband. Ihre Leistungstests zuletzt würden eine klare Tendenz nach oben zeigen.

Nur bergab ging es indes für Christoph Harting seit seinem Gold-Coup von Rio 2016. In dieser Saison wurde er selbst von der nationalen Konkurrenz überflügelt und ist lediglich Ersatzmann. Nur wenn Daniel Jasinski, Clemens Prüfer oder David Wrobel ausfallen, rückt Harting für die am 30. Juli beginnenden Leichtathletik-Wettkämpfe nach. Sprinterin Gina Lückenkemper, EM-Zweite über 100 Meter, kämpfte zuletzt mit einem Muskelfaserriss im Oberschenkel und ist wie Harting Ersatz.

Rätselraten herrscht auch um die Form von Konstanze Klosterhalfen: Die WM-Dritte über 5.000 Meter ist für die 10.000 Meter nominiert, wo sie im Februar in Texas einen deutschen Fabelrekord aufstellte. Es war in diesem Jahr aber das bisher einzige Rennen der 24-Jährigen, die in den USA trainiert und mit Rückenbeschwerden zu kämpfen haben soll.

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