merken

Stadtteilladen Südstadt wird immer beliebter

Am Dienstag und Mittwoch gibt es jetzt feste Öffnungszeiten. Demnächst kommt in Görlitz noch ein weiteres Angebot hinzu.

© nikolaischmidt.de

Von Ingo Kramer

Morgen Abend wird es hoffentlich eng im Parterre der Biesnitzer Straße 30. Ab 19 Uhr lädt der Bürgerrat Südstadt zu seinem monatlichen Stammtisch ein. Und diesmal ist das Thema spannend: Die Räte wollen den Einwohnern die Projekte vorstellen, die in diesem Jahr im Mittelpunkt der Arbeit stehen werden. „Zusammen mit der Verkehrswacht wollen wir Schülerlotsen ausbilden, die am Bahnhof Südausgang für mehr Sicherheit sorgen sollen“, sagt Bürgerrätin Juliane Brandt. Außerdem soll das Jakobstunnel neu gestaltet, am 10. August wieder ein Kreuzkirchenparkfest organisiert werden und vieles mehr.

Augusto
Leben und Genuss
Leben und Genuss

Für Genießer genau das Richtige! Leckere Ideen, Lebensart, Tradition und Trends gibt es in der Themenwelt Augusto.

Doch auch wenn gerade nicht Stammtisch ist, wird der vom Bürgerrat Südstadt im Herbst eröffnete Laden mittlerweile immer öfter genutzt – und immer beliebter. „Am Dienstag und Mittwoch haben wir feste Öffnungszeiten“, sagt Juliane Brandt. Am Dienstag, gegen 15 Uhr, liefert Milo Ennenbach vom Lindenhof in Pfaffendorf zehn Pakete mit Gemüse, Brot, Milchprodukten und Fleisch an – für die Mitglieder der solidarischen Landwirtschaft. 39 gibt es momentan, zehn davon in der Südstadt. Sie überweisen jeden Monat einen festen Betrag und erhalten dafür jeden Dienstag ein Nahrungspaket mit saisonaler Ware. Der Südstadtladen ist die Verteilstation, in der jeder sein Paket abholt. Das organisieren die Mitglieder selbst. Von 16.30 bis 18 Uhr ist dienstags aber immer geöffnet.

Die Uhrzeit am Mittwoch ist die gleiche, seit drei Wochen mittlerweile. Dann hat Ursula Lincke Dienst. Sie betreut das Bücherregal. „Jeder kann mittwochs Bücher bringen, tauschen oder ausleihen“, sagt sie. Gebühren gibt es keine. Angefangen hat alles, als eine Nachbarin von Ursula Lincke in eine kleinere Wohnung umgezogen ist und Bücher übrig hatte. Die hat sie in den Stadtteilladen gebracht. Doch schon innerhalb der ersten drei Wochen sind es immer mehr Bücher geworden, sodass Bürgerrat Uwe Lehmann nun den Bau weiterer Regale organisieren will. „Es wird mehr gebracht als geholt“, sagt Ursula Lincke, die mit ihrem Mann schon seit 1974 in der Südstadt lebt und sich sehr für den Stadtteil engagiert. Weil sich sonst niemand für die Betreuung des Bücherregals fand, hat die Rentnerin diese Aufgabe jetzt erst einmal übernommen. „Ganz allein will ich das aber nicht machen“, sagt sie. Diese Woche zum Beispiel kommen die Enkel zu Besuch, sodass sie für das Büchertauschregal eine Vertretung organisieren will.

Doch nicht nur Bücher können die Bewohner tauschen. In einer Ecke des Raumes steht die „Tauschbörse“ mit Püppchen, einem großen Koffer, einer Lampe und anderen Dingen. Auch das kann jederzeit getauscht werden. „Und demnächst kommt noch ein weiteres Angebot hinzu“, sagt Juliane Brandt: Im Südstadtladen sollen dienstags und mittwochs Gelbe Säcke erhältlich sein. Die Stadtverwaltung hatte diesem Anliegen bereits Anfang März zugestimmt. Nur die Lieferung müsste vorab geklärt werden, hatte Rathaussprecherin Sylvia Otto dazu mitgeteilt. Darum will sich Juliane Brandt nun tatsächlich kümmern.

Trotz der erfreulichen Entwicklung ist nicht sicher, ob der Laden dauerhaft Bestand hat. Der Knackpunkt sind die 200 Euro Betriebskosten, die monatlich anfallen. „Das dürfen wir nicht dauerhaft aus unserem Bürgerrats-Budget bezahlen“, sagt Juliane Brandt. Voriges Jahr habe der Bürgerrat am Jahresende nicht verbrauchtes Geld an die Stadt zurückgegeben – genau in der Höhe, die für die Betriebskosten nötig gewesen wäre. Juliane Brandt ärgert das, denn so müssen die Bürgerräte wieder Zeit aufbringen, von anderswo Fördermittel aufzutreiben, um die Betriebskosten zahlen zu können. „Weil wir nicht wissen, wie lange wir bleiben können, gestalten wir den Laden nicht so richtig schick“, sagt sie.

Den Inhalten tut das freilich keinen Abbruch. Zum Gemüseabholen und Büchertauschen braucht es keine schicken Räume, für den Stammtisch morgen Abend auch nicht unbedingt. Stattdessen braucht es vor allem Leute, die sich einbringen.