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Gesundheit  

T-Shirt hilft beim Gehen

Eigentlich sind Rückenprobleme nicht Thema im Bereich Modedesign der Fachhochschule Dresden. Trotzdem entstand dafür genau dort eine textile Lösung.

Damit geht nichts mehr schief, auch nicht der Mensch. Die Dresdner Textilingenieurin Birgit Mrozik hat ein Unterhemd entwickelt, das seinen Träger in die richtige Körperhaltung zieht. © Christian Juppe

Haltung bewahren, das ist wichtig im Leben. Schon allein mit Blick auf drohende Rückenprobleme. Doch ob beim Arbeiten am Computer, beim Spaziergang am Wochenende oder bei der Tasse Glühwein mit Freunden auf dem Weihnachtsmarkt – der Mensch ist krumm. Haltungsfehler verursachen allerdings Schmerzen. Sport hilft, doch dafür kann sich nicht jeder ausreichend motivieren. Mit einem Shirt, das jetzt an der privaten Fachhochschule Dresden (FHD) entwickelt wurde, könnte es in Zukunft ganz simpel sein: einfach anziehen.

Torsten Berndt ist heute mal Model. Eigentlich ist er Dozent an der FHD, aber Birgit Mrozik will ganz genau zeigen, was die Erfindung alles kann. „Die blauen Stoffstreifen ziehen die Schultern zurück“, erklärt sie und fährt mit den Fingern am Stoff entlang. Im Bauchbereich sind ebenfalls stützende Materialien eingearbeitet. Torsten Bernd hat das Shirt zum ersten Mal an. Aber schon nach einigen Minuten sagt er: „Man steht wirklich irgendwie aufrechter.“

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Die Idee für die blauen Streifen wurde speziell für dieses T-Shirt entwickelt. Schneidermeisterin Katrin Havekost fand heraus, wo sie am besten eingesetzt werden.  © Christian Juppe

Genau das war Ziel des Projekts, an dem die Textilingenieurin und ihre Kollegin, Schneidermeisterin Katrin Havekost, in den vergangenen zwei Jahren mitgearbeitet haben. In Zusammenarbeit mit der TU Chemnitz und dem Unternehmen Finzel+Schuck aus Limbach-Oberfrohna ist ein Kleidungsstück entstanden, das die Körperhaltung effektiv korrigieren soll. Weg vom Rundrücken hin zum aufrechten Gang. Birgit Mrozik blättert in einem großen Ordner. Marktstudien befinden sich darin. Dort hat sie zusammengetragen, was es an haltungskorrigierenden Textilien schon gibt. Vor zwei Jahren, als das Projekt begann, war der Ordner fast leer. Mittlerweile sind bereits einige Hersteller auf die Idee gekommen, solche Kleidung anzubieten. Doch das macht die beiden Dozentinnen der FHD und ihre Forschungspartner nicht nervös. „Die Produkte dieser Anbieter sind anders“, erklärt Birgit Mrozik. Sie funktionieren meist dadurch, dass sie sehr eng am Körper anliegen. Ein Umstand, der nicht jedem gefällt. Die meisten Sachen finden sich unter der Bezeichnung Sport- oder Medizintextilien. Oft sind sie teuer.

Mit dem Forschungsprojekt „Halkotex“, das für Haltungskorrigierende Textilien steht, verfolgten die Macher einen anderen Ansatz. Ein Shirt für jedermann sollte entstehen, das dazu noch erschwinglich ist. „Letztlich ist es eine Art Unterhemd, das wir entwickelt haben“, sagt Schneidermeisterin Katrin Havekost. Anfangs recherchierten sie erst einmal, welche Haltungsprobleme viele Menschen betreffen, sprachen dazu auch mit Physiotherapeuten. Daraus ergaben sich wichtige Punkte, die am Körper Unterstützung brauchen: der siebente Lendenwirbel, die Wirbelsäule sowie der Bereich zwischen den Schulterblättern. Letzterer ist wichtig, damit die Schultern nicht nach vorn fallen und der Mensch krumm läuft.

Dann ging es an die Nähmaschine. Die ersten Versuche hängen noch heute auf Bügeln im Büro der beiden FHD-Mitarbeiterinnen. Aus einfachen Jerseystoffen nähte Katrin Havekost die Testexemplare. Mit jedem Versuch tasteten sich die Forscherinnen näher an die Ideallösung heran. Wo und wie müssen stützende Stoffstreifen eingearbeitet werden, wie müssen die Nähte aussehen, damit sie nicht störend wirken? „Schließlich trägt man das Shirt ja direkt auf dem Körper“, sagt Birgit Mrozik.

Für den Halt sorgt nun ein ganz spezieller Stoff. Anfangs war die Idee, die stützenden Streifen durch das Bedrucken von Stoffen zu erreichen. Es funktionierte allerdings nicht. Die Partner von der Professur für Textile Technologie der TU Chemnitz hatten die Lösung und entwickelten eine Flachstricktechnik. Die ermöglicht nun Stoffe, die sich ganz unterschiedlich dehnen und gleichzeitig stützen. Eingenäht in ein angenehmes Baumwollgemisch sorgen sie im Prototypen nun dafür, dass die Schultern nach hinten gezogen werden und die Wirbelsäule gestützt wird. Dafür sind die Streifen am Bauch quer eingenäht.

Tragetests gab es bereits. Eine Krankenschwester berichtete etwa, dass sie das Shirt während ihres Dienstes als angenehme Hilfe empfand. Die Arbeit von Birgit Mrozik und Katrin Havekost ist damit erst einmal beendet. „Wir wollten ein alltagstaugliches Produkt entwickeln, das den Menschen hilft“, sagt Birgit Mrozik. Das haben sie erreicht. Die Firma Finzel+Schuck arbeitet nun daran, das Produkt auf den Markt zu bringen. Damit Haltung kein Problem mehr ist.