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Wie wirken sich die neuen Gebühren beim Tierarzt tatsächlich aus?

Seit Ende November gelten für alle Leistungen andere Preise. Sachsens Tierarztchef Uwe Hörügel erklärt, womit kaum einer gerechnet hätte.

Von Susanne Plecher
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Niedlich, oder? Und beim Tierarzt ganz schnell teuer, denn schon Welpen müssen regelmäßig vorgestellt werden, etwa zum Impfen oder Entwurmen.
Niedlich, oder? Und beim Tierarzt ganz schnell teuer, denn schon Welpen müssen regelmäßig vorgestellt werden, etwa zum Impfen oder Entwurmen. ©  dpa (Symbolbild)

Mit der ersten Gebührenerhöhung seit 23 Jahren sind nun viele Tierarztleistungen deutlich teurer geworden. So kostet es inzwischen 34,50 Euro, einer Katze einen Verband anzulegen, vorher waren es 7,71 Euro – zumindest auf dem Papier. Doch, wie verhält sich das in der Realität? Im Gespräch mit saechsische.de zieht Dr. Uwe Hörügel, Präsident der sächsischen Tierärztekammer, eine erste Zwischenbilanz.

Herr Dr. Hörügel, sind die realen Preise beim Tierarzt so stark gestiegen wie befürchtet?

Nein, der erwartete Preisanstieg von 20 oder 30 Prozent ist so nicht eingetreten. Für den Tierhalter ist die Auswirkung nicht so groß wie angenommen.

Warum nicht?

Das hängt damit zusammen, dass manche Tierärzte die Behandlungen und Leistungen schon vorher zu einem höheren Satz abgerechnet haben, weil es sich nach dem Einfachsatz der alten Gebührenordnung für sie einfach nicht mehr gelohnt hat. Durchschnittlich ergibt sich jetzt ungefähr eine zehnprozentige Preissteigerung. Das entspricht in etwa der Inflationsrate.

Sie sprechen an, dass jede Behandlung zwischen dem einfachen und dem dreifachen Gebührensatz stufenlos abgerechnet werden kann. Wovon ist es abhängig, welcher zum Tragen kommt?

Der Tierarzt darf nach billigem Ermessen entscheiden, welchen Gebührensatz er verwendet. Unter dem Einfachsatz darf er aber regulär nichts anbieten. Dabei kommt es auf die Umstände an. Zum Beispiel, wenn sich die Behandlung lange hinzieht oder sie besonders schwierig ist. Ein höherer Satz kann auch veranschlagt werden, wenn der Arzt höhere Kosten wegen einer umfangreicheren Ausstattung hat.

Sind die Gebühren für alle Behandlungen gleichmäßig angehoben worden?

Nein, da gibt es Unterschiede. Viele Operationen zum Beispiel sind nur wenig teurer geworden. Dinge, die häufiger vorkommen wie Injektionen oder Grunduntersuchungen etwa, kosten nun hingegen deutlich mehr. Dann gibt es wenige Posten, die billiger geworden sind wie manche Röntgenuntersuchungen. Dadurch kommen wir am Ende ungefähr auf die zehn Prozent.

Wenn ich mein eigentlich gesundes Tier nur gelegentlich vorstellen muss, ist der Preisanstieg aber deutlich?

Ja, das schon.

Schreckt das die Tierhalter nicht ab?

Die Kollegen melden da unterschiedliche Beobachtungen. Bei manchen sind es weniger Patienten geworden, bei anderen hat sich nichts verändert. Die Mehrheit meldet gefühlt einen leichten Rückgang von etwa zehn Prozent. Man weiß aber nicht, ob das tatsächlich mit der Erhöhung der Gebührenordnung zusammenhängt oder mit der allgemeinen Preissteigerung – und die Leute ihr Geld generell mehr beisammenhalten und dreimal überlegen, ob sie zum Tierarzt gehen oder nicht.

Unser Gesprächspartner: Dr. Uwe Hörügel ist Fachtierarzt für Pferde und seit 17 Jahren Präsident der Landestierärztekammer Sachsens.
Unser Gesprächspartner: Dr. Uwe Hörügel ist Fachtierarzt für Pferde und seit 17 Jahren Präsident der Landestierärztekammer Sachsens. © Foto-Atelier Diebel

Sprechen sie seltener mit vermeintlich banalen Problemen vor?

Das scheint nicht so zu sein. Zum Beispiel kommen Hundehalter weiterhin zum Tierarzt, um die Krallen schneiden zu lassen. Das könnten sie theoretisch auch alleine machen, aber die Leute wollen es abgesichert haben, das Beste für ihr Tier tun und suchen sich den Rat. Denn wenn die Kralle zu lang ist, kann sie ausgerissen werden, Dreck kann in die Wunde gelangen und sie infizieren. Das wollen die Tierhalter vermeiden. Hat eine Katze oder ein Hund allerdings akut erbrochen, dann warten sie vielleicht erst einmal einen Tag, machen eine Diät – wo sie früher vielleicht sofort gegangen wären. Aber das ist nur eine Theorie.

Die Gebühren sind nach 23 Jahren zum ersten Mal erhöht worden, um den wirtschaftlichen Druck von den Praxen zu nehmen. Merken die Tierärzte das schon?

Ja, das hilft ihnen bereits. Aber die Diskussion darüber hat sie auch dazu angeregt, selbst einmal betriebswirtschaftlich durchzurechnen, wie viel Geld sie überhaupt einnehmen müssen, um kostendeckend zu arbeiten. Das war vorher nicht immer der Fall. Kostendeckung ist jetzt erst einmal gewährleistet, aber wenn die Inflationsrate so hoch bleibt, muss eine neue Gebührenordnung her. Aber das wird in absehbarer Zeit nicht passieren.

Wie nehmen die Kunden die Preiserhöhung wahr? Gibt es Rückmeldungen?

Aufgefallen ist, dass sie durch das mediale Interesse sehr informiert sind. Viele wissen schon vorher, was die jeweiligen Behandlungen kosten könnten. Es gibt relativ wenige Preisdiskussionen. Sie sind im Großen und Ganzen ausgeblieben.

Wundert Sie das?

Es freut mich. Denn es zeigt auch den hohen Stellenwert der Tiere. Sie sind teilweise Familienmitglieder. Wenn die Tierhalter nicht einschätzen können, ob das Problem banal oder wirklich schlimm ist, gehen sie lieber doch zum Tierarzt. Da sparen sie lieber bei sich selber und gehen nicht in die Apotheke, wenn sie krank sind. Aber bei ihrem Tier suchen sie doch den fachlichen Rat und die qualitative Behandlung des Tierarztes.

Sind Sie zufrieden mit dieser ersten Zwischenbilanz?

Ja, und zwar sowohl aus Sicht der Tierärzte als auch der Tierhalter. Wir in der Kammer bekommen ja auch manchmal Beschwerden von Haltern, wenn sie meinen, dass die Rechnung überhöht ist oder mehr Leistungen abgerechnet wurden, als erbracht waren. Das ist aber auch ausgeblieben. Von beiden Seiten ist es relativ sang- und klanglos in die Realität übergegangen.

Wie erklären Sie sich das?

Weil alles teurer geworden ist, schluckt man es auch, dass es beim Tierarzt teurer geworden ist. Es nutzt ja nichts.

Die aktuelle Gebührenordnung finden Sie hier.