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Wenn die Grasmahd den Tod bringt

Nicht immer durchsuchen Landwirte Grünflächen vor der Ernte nach Rehkitzen. Das hat schlimme Folgen - wie zuletzt in Oderwitz. Doch es naht Hilfe aus der Luft.

Dieses Rehkitz ist dieser Tage bei der Grasmahd in Oderwitz in die Maschine geraten.
Dieses Rehkitz ist dieser Tage bei der Grasmahd in Oderwitz in die Maschine geraten. © Detlef Eckert

Der Anblick ist nichts für zarte Gemüter: Das kleine Rehkitz liegt ohne Vorderläufe im Gras. Es ist in eine Mähmaschine geraten und hat mit seinem Leben bezahlt. Detlef Eckert, neun Jahre lang der Chef des Jagdverbandes Oberlausitz, gerät in Rage bei diesem Anblick. Der Oderwitzer hat das verendete Tier selbst unweit seines Hauses gefunden. "Das ist das Ergebnis von Mäharbeiten, die nicht angekündigt wurden", sagt er knapp.

Normalerweise, so erklärt Eckert weiter, hat es sich eingebürgert, dass Landwirtschaftsbetriebe dem zuständigen Jagdpächter ein Zeichen geben, wenn sie in der Zeit, wo die Rehe gerade Nachwuchs haben, ihren Grünschnitt einbringen wollen. Denn das Tierschutzgesetz verlangt in Paragraf 13, dass Maßnahmen zu ergreifen sind, "die das Wild vor vermeidbaren Schmerzen oder Schäden durch land- oder forstwirtschaftliche Arbeiten schützen". Also auch bei der Ernte und damit der Grasmahd.

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Schutz ist auch nötig: Die kleinen Kitze verharren nämlich regungslos am Boden, unsichtbar für die Maschinenführer, und flüchten auch dann nicht, wenn sich die Gefahr nähert. Entgehen kann man dem Problem, dass Tiere beim Mähen getötet werden, nur durch Kontrolle und Vergrämen - frühestens einen Tag vor dem Grünschnitt. Das würden die zuständigen Jagdpächter auch übernehmen, wenn sie angesprochen und informiert werden, sagt Eckert. Mit vielen Agrarbetrieben gebe es da auch eine gute und eingeübte Zusammenarbeit.

Am Ende kommt das dann beiden Seiten zugute: Den Tieren, die nicht übersehen und getötet werden, und den Landwirten auch. "Wenn ein Tier überfahren wird, ist der Grünschnitt verunreinigt, dann kann es zu Problemen bei der Silage kommen", sagt Eckert und appelliert daher an die Landwirte, sich Unterstützung bei den Jägern zu holen. Eckert schätzt, dass noch zwei bis drei Wochen lang die Gefahr akut sei, dass sich der Rehnachwuchs im hohen Gras versteckt und daher übersehen wird.

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Um künftig noch besser und effektiver Felder nach Kitzen und anderen Tieren absuchen zu können, hat sich der Jagdverband zudem eine hochmoderne Drohne angeschafft. "Mir war das ein großes Anliegen", sagt Eckert, der zur jüngsten Wahl zum Vorsitzenden Mitte Juni nicht wieder angetreten ist. Wie genau die Drohne, die über eine Wärmebildgebung verfügt, eingesetzt und genutzt werden wird, das bestimmt der neu gewählte Vorstand im Detail. Den Jagdpächtern soll diese Technik die Arbeit jedoch erleichtern. Wie genau das laufen wird, bestimmte Mathias Kappler - bisher Eckerts Stellvertreter - und jetzt der neue Chef gemeinsam mit seinem Team, erklärt Eckert.

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