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Traditionsbäckerei in der Neustadt schließt

Bäckerei Rißmann wechselt den Betreiber: Wieder verschwindet in Dresden ein Handwerksbetrieb mit eigener Backstube.

Die Bäckerei Rißmann war viele Jahre Teil der Neustädter Stadtteilidentität. Jetzt verschwindet der Handwerksbetrieb.
Die Bäckerei Rißmann war viele Jahre Teil der Neustädter Stadtteilidentität. Jetzt verschwindet der Handwerksbetrieb. © René Meinig

Mehr als hundert Jahre hat die Bäckerei Rißmann Neustädter mit Brot und Brötchen aus der eigenen Backstube versorgt, nun verabschiedet sich der 1908 gegründete Handwerksbetrieb aus dem Kiez. Inhaber Holger Thielemann hat ihn an einen neuen Eigentümer übergeben. Und wieder verschwindet damit eine Bäckerei, in der frisch gebacken wird.

Der scheidende Inhaber erklärt seinen Rückzug mit gesundheitlichen Problemen. Zuletzt habe er sieben Tage die Woche in der Backstube auf der Königsbrücker Straße gestanden. Auf Dauer einfach zu viel. Schon in den letzten Jahren hat der Bäckermeister keine Lehrlinge mehr finden können, „die Mitarbeiter haben das als Team aber ausgeglichen und über viele Jahre tolle Arbeit geleistet“, sagt er. Es gab Zeiten, da seien 40 Bewerbungen im Jahr eingegangen, zuletzt war es keine einzige mehr.

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Dass Handwerksbetriebe mit Fachkräftemangel zu kämpfen haben, ist bekannt – allen voran Bäckereien. In Dresden schwinden Handwerksbäckereien kontinuierlich, das belegen Zahlen der Handwerkskammer. 2018 gab es in der Stadt 72 Bäckereien mit eigener Backstube, 2016 waren es noch 79. Die Konkurrenz durch Backshops, die billig und massenhaft Teigwaren aufbacken, ist groß. Zu groß für viele Alteingesessene. Überlegungen, mehr Nachwuchs durch höhere Ausbildungsgehälter ins Handwerk zu locken, ist laut Thielemann schwer darstellbar. Die Personalkosten würden damit einfach zu teuer.

Er ist froh, dass zwei seiner Verkäuferinnen an Bord bleiben können. Ab sofort wird die Bäckerei George auf der Königsbrücker Straße verkaufen. Alles bleibt weiterhin handgemacht. „Anders hätte ich das niemals entschieden“, sagt Thielemann, der den Betrieb 1997 vom Ehepaar Rißmann übernommen hat. Für ihn war klar, dass auch in Zukunft ausschließlich Qualitätsware über die Theke geht. Und trotzdem bleibt ein entscheidender Einschnitt: Die eigene Backstube im Keller wird geschlossen. Aus der Bäckerei George werden von nun an frische Backwaren aus eigener Produktion zugeliefert. Das Hauptgeschäft des Inhabers Michael Langer ist gleich um die Ecke, auf der Bautzner Landstraße. Der zweite Laden der Rißmann-Bäckerei im Bischofsweg wird geschlossen.

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Für Neustädter wie Stephan Franck reißt die Bäckerei Rißmann eine große Lücke ins Viertel. Er erinnert sich an manche Partynacht, in der er nachts um 4 Uhr frische Brötchen direkt aus der Backstube kaufen konnte. „Wo geht das noch“, fragt er. Und noch eine Sache bedauert er: „Hier gab es die beste Eierschecke der Stadt.“

Wie es für Thielemann persönlich weitergeht, kann er zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen. Diesen Schritt zu verarbeiten, wird noch dauern, sagt er.