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Familie

Was soll das?!

Unsere neue Kolumne: Wie schwer es ist, ein cooler Opa zu sein ... Heute: Bitte keine Baby-Bilder!

© Bildquelle: pixabay

Das Internet vergisst nichts. Heißt es ja immer. Und genau darauf setzen junge Eltern offenbar - und stellen Tausende dieser ach so niedlichen Fotos ihrer Kinder in die angeblich sozialen Netzwerke. Dort sollen sie offenbar sicher aufbewahrt sein, die Fotos, wenn zum Beispiel mal das Smartphone die Lust am Dauer-in-Gebrauch-sein verliert. Dann wären auch die bei jeder Gelegenheit geschossenen Fotos futsch. Eine Katastrophe, wie soll man sich dann noch an die vielen Momente erinnern, die man damit verbracht hat, sie extra für die Ewigkeit festzuhalten? Also rein damit ins Netz, dort sind sie für immer gefangen. Und sicher sicher.

Wir Alten - schließlich sagt mein Sohn ja regelmäßig „Alter“ zu mir, was er offenbar liebevoller meint, als es klingt - wir Alten jedenfalls sind da absolut ungechillt. Auch das sagt mein Sohn, wenn ich mal wieder mit großväterlicher Altersweisheit darauf hinweise, dass seine gerademal fünf Monate alten Zwillinge schon öfter fotografiert worden sind, als er beim Auto fahren von Dresdens Blitzern. Und seine dennoch beeindruckende Blitzer-Galerie stehe schließlich auch nicht im öffentlichen Social-Media-Schaukasten, füge ich noch pädagogisch gewieft an. Und weil ich das zudem nicht wirklich lustig meine und auch nicht finde, klinge ich in diesen Vater-Sohn-Gesprächen dann vielleicht tatsächlich ein bisschen belehrend. Auch meine beiden Enkelinnen, sage ich dann zum Beispiel, haben ein Recht aufs eigene Bild. Mein Sohn wundert sich, warum mich das so aufregt. (Dabei versuche ich doch extra, total gechillt zu wirken …) Er gehöre halt einer anderen Generation an, sagt er kopfschüttelnd, und ich sei altmodisch. Pah, von wegen!? Ich bin ganz und gar nicht altmodisch. Schließlich poste ich auf Facebook und Instagram auch Hunderte Fotos. Von wunderschönen Landschaften beispielsweise - und kommentiere das Ganze dann mit echt witzigen Brüller-Bildunterschriften. Auch Fotos von Konzerten mit Musikern, die schon bekannt waren, bevor es das Internet überhaupt gab … Aber erstens ist das etwas anderes und zweitens bin ich alt genug und damit selbst schuld, wenn ich den Datenkraken wie Google auf diese Weise die Chance gebe, mir anschließend ungefragt fragliche Werbung zu schicken, die vermeintlich genau in mein Konsum-Beuteschema passt. Meint jedenfalls der Hochleistungsrechner von Google, für den ich ein offenes Buch bin. Ein Facebook. Aber die beiden kleinen Süßen, welche Chance, zu widersprechen haben sie?

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Nun gut. Oder richtiger: nun schlecht. Ich werde den großväterlichen Kampf jedenfalls weiterführen, um meinen Sohn vielleicht doch noch davon zu überzeugen, dass ein privates Fotoalbum auch eine schöne Sache ist, um wertvolle Momente der Zwillinge festzuhalten. Von mir aus auch eine externe Festplatte. (Um nicht wieder in Verdacht zu geraten, altmodisch zu sein!) Vielleicht sollte ich aber auch einfach mal total lustige Fotos aus der Kinderzeit meines Sohnes für alle so wunderbar sichtbar posten? Mal sehen, wie gechillt er dann reagiert … X.*

*…aus Gründen des Datenschutzes (und des familiären Friedens) möchte unser Kolumnist lieber unerkannt bleiben

© Quelle: Unsplash.com

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