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Alte Kita wird Behördensitz

Das Bafa ist in Weißwasser mit ihrer Außenstelle bereits an drei Standorten präsent. Ein vierter soll jetzt hinzukommen.

Die alte Kita „Regenbogen“ in Weißwasser befand sich nach über 40 Jahren Nutzung zuletzt in einem desolaten Zustand, durfte nur noch mit einer Ausnahmegenehmigung betrieben werden. Im Mai 2017 erfolgte der symbolische Spatenstich für einen Ersatzne
Die alte Kita „Regenbogen“ in Weißwasser befand sich nach über 40 Jahren Nutzung zuletzt in einem desolaten Zustand, durfte nur noch mit einer Ausnahmegenehmigung betrieben werden. Im Mai 2017 erfolgte der symbolische Spatenstich für einen Ersatzne © Joachim Rehle

Schon länger pfeifen es die Spatzen pfeifen vom Dach: Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) will seine Außenstelle in Weißwasser erweitern. Dazu soll die ehemalige Kindertagesstätte „Regenbogen“ in der Bertolt-Brecht-Straße zu einem Verwaltungsgebäude umgebaut werden. Mit drei Enthaltungen hat der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, die Immobilie zu verkaufen.

Im Vorfeld waren Gerüchte laut geworden, dass die Liegenschaft womöglich „unter der Hand vergeben werden soll“. Dem widersprach Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) und verwies auf die erfolgte Ausschreibung in Ostsachsen und weit darüber hinaus. Diese war mit dem Landkreis so abgestimmt worden.

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Angebot über 310.000 Euro

Der für das Objekt ermittelte Preis setzt sich aus dem für diesen Bereich geltenden Bodenrichtwert von 42 Euro je Quadratmeter sowie dem Wert des Gebäudes in Höhe von 50.000 Euro zusammen. Im Rahmen einer Ausschreibung ging dafür ein Angebot über 310.000 Euro bei der Stadt ein. Es liegt laut OB sogar deutlich über dem ursprünglichen Preis. Der Verkauf sei mit der Rechtsaufsicht des Landkreises abgestimmt, hieß es in der Videokonferenz des Stadtrats. Der Käufer wird mit dem Vertrag verpflichtet, innerhalb von drei Jahren mit dem Bau zu beginnen. Doch das dürfte wohl wesentlich schneller gehen.

Investor ist die Berliner BOB Immobilienkonzepte GmbH. Die Gesellschaft plant in dem Kita-Gebäude größere Eingriffe. Entstehen sollen bis zu 120 Büroarbeitsplätze. Dazu muss das Objekt umfassend saniert werden. Geplant ist außerdem im Bereich des eingeschossigen Mitteltrakts ein neu zu bauender Erweiterungsbau.

Nutzer wird erst einmal das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) sein. Die Bundesbehörde ist seit Mai 2020 in Weißwasser vertreten. Die Ansiedlung der Außenstelle hier erfolgte in direktem Zusammenhang mit dem Strukturwandel. Dafür verwendete Kohleausstiegsgelder sollen einer betroffenen Region ganz unmittelbar zugutekommen, hieß es bei der Eröffnung. Für das Bafa wird derzeit das Sparkassengebäude in der Bahnhofstraße umgebaut. Die Behörde nutzt Räumlichkeiten im Grundbuchamt und lässt ein Bürohaus auf der Saschowawiese ausbauen.

Er sei von der Behörde angesprochen worden, ob es noch weitere Immobilien in Weißwasser gibt, sagte Torsten Pötzsch. In Betracht gekommen waren die ehemalige Schule in der Brunnenstraße, das (inzwischen durch Brand schwer beschädigte) Volkshaus sowie die ehemalige Kita „Regenbogen“. Die Entscheidung fiel für letztere. Sie wird somit der vierte Standort des Bafa in der Stadt.

Thomas Krause (CDU) gab zu bedenken, dass man mit dem Wissen um die Nutzung durch eine Bundesbehörde womöglich einen anderen Investor gefunden und noch dazu einen höheren Verkaufspreis erzielt hätte. Er kritisierte die Art und Weise der Ausschreibung, was zu einem unschönen Disput in der Stadtratssitzung führte. Torsten Pötzsch veranlasste das zu der Feststellung: „Mal wird der Verwaltung vorgeworfen, dass wir nichts machen. Wenn wir was machen, ist es auch nicht richtig“.

Kathrin Jung (SPD) würde sich „wünschen, „dass nicht jede Kritik gleich als Angriff verstanden wird“. Sie vermutete, dass den Projektentwicklern aus Berlin der Nutzer vorab bekannt gewesen sein dürfte. Ihr stellte sich stattdessen die Frage, ob nicht auch die städtische Wohnungsbaugesellschaft das Geschäft hätte machen wollen. Kathrin Jung findet „gut, dass mit der baulichen Hülle der Kita was passiert“. Sie freue sich darüber, denn das habe die Stadt ja immer gewollt, fügte sie hinzu.

Große Pläne in Weißwasser

Die Wohnungsbaugesellschaft habe an der alten Kita kein Interesse, das habe er natürlich abgeklärt, entgegnete der OB. Anfangs habe man die Immobilie nur vermieten und später verkaufen wollen. Jedoch habe der Landkreis empfohlen, gleich den Verkauf auszuschreiben. Das veranlasste Jens Glasewald (AfD) zu der Bemerkung, dass damit das -zigfache eines Mietpreises zu kriegen sei.

Wie der Investor verlauten ließ, ist später eine weiterführende Nutzung der ehemaligen Kita als Verwaltungs- oder Forschungsstandort vorgesehen. Die BOB Immobilienkonzepte GmbH hat aber noch andere große Pläne in Weißwasser. Sie möchte das Gelände um die Gelsdorfhütte mit der Ruine als Zentrum zu einem Campus für Forschung, Entwicklung, Bildung und Verwaltung mit angegliederten Wohnflächen entwickeln. Den Verkauf der Liegenschaften beschloss der Stadtrat ebenfalls mehrheitlich – in derselben Sitzung.

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