merken
PLUS Weißwasser

Auf kürzestem Weg von Poznan nach Dresden

Der Strukturwandel könnte es möglich machen. In Żary arbeitet man bereits daran und sucht Verbündete in der Lausitz und findet sie bei der AfD.

Über den Kreisverkehr bei Sagar gelangt der Schwerlastverkehr aus Weißkeißel kommend nach Polen. Den sogenannten „Polenkreisel“ an der S 127 nutzen viele Lkw.
Über den Kreisverkehr bei Sagar gelangt der Schwerlastverkehr aus Weißkeißel kommend nach Polen. Den sogenannten „Polenkreisel“ an der S 127 nutzen viele Lkw. © Joachim Rehle

Eine Bundesbehörde und Forschungszentren in Weißwasser anzusiedeln, ist aus Sicht von Roberto Kuhnert ja gut. „Aber es bringt keine Industriearbeitsplätze“, so der AfD-Landtagsabgeordnete aus Weißwasser. Dafür müssten die infrastrukturellen Voraussetzungen geschaffen werden. Und genau dazu sei das Geld aus dem Strukturwandelpaket sinnvoll einzusetzen. Deshalb bringt er jetzt ein nach eigener Aussage „sehr interessantes Projekt“ ins Spiel: eine Verkehrs-Ader, die die weiter wachsende polnische Metropole Poznań (Posen) mit über einer halben Million Einwohner auf kürzestem Wege mit Sachsens Landeshauptstadt Dresden und von da ab mit Süddeutschland verbindet. In Weißwassers Partnerstadt Żary (Sorau) wird seit einem Jahr an dem Projekt gearbeitet. Jetzt sei man auf der Suche nach Unterstützern – erst recht in der Lausitz.

Es fehlt eine Diagonale

Der Idee kann Roberto Kuhnert einiges abgewinnen. Zusammen mit seinem Fraktionskollegen Jens Oberhoffner aus Weißkeißel war er Ende Oktober zu einem Arbeitstreffen in Żary, um sich mit Bürgermeisterin Danuta Matej und „ihrer rechten Hand“ Ireneus Brzezinski über Chancen des Strukturwandels auszutauschen.Dabei stellte der Wirtschaftsdezernent das ambitionierte Verkehrsprojekt vor. Ausgehend von dem Rechteck Berlin, Dresden, Wrocław, Poznań sei auf jeder Karte zu erkennen, dass die Diagonale von Poznań nach Dresden fehlt.

Arbeit und Bildung
Alles zum Berufsstart
Alles zum Berufsstart

Deine Ausbildung finden, die Lehre finanzieren, den Beruf fortführen - Hier bekommst Du Stellenangebote und Tipps in der Themenwelt Arbeit und Bildung.

Auf polnischer Seite hegt man daher die Idee einer Autobahn ähnlichen Schnellstraße quer durch die Lausitz. Roberto Kuhnert spricht von einer Schnellstraße ähnlich der Qualität, wie sie als Umfahrung von Senftenberg gebaut wird. Der AfD-Landtagsabgeordnete sieht darin die große Chance, „unsere Region weiter zu erschließen“ – und obendrein den grenzüberschreitenden Schwerlastverkehr aus den Ortschaften herauszukriegen. „Mit der Trasse binden wir den Nordkreis an das Geschehen an, wo die Musik spielt und wir hätten auch selber was davon“, begründet er die Bedeutung. In Polen sei man mit den Überlegungen dazu recht weit.

Von Krauschwitz bis Uhyst a. T.

Auf deutscher Seite könnte man an der neuen Brücke in Krauschwitz ansetzen, „die bisher im Niemandsland endet“. Von da aus könnte die Strecke über den sogenannten „Polenkreisel“ an der S 127 von Sagar nach Weißkeißel führen. Zwischen Weißkeißel und Haide beginnend, wäre ein drei Kilometer langes Stück Straße neu zu bauen, an die B 156 anzubinden und über diese Bundesstraße bis nach Uhyst/Spree zu führen. Von dort aus soll ein ebenfalls neu zu bauender reichlich 30 Kilometer langer Abschnitt zur B 96 nördlich von Neschwitz und von da aus weiter querfeldein direkt an die Autobahn A 4 nahe Uhyst am Taucher führen.

Zusammen mit seinem Landtagskollegen Jens Oberhoffner, der übrigens fließend polnisch spricht und deshalb auch Sprecher der AfD-Fraktion für die Zusammenarbeit Sachsens mit Polen und Tschechien ist, hat Roberto Kuhnert das Vorhaben im AfD-Arbeitskreis Wirtschaft und Verkehr vorgestellt und stieß dort wie auch beim verkehrspolitischen Sprecher der AfD, Tobias Keller (Leipzig), auf offene Ohren. „Es wurde als super Idee aufgenommen – auch wegen der Zusammenarbeit mit den polnischen Nachbarn, und weil das Projekt einen überregionalen Wert hat“, kommentiert Roberto Kuhnert.

Zu dem Verkehrsprojekt für die Lausitz bereite der Arbeitskreis Unterlagen für den Ausschuss Wirtschaft und Verkehr des Landtags vor.Bei der Frage nach Planungszeiträumen winkt Roberto Kuhnert ab. Er erinnert daran, dass Anfang der 90er Jahre die Autobahn in Bautzen zu Ende war. „In kürzester Zeit wurde die A 4 verlängert und sogar ein Tunnel gebaut“, sagt er. An diesem Tempo müsse man sich orientieren, sonst liefe im Strukturwandelprozess die Zeit davon.Im Januar will man in Żary über weitere Schritte diskutieren.

Mehr Nachrichten aus Weißwasser und Umland lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Weißwasser