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Hortkinder werden aufgeteilt

Während der Sanierung ihres Gebäudes in Weißwasser zieht die Kita Ulja in Container. Der Platz reicht aber nicht für alle.

Groß war die Freude bei den Knirpsen der Kita Ulja, als im Dezember 2019 draußen neue Spielgeräte aufgestellt wurden. Ihre Eltern beschäftigte derweil die Forderung nach dringender Sanierung im Inneren. 2021 soll nun gebaut werden.
Groß war die Freude bei den Knirpsen der Kita Ulja, als im Dezember 2019 draußen neue Spielgeräte aufgestellt wurden. Ihre Eltern beschäftigte derweil die Forderung nach dringender Sanierung im Inneren. 2021 soll nun gebaut werden. © Joachim Rehle

Eigenmittel in Höhe von 550.000 Euro stellt der Stadtrat Weißwasser 2021 zur Sanierung der Kita Ulja bereit. Einstimmig hatten das die Räte in ihrer jüngsten Sitzung beschlossen. Die Höhe des Eigenanteils basiert auf der Annahme einer Städtebauförderung für den Stadtumbau „Innenstadt“. Schon im Februar hatte sich der Stadtrat in einem ebenfalls einstimmigen Grundsatzbeschluss zu der Sanierung bekannt. Da war man noch von Kosten um 1,2 Millionen Euro ausgegangen. Inzwischen belaufen sie sich auf 1,65 Millionen Euro. Darin inbegriffen sind jetzt aber auch die Kosten für einen Ausweichstandort. Auf dem Parkplatz an der Zufahrt zur WBG werden Container aufgestellt.

Der Beschluss jetzt war notwendig, um die Bauleistungen für die Kita und Aufträge für den Containerstandort ausschreiben zu können. Ursprünglich hatte man angenommen, dass zum Zeitpunkt der Ausschreibung zumindest der Entwurf des Haushalts 2021 vorliegt. Doch davon sei man, so Baureferatsleiter Thomas Böse im Stadtrat, „noch weit entfernt“. Insofern stellt der Beschluss einen Vorgriff auf den nächsten Haushalt dar.Auf einen konkreten Zeitplan wollte sich Thomas Böse noch nicht festlegen. Er gehe jedoch von einem Umzug im Frühjahr und dem Rückzug im Spätherbst 2021 aus, „damit die Containerlösung keine Winterlösung wird.“

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Für jedes Kind einen Hortplatz

In den Containern werden alle Kinder aus Krippe und Kindergarten untergebracht. Hortkinder jedoch nicht, hieß es vonseiten der Stadt. Sie werden für die Dauer der Sanierung zum Teil im Hort der 2. Grundschule betreut, auch biete das Katholische Kinderhaus Plätze an. „Wir haben als Stadt genügend Hortplätze zur Verfügung. Es wird für jedes Hortkind einen Platz geben. Für einige Kinder bedeutet das allerdings einen weiteren Weg“, erklärte Angela Paulke aus dem Bereich Bildung und Soziales der Stadtverwaltung. Erfahrungsgemäß würden Viertklässler in Weißwasser den Hort nicht bis zum Ende des Schuljahres besuchen, damit sei auch jetzt zu rechnen. Deshalb sei man noch in der Abstimmung.

Bauarbeiten in der Kita Ulja waren von den Eltern immer wieder angemahnt worden. Dabei ging es ihnen vor allem um die Schimmelbildung in den Fensterfaschen. 2010 war die Kita Ulja teilsaniert worden. Im Februar 2011 wurde an den Fenstern der erste Schimmel festgestellt. Seither betrieb die Stadt jeden Winter einen erheblichen Aufwand, jedoch ohne eine dauerhafte Verbesserung der Situation. Elternsprecherin Sandra Trause hatte mehrfach – auch direkt im Stadtrat – darauf gedrungen, „endlich für Abhilfe zu sorgen“.

Man habe diskutiert, erst einmal nur das Problem der Schimmelbildung anzugehen und später den Rest zu machen, so Oberbürgermeister Torsten Pötzsch in der jüngsten Stadtratssitzung (Klartext). Die Verwaltung sei sich aber einig darin, „die Sache insgesamt anzugehen und dann für 20 bis 30 Jahre Ruhe zu haben“, sagte er. Der OB warb dafür, „mit diesem Vorgriff auf den Haushalt die Sache anzugehen“.

Umbau als Gesamtpaket

Dass die Schimmelbildung mit der damaligen Sanierung zusammenhängt, hatte der Baureferatsleiter bereits in der Februar-Sitzung eingeräumt. An dem denkmalgeschützten Objekt hätte keine Außendämmung angebracht werden dürfen. Ebenso erklärte er in jener Sitzung des Stadtrates, dass es nicht möglich sei, für das Problem Schimmel allein eine Förderung zu kriegen. Die gebe es nur für energetische Sanierung und dergleichen mehr. Seither war die Stadt bestrebt, ein Gesamtpaket zu schnüren.

Dieses sieht nun den Umbau der Kita Ulja vor – unter strengsten Auflagen des Denkmalschutzes. Im Hauptgebäude werden Leitungen ausgetauscht, im Krippenbereich eine Fußbodenheizung eingebaut, in den Bädern die 23 Jahre alten Sanitärinstallationen erneuert, die WCs im Krippenbereich den aktuellen Vorschriften angepasst. Im Nebengebäude muss die zum Teil von 1953 stammende Elektroanlage dringend erneuert werden. Auch soll die schon seit Jahren geforderte Schwarz-Weiß-Trennung für Schmutz- und Sauberwäsche geschaffen werden. Aufgrund gesetzlicher Vorgaben ist diverse Sicherheitstechnik zu installieren – von der Klingelanlage mit Videofunktion über eine zeitgesteuerte Schließanlage bis hin zu Alarmtechnik. Parallel zur Sanierung der Laibung an den schimmelbetroffenen Fenstern wird eine Abluftanlage für zusätzlichen Luftaustausch eingebaut. Die Liste der Baumaßnahmen ist noch sehr viel länger.

Bereits im Haushalt 2019/20 waren für die Sanierung der Kita Ulja 812.000 Euro eingeplant gewesen. Dazu kamen weitere 60.000 Euro aus dem Jahr davor. Etwa zur Hälfte hatte man im Rathaus mit einer Fachförderung gerechnet. Nur, ohne genehmigten Haushalt konnte die Stadt kein Geld ausgeben. Im Haushalt 2020 sind 100.000 Euro für Planungsleistungen eingestellt sowie eine Million Euro im Investitionsplan für 2021 (abzüglich der Fördermittel). Jedoch gab es keine Ermächtigung, diese finanziellen Verpflichtungen einzugehen. Nur mit Hilfe des Landratsamts war es gelungen, einen genehmigungsfähigen Haushalt für 2020 aufzustellen.

Abstriche an anderer Stelle

Der in der jüngsten Stadtratssitzung gefasste Beschluss sieht vor, die 2020 für die Sanierung geplanten Gelder für 2021 bereitzustellen. Darüber hinaus wurde der OB ermächtigt, auch andere nicht genutzte Investmittel ebenfalls für Maßnahmen in der Kita einzusetzen. Oder wie es der OB selber formulierte: „An der einen oder anderen Stelle haben wir noch Euro übrig, die wir 2020 nicht mehr ausgeben können. Die wollen wir ebenfalls für die Ulja nutzen“.

Da mit dem Haushalt 2021 nicht vor dem Sommer zu rechnen ist, gilt der Beschluss als finanzielle Absicherung für die Ausschreibungen. „Das heißt, es müssen bei anderen Dingen Abstriche gemacht werden“, betonte Baureferatsleiter Thomas Böse. Katrin Jung (SPD) bekräftigte das. „Es ist notwendig, das Geld auszugeben – auch wenn es uns an anderer Stelle fehlen wird“, sagte sie. Ihrer Ansicht nach bedürfe es einiger Aufklärung, da die Verunsicherung unter den Eltern groß ist. Ihnen sei das Vorgehen vorgestellt worden, hieß es aus der Verwaltung. Sobald der Zeitplan steht, würden sie nochmals informiert.

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