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Klinik Weißwasser kämpft an vielen Fronten

Corona, allgemeine Patientenversorgung, Ärztemangel, Impfungen , Zukunftssorgen – all dies sind aktuelle Probleme.

Regelmäßig und rund um die Uhr bringen die Fahrzeuge des DRK-Rettungsdienstes Weißwasser Patienten ins Kreiskrankenhaus.
Regelmäßig und rund um die Uhr bringen die Fahrzeuge des DRK-Rettungsdienstes Weißwasser Patienten ins Kreiskrankenhaus. © Joachim Rehle

Seit Wochen fahren die Rettungswagen regelmäßig am Kreiskrankenhaus Weißwasser vor. Die Covid-19-Pandemie hat die Region im Griff. Trotz des zweiten Lockdowns, der in Sachsen Anfang Dezember in Kraft trat, sinken die Zahlen der Infektionen, schweren Erkrankungen und Todesfälle nicht wie erhofft und nötig. Allein im Kreiskrankenhaus Weißwasser wurden zum Jahreswechsel etwa 50 Corona-Patienten stationär behandelt – zusätzlich zur medizinischen Grundversorgung der Menschen durch die Klinik. Die Folge: Die Mediziner sind am Limit. Ein etwa 20-prozentiger Krankenstand und fehlendes Personal verschärfen die Lage.

Personal händeringend gesucht

Aktuell werden händeringend ein medizinisch-technischer Laborassistent, ein operationstechnischer Assistent sowie Gesundheits- und Krankenpfleger gesucht. Zu besetzen sind auch ein Chef- und ein Oberarzt-Posten für die Kinder- und Jugendmedizin, nachdem die bisherige Chefärztin Ulrike Wetzel nach Hoyerswerda wechselte. In Weißwasser benötigt werden ebenfalls ein Oberarzt für Gastroenterologie, ein Oberarzt für Anästhesie und Intensivmedizin sowie ein Facharzt in der Abteilung. Immerhin der offene Chefarztposten ist inzwischen aus eigenen Reihen mit Stefan Rattey neu besetzt.

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Die geschildert prekäre Personallage der Klinik in Weißwasser sieht man bei der Managementgesellschaft Gesundheitszentrum des Landkreises Görlitz mbH (MGLG) relativ entspannt. Das Unternehmen erledigt auf vertraglicher Grundlage die Verwaltungsaufgaben für die Klinikum Oberlausitzer Bergland gemeinnützige GmbH, die Kreiskrankenhaus Weißwasser gemeinnützige GmbH und weitere Einrichtungen und findet: „Wie alle Krankenhäuser in Deutschland suchen wir Personal, sowohl im ärztlichen als auch im pflegerischen Bereich. Denn Fluktuation ist üblich und nicht ungewöhnlich“, so Jana-Cordelia Petzold, Referentin für Sozialmarketing, Presse-und Öffentlichkeitsarbeit, auf Anfrage. Sie räumt allerdings ein, dass die Nachbesetzung am Standort Weißwasser, trotz internationaler Suche nach Fachkräften, „nicht ganz unproblematisch“ sei.

Befürchtungen schwingen mit

Mit jährlich rund 10.000 stationären Patienten und 180 Planbetten gilt die Klinik als kleines Haus. Durch ihre Fachbereiche Chirurgie, Innere Medizin, Gynäkologie, Kinderheilkunde, Intensivmedizin und Radiologie sichert sie gleichzeitig die Grundversorgung der Bevölkerung ab – mit rund 60 Ärzten und etwa 155 Pflegekräften. Hinzu kommen weitere 115 Mitarbeiter in Labor, OP, Physiotherapie und anderen Krankenhauseinrichtungen. „Natürlich wünschen wir uns, dass mittelfristig alle Betten und Abteilungen erhalten werden. Doch was in zehn Jahren ist, können wir nicht sagen. Das hängt von der demografischen Entwicklung ab“, bekannte Steffen Thiele, Geschäftsführer Klinikmanagement, bereits im Herbst 2019. Schon da äußerte er, dass Personalsuche wegen Altersabgängen, Krankheit, Berufswechseln, Studium oder Abwerbungen ein laufender und nie abbrechender Prozess sei.

Doch gerade wegen der demografischen Entwicklung in und um Weißwasser und der engen Personaldecke schwingt bei Beschäftigten und Bevölkerung immer wieder die Angst einer Klinikschließung mit, kursieren entsprechende Gerüchte. Denn Krankenhäuser, auch das ist ein Fakt, müssen wirtschaftlich arbeiten. Das funktioniert nur, wenn alle Bereiche arbeitsfähig sind, alle Versorgungsaufgaben – insbesondere OPs – gewährleistet und Betten belegt werden können. Pandemie und Personalmangel sind da mehr als hinderlich.

Sicherstellungsbescheid ist da

Erst bei der traditionellen Stollentour des Landrates, der Heiligabend das Krankenhaus Weißwasser besuchte, äußerte Chefarzt Karsten Brußig: „Hoffen wir, dass wir nach Corona auch noch da sind!“ Landrat Bernd Lange zweifelt nicht am Bestand der Klinik. Der Kreis als Gesellschafter halte am Haus fest, setze sich intensiv dafür ein. „Wir haben jetzt sogar einen Sicherstellungsbescheid erhalten“, erklärte er gegenüber Brußig. Außerdem gehe man nun in Verhandlungen mit den Krankenkassen. Ziel sei unter anderem, eine Bettenpauschale zu erhalten, um das Haus in Weißwasser perspektivisch auf wirtschaftlich sichere Beine zu stellen.

Indes kämpft die Krankenhausleitung weiter um Fachpersonal, setzt dabei auf die Mitgliedschaft im Netzwerk „Ärzte für Sachsen“, fördert junge Mediziner in ihrer ärztlichen Weiterbildung und bietet Anreize. Für Chefarzt Stefan Rattey war und ist Weißwasser eine gute Option. Die Zusammenarbeit in einem kleinen Haus mit kurzen Dienstwegen sei einfacher zu organisieren als in größeren Einrichtung. „Gerade in der Intensivmedizin können wir uns direkt abstimmen. Wir decken hier außerdem ein relativ großes Spektrum ab und sind breit aufgestellt: Da ist der anästhesiologische Bereich, der essenziell ist für Operationen und Schmerztherapien; da ist der intensivmedizinische Bereich mit einem hochmotivierten Pflegeteam, und da ist die sehr schön gestaltete und gut arbeitende Palliativstation“, lobt Rattey.

„Wir gehen als Arbeitgeber immer auf die individuellen Wünsche der Beschäftigten ein und stellen ein umfangreiches Paket zusätzlicher Sozialleistungen zur Verfügung“, umschreibt Referentin Petzold die Jobanreize. Aber andere Krankenhäuser, bekennt sie, würden dies ebenfalls machen. Und je größer und leistungsfähiger sie seien, umso mehr Möglichkeiten hätten sie.Abstriche bei der Versorgung müssten Patienten in Weißwasser dennoch nicht fürchten. „Die Versorgung von Patienten in der Akutversorgung und der Notfallbehandlung sowie in der stationären Aufnahme ist weiter gewährleistet.“

Was abgesagte OPs in der Klinik Weißwasser anbelange, so seien diese nicht personell bedingt, sondern sie begründen sich ausschließlich mit den Vorbereitungen und Maßnahmen im Zusammenhang mit Covid 19, der Aufnahme von Erkrankten oder Verdachtsfällen. Grundlage hierfür sei die Sächsische Allgemeinverfügung vom 17. Dezember 2020. Da sie vorerst bis Monatsende gilt, bedeute dies weiterhin, alle aufschiebbaren OPs und Untersuchungen auszusetzen und zeitlich nach hinten zu legen.

Personal-Impfungen laufen

Möglichst nicht verschieben, sondern schnell abschließen will man dagegen die Impfungen der Krankenhausbelegschaft durch eine vertraglich gebundene Betriebsärztin. „Wir haben damit seit Vorliegen des Impfstoffes begonnen und sind erfolgreich auf dem Weg“, so Kliniksprecherin Petzold. Wie sie weiter informierte, würden außerdem seit längerer Zeit zweimal pro Woche unkompliziert und für alle Berufsgruppen Corona-Tests in der Klinik Weißwasser vorgenommen; vorrangig bei Berufspendlern. „Was unsere eigenen Mitarbeiter betrifft, so werden die Kosten voll vom Unternehmen übernommen.“ Ein Service, den nicht jedes regionale Unternehmen bietet.

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