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Krauschwitzer Familie beschert Nachbarn musikalisch

Statt nur in den eigenen vier Wänden gab es Open-Air-Musik für alle Anwohner im Eichenweg – festlich und mit viel Abstand.

Als Familien an wärmenden Feuerschalen im eigenen Grundstück stehen und live gespielter Weihnachtsmusik lauschen – dies war in Krauschwitz möglich.
Als Familien an wärmenden Feuerschalen im eigenen Grundstück stehen und live gespielter Weihnachtsmusik lauschen – dies war in Krauschwitz möglich. © Rolf Ullmann/Archiv

Krauschwitz. Mutter Simone ist Kirchenmusikerin. Vater Uwe spielt seit Kindertagen Posaune. Tochter Rebecca wird Musiklehrerin und beherrscht, wie ihre jüngeren Brüder Johann und Gabriel, mehrere Instrumente. Die Krauschwitzer spielen zudem seit Jahren gemeinsam im Posauenchor der Kirchengemeinde. Doch dieses Weihnachten durften bei Gottesdiensten und Christmetten weder Krippenspiele aufgeführt, Lieder gemeinsam gesungen werden noch Posaunenchöre auftreten.

Aber im Eichenweg in Krauschwitz gab es dennoch am 2. Weihnachtsfeiertag ein Konzert. Ein Open-Air-Konzert von außergewöhnlicher Art und den Corona-Schutzverordnungen angepasst. Denn die Musik, die auf der ganzen Straße zu hören war, erklang ab 17 Uhr vom Grundstück von Simone, Uwe und den Kindern. Sie hatten eine Feuerschale bestückt und angeheizt, sich mit ihren Instrumenten darum aufgestellt und spielten eine Stunde lang kirchliche und weltliche Weihnachtslieder, darunter weltbekannte Hits hie und Kinderlieder da – wie „Schneeflöcken, Weißröckchen“ oder „In der Weihnachtsbäckerei“.

Stars im Strampler aus Weißwasser
Stars im Strampler aus Weißwasser

So klein und doch das ganz große Glück: Wir zeigen die Neugeborenen aus Weißwasser und Umgebung.

Die Idee für das Konzert hatte Familie Weinberg selbst, die sogar Einladungen an alle Nachbarn verschickte. Darin hieß es unter anderem: „Wir wissen, es ist falsch, wenn sich jemand alleingelassen fühlt. Deshalb haben wir in den vergangenen Monaten gelegentlich von unserem Grundstück aus gespielt. Auch an Weihnachten wollen wir es so halten.“ Im Einladungsbrief wurden die Nachbarn zudem gebeten, vor die eigene Haustür oder Einfahrt zu treten, um nur von dort aus der Musik zu lauschen. Aufgefordert wurden die Nachbarn ebenfalls, ein kleines, wärmendes Feuer auf ihren Grundstücken zu entzünden oder Lichter aufzustellen. „Auch wenn wir uns nicht treffen dürfen. Die Lichter und die Musik können uns verbinden, so dass niemand das Gefühl des Alleinseins haben muss“, hieß es im Brief.

Wie dankbar die Menschen waren, zeigten die weithin sichtbar lodernden Feuerschalen, viele Kinderlampions und vor allem Zuhörer in fast jedem Grundstück, die im Freien oder aus Fenstern und Türen heraus laut mitsangen und noch lauter nach jedem Lied applaudierten. Dieser Klang und Widerhall nachbarschaftlichen Dankes war, wie die Musik selbst, auf der gesamten Straßenlänge als Weihnachtsbotschaft, Zeichen des Miteinanders, der Hoffnung und des Glaubens zu vernehmen.

So, wie schon beim Corona-Lockdown im Frühjahr. Da hatte die musikalische Familie aus Krauschwitz schon einmal fast zwei Monate lang jeden Spätnachmittag gemeinsam Volks- und Frühlingslieder, Kirchenmusik, Rock und Pop zur Erbauung der Nachbarn sowie als Zeichen der Zusammengehörigkeit und des gegenseitigen Mutmachens in ihrem Garten erklingen lassen. Die Auftritte sprachen sich schnell im Ort und darüber hinaus herum, weil Anwohner die Musik per Handy aufnahmen und, mit Dankesworten für die Musikanten versehen, weiterleiteten.

Nicht selten gab es tolle und anerkennende Kommentare ganz fremder Menschen auf diese Posts in den Sozialen Medien. Für mich persönlich war die musiklaische Botschaft, die ich am 26. Dezember genießen konnte, ein ganz besonderes Erlebnis. Denn wie viele andere Menschen auch vermisse ich Live-Kultur und Kunst sehr. Umso mehr danke ich meinen Nachbarn für ihr Geschenk an uns alle!

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