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Der Weihnachtskarpfen ist gesichert

Der für Silvester auch – obwohl nach dem dritten trockenen Jahr in der Teichwirtschaft Klitten die Erträge einbrachen.

Friedhelm Petrick, Mitarbeiter der Teichwirtschaft Klitten, zieht ein Prachtexemplar eines Saiblings aus dem Wasser.
Friedhelm Petrick, Mitarbeiter der Teichwirtschaft Klitten, zieht ein Prachtexemplar eines Saiblings aus dem Wasser. © Joachim Rehle

Bei dem Anblick läuft Fischliebhabern mit Sicherheit das Wasser im Mund zusammen: Dietmar Bergmann zieht einen Stab Forellen aus der Räucherkammer. Auf anderen Stäben sind Aal und Wels, auch Rotbarsch und Heilbutt aufgespickt. Die Vorbereitungen für das Jahresendgeschäft laufen in der Teichwirtschaft Klitten seit Tagen auf Hochtouren. Auch, was Frischfisch angeht. „Sorge um seinen Weihnachts- oder Silvesterkarpfen muss sich niemand machen“, versichert Dietmar Bergmann. Erhältlich sind vor den Feiertagen ebenso Hechte, Schleie, Stör und ein kleines Angebot Seefisch. Im Hofladen im Boxberger Ortsteil Jahmen können sich die Kunden ihren Fisch aussuchen; dieser wird dann fachgerecht getötet und für die Verarbeitung in der Küche zu Hause vorbereitet.

Eben kein „Modefisch“ mehr

Im Dezember wird hierzulande aus Tradition viel Fisch gekauft – im Hofladen wie auch im Verkaufswagen in Weißwasser. Während ältere Kunden Karpfen blau oder gebraten bevorzugen, freunden sich jüngere Leute zunehmend mit dem grätenfreien Karpfenfilet an. Darüber freut sich Dietmar Bergmann. Und dennoch gehe der Absatz an Karpfen insgesamt zurück. „Er ist eben kein Modefisch mehr.“

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Das Jahr 2020 ist alles andere als gut gelaufen. Da die Teiche nicht von einem Vorfluter gespeist werden, ist man auf Regen angewiesen. Und davon gab es schon im dritten Jahr in Folge einfach viel zu wenig. „Es macht keinen Spaß mehr“, sagt Bergmann, der sein Leben lang Fischer ist und auch nie hätte etwas anderes sein wollen. Das merkt man ihm auf Schritt und Tritt an. Die Sorgenfalten ebenso.

Das Unternehmen bewirtschaftet 27 Teiche, die zwischen einem Viertel- und 90 Hektar groß sind; alles in allem 250 Hektar. Die großen Teiche werden für die Speisefischproduktion genutzt; die kleinen, um Satzfische heranzuziehen. In der Teichwirtschaft Klitten werden die Karpfen in eigenen Brutanlagen selber reproduziert.
Doch wenn die Teiche nur zu einem Viertel oder höchstens zur Hälfte gefüllt sind, fehlt das Produktionsvolumen. Man könnte auch sagen, den Fischen der Lebensraum. Sie fressen weniger und wachsen langsamer. Das hat Folgen. In der Lausitz landen die Karpfen zumeist nach drei Jahren auf der Ladentheke, mit dem bei vielen Kunden beliebten Gewicht von zwei Kilogramm. Doch mehr als 60 Prozent der Produktion liefert der Betrieb an Großkunden in den Norden. Dort mag man größere Fische. Also bleiben als Kompromiss einige Karpfen ein Jahr länger in den Teichen.

Teichpflege, schwer gemacht

Ein zu niedriger Wasserstand behindert zudem die Teichpflege. Bei mitunter nur zehn Zentimetern Wasserhöhe könne man nicht mit der Schilfschneidemaschine und auch mit anderen Geräten nicht arbeiten.

Corona ist an dem Fischbetrieb zum Glück vorbeigegangen. Dietmar Bergmann klopft dreimal auf Holz. Da es ein Lebensmittelbetrieb ist, durfte man die ganze Zeit produzieren, war vom ersten strengen Lockdown im Frühjahr nicht betroffen. „Es war gerade die Zeit des Umsetzens der Fische von den Winter- in die Sommerteiche. Das kann man nicht einfach verschieben“, so Bergmann. Wie in der Landwirtschaft müssten ja trotz Corona die Tiere versorgt werden. Er sei jedenfalls froh, dass er und seine beiden Mitarbeiter gut durch die Zeit gekommen sind.

Fischerfest fiel aus

Gespürt hat er die Auswirkungen der Pandemie aber doch: Das Fischerfest im Oktober musste ausfallen. Das ist normalerweise eine gute und sichere Einnahmequelle – und obendrein eine gute Werbung für den Betrieb. Jetzt kann er das nur als „herben Verlust“ verbuchen. Aber anderen in der Fisch- und Landwirtschaft sei es ja auch nicht besser ergangen.

Wenn alle Festtagskarpfen verkauft sind, steht nur eine kurze Auszeit an. Auch in der kalten Jahreszeit gibt es viel zu tun. Die meisten Teiche werden im Winter trockengelegt. Das sei die umweltschonendste Desinfektion, wenn der Boden ordentlich durchfriert. Auch müssen Teichdämme in Ordnung gebracht, Netze und Maschinen repariert werden. Anfang Februar werden die Teiche wieder angestaut. Dann heißt es: Warten auf Wasser. Das sollten nicht bloß ein paar „Rübenschauer“ sein, die würden gar nichts bringen. Nach zwei Tagen Dauerregen würde es schon ganz anders aussehen. Oder nach einer Schneeschmelze.

Dietmar Bergmann am Räucherofen. Er ist trotz seiner 66 Jahre noch immer Fischer mit Leib und Seele – und wollte auch nie etwas anderes sein.
Dietmar Bergmann am Räucherofen. Er ist trotz seiner 66 Jahre noch immer Fischer mit Leib und Seele – und wollte auch nie etwas anderes sein. © Joachim Rehle

Kormorane und Reiher räubern

Abgesehen von den veränderten klimatischen Bedingungen machen den Fischern der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft die Kormorane zu schaffen, die – unter Schutz stehend – nicht vergrämt werden dürfen. Und vor 15 Jahren habe man sich gefreut, mal einen Grau- oder Silberreiher zu sehen. Inzwischen gebe es große Populationen, die sich munter in den Fischteichen bedienen. Im Gegenzug zu Naturschutzauflagen, etwa am großen Tauerwiesenteich, bekommt Bergmann eine Ausgleichsprämie. Ein Geschenk sei das nicht.

1992 hat Dietmar Bergmann den Betrieb übernommen. Dass der Absatz über die Feiertage boomt, sonst aber rückläufig ist, bereite ihm Kopfschmerzen. Die Fixkosten stünden ja trotzdem. Mit 66 hätte er sich längst zu Ruhe setzen können. Die große Hoffnung, dass sein Sohn den Betrieb übernimmt, nachdem er eine Weile mitgearbeitet hat, erfüllte sich nicht. Es sei nun mal nicht jedermanns Sache, täglich bei Wind und Wetter draußen zu sein, räumt Dietmar Bergmann ein. Doch nicht nur der Chef selber ist in die Jahre gekommen. Die meisten seiner Aushilfsfischer, die bei den Fischzügen mit anpacken, ebenso.

Bis zum 30-jährigen Bestehen 2022 will Dietmar Bergmann noch weitermachen. Was dann, bleibt die Frage. „Man kann eine Teichwirtschaft ja nicht abstellen, wie man eine alte Schmiede zumacht“, erklärt er. Er hofft, dass sich jemand findet, der im Nebenerwerb weitermacht.

Bei Dietmar Bergmann selber kommt alle 14 Tage Fisch auf den Tisch – am ersten Feiertag gebratener Karpfen.

Hofladen in Jahmen, Dürrbacher Straße 351. Geöffnet: am 18./19.12., am 23.12. 9-17, 24.12. 9-11, am 30.12. 9-17 und am 31.12. 9-11 Uhr. Zu gleichen Zeiten steht der

Verkaufswagen in Weißwasser am Toom-Baumarkt.

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