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Familienhotel bringt Schub für Bärwalder See

Zehn Millionen Euro sollen investiert werden. Ehrgeizig ist aber nicht nur die Gebäudestruktur in Form eines Auges.

So soll es einmal aussehen, das geplante Familienhotel am Boxberger Ufer des Bärwalder Sees. Mit der Gebäudestruktur in Form eines Auges lehnt man sich an die Landschaftsgestaltung des Boxberger Ohrs an und schafft Unverwechselbarkeit. Eröffnung soll i
So soll es einmal aussehen, das geplante Familienhotel am Boxberger Ufer des Bärwalder Sees. Mit der Gebäudestruktur in Form eines Auges lehnt man sich an die Landschaftsgestaltung des Boxberger Ohrs an und schafft Unverwechselbarkeit. Eröffnung soll i © Zeichnung: Maxx Wert Immobilien GmbH

Pünktlich mit Beginn der Sommerferien 2023 sollen die ersten Urlauber in ein Familienhotel am Bärwalder See einziehen. Einstimmig beschloss der Gemeinderat Boxberg den Verkauf von zwei Grundstücken für zusammen 425.970 Euro an die Maxx Wert Immobilien GmbH in Dresden. Diese wird das Objekt am Boxberger Ufer errichten und an die Elldus Resort GmbH in Oberwiesenthal beziehungsweise eine noch zu gründende Schwestergesellschaft Elldus Resort Bärwalder See GmbH verpachten. Zehn Millionen Euro sind für das Projekt veranschlagt. An den Verkauf der Flächen ist die Verpflichtung zur Investition geknüpft. Innerhalb von drei Jahren soll der Bau beginnen, in weiteren zwei Jahren soll die Außenanlage fertig sein.

Wenn es nach den Investoren geht, wird das Ganze so lange gar nicht dauern. Ende 2021 will man mit allen Genehmigungsverfahren weitgehend durch sein, 2022 den Grundstein legen. Jens Ellinger, Chef von Elldus Resort in Oberwiesenthal, bezeichnete das als „ein sehr sportliches Ziel“. Selber Gemeinderat im Erzgebirge, wisse er nur zu genau, „dass es sehr schnell gehen kann, aber manchmal auch dauert.“

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Lagune inmitten des Hotels

Die Maxx Wert Immobilien GmbH nahm das Theater im Ohr am Boxberger Ufer, also jene begehbare Landschaftsgestaltung in Form einer Ohrmuschel, zum Ausgangspunkt ihrer Betrachtungen. Ihr ehrgeiziger Anspruch: „Neben dem Ohr ein Auge platzieren“ und damit der Gebäudestruktur des Hotels Unverwechselbarkeit geben. „Ein schlankes Haus hätte doof ausgesehen und würde emotional keinen Sinn machen“, formulierte es Rolf-Dieter Sauer, Geschäftsführer der Maxx Wert Immobilien GmbH, etwas salopp. Es sei aber auch ganz praktisch zu begründen. Bei einem Hotel in gewöhnlicher Form hätten die rückwärtigen Zimmer keinen Blick zum See. So entstand die Idee von einer Lagune, einer ganzjährig nutzbaren Indoor-Badelandschaft. Der See inmitten des Hotels würde wie die Iris eines Auges zur Geltung kommen. Gäste könnten im November nach einem Spaziergang im dicken Mantel am Bärwalder See im See des Hotels baden gehen – eine verlockende Vorstellung.

Energie aus natürlichen Quellen

Die architektonische Gestaltung ist aber nicht die einzige Innovation. Vor dem Hintergrund des Kraftwerks Boxberg soll das Hotel als Null-Energie-System betrieben werden. Wie Jens Ellinger im Gespräch mit TAGEBLATT erklärt, wolle man die natürlichen Ressourcen Wasser, Wärme, Luft und Sonne nutzen. Wärmepumpentechnik und Solarenergie seien schon heute unstrittig. Aber auch das riesige Wasserreservoir vor der Haustür habe seinen Reiz. Angesichts der künftig noch viel stärker auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Energiepolitik sei ein solches Modellprojekt schon eine tolle Geschichte, sagte er. Investoren und Betreibern sei aber auch klar, „dass dafür noch einige Steine aus dem Weg zu räumen und auch bergbaurechtliche Hürden zu nehmen sind“. Man sei dabei, dieses Energiekonzept zu entwickeln. Dafür erhoffe man sich auch Fördermittel.

Als gebürtiger Leipziger hatte Jens Ellinger schon vor Jahren seine Fühler in Richtung des dortigen Neuseenlands ausgestreckt. Nur sei man da noch längst nicht so weit. Er erzählt von seinem Interesse für Klima- und Wasserschutz. Auf einer Messe sei er dem für den Bärwalder See zuständigen Boxberger Amtsleiter Roman Krautz begegnet. Dieser schickte ihm Unterlagen. Zunächst habe sich Ellinger gar nicht so recht mit der Idee anfreunden können. Als jedoch die Gemeinde Boxberg 2020 zwei Grundstücke am Ufer ausschrieb, sah er sich an Ort und Stelle um. „Ich war perplex. Dem Bärwalder See sieht man nicht mehr an, dass es sich um einen Tagebaurestsee handelt“, sagt Ellinger. Und dass er die Gegend ganz anders erlebt habe, als er 1978/79 in Cottbus bei der Armee und auch in der Braunkohle eingesetzt war.

Große Pläne haben die Familien Ellinger und Duske am Bärwalder See. Im Herbst 2020 waren Jens Ellinger und seine Frau Carmen mit Tochter Melanie Duske das erste Mal vor Ort – und total begeistert.
Große Pläne haben die Familien Ellinger und Duske am Bärwalder See. Im Herbst 2020 waren Jens Ellinger und seine Frau Carmen mit Tochter Melanie Duske das erste Mal vor Ort – und total begeistert. © Elldus Resort GmbH

Ganzjährig nutzbare Anlage

Mit der Maxx Wert Immobilien GmbH sei ein Investor gefunden, die Gründung einer gemeinsamen Projektgesellschaft bereits beschlossene Sache. Auch werde man sich von Elldus Resort als künftiger Betreiber in die Bauplanungen einbringen.

Die Anlage mit 60 Appartements und zwei Restaurants soll als Familotel Lausitzer Seenland betrieben werden – an 365 Tagen im Jahr mit dem Schwerpunkt Familie. In den Spa-Bereich wird eine Kindersauna integriert. Geplant sind In- und Outdoor-Spielanlagen sowie ein Kleintiergehege, das weit über einen Streichelzoo hinausgeht. Auch an die Kinderbetreuung durch gut ausgebildete Mitarbeiter ist gedacht.

Auf dem Freigelände wird es eine 18-Loch-Adventure-Golf-Anlage und einen 3D-Feldbogenparcours geben. Pro Wohneinheit ist ein Parkplatz vorgesehen; weitere Stellflächen für Personal und Tagesgäste.

Jobs für Personal aus der Region

Mit dem Familotel sollen 35 Dauerarbeitsplätze geschaffen werden. Auch ist von acht bis zehn Azubis die Rede. Weitere 20 Jobs könnten später noch hinzukommen. Wie Ellinger betont, sei ihm sehr daran gelegen, Mitarbeiter aus der Region zu beschäftigen. „Dieses regionale Kolorit darf man nicht unterschätzen“, so der Hotelier.

Corona habe ihn übrigens nicht von seinen Plänen abbringen können. „Die Situation derzeit ist mehr als bescheiden. Aber eine Pandemie ist immer zeitlich begrenzt und da muss man auch an morgen denken“, erklärt er. Er und seine Familie hätten sich schon immer ein zweites Standbein organisieren wollen. „Die Grundstücke am Bärwalder See standen nun mal jetzt zum Verkauf und nicht erst übermorgen“, begründet er. Zudem sei „der Reiz sehr groß, aus dem fast noch jungfräulichen Zustand was machen zu können“. Er sei optimistisch, 2023 eine wesentliche Verbesserung der Übernachtungssituation am Bärwalder See zu erreichen.

Im Gemeinderat Boxberg ist man überzeugt, dass das Vorhaben dem Bärwalder See einen Schub geben wird. Oder wie es Horst Jannack (Linke) sagte: „Ich hoffe, dass es so schnell wie möglich losgeht und drücke die Daumen, dass es gelingt“.

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