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Historische Scheune zieht um Hinterberg Trebendorf

Das denkmalgeschützte Objekt aus Hinterberg wird im Schusterhof Trebendorf wieder aufgebaut. Originalgetreu.

Lehmfachscheune am Waldweg Hinterberg in Richtung Tagebau. Sie wird demnächst ab- und im Frühjahr im Schusterhof originalgetreu wieder aufgebaut.
Lehmfachscheune am Waldweg Hinterberg in Richtung Tagebau. Sie wird demnächst ab- und im Frühjahr im Schusterhof originalgetreu wieder aufgebaut. © Foto: Gemeinde

Das ist doch mal eine gute Nachricht. Nachdem Trebendorf zuletzt des öfteren für weniger erfreuliche Schlagzeilen sorgte, gibt’s jetzt eine richtig frohe Botschaft: Die alte Lehmfachscheune aus Hinterberg ist gerettet! Sie soll „das neue Juwel in der Dorfmitte“ von Trebendorf werden. So jedenfalls verkündete es Bürgermeister Waldemar Locke (CDU) am Mittwochabend im Gemeinderat. Zwar steht die Scheune nach wie vor in Hinterberg, jenem Ortsteil, der, wie geplant, im Tagebau Nochten verschwindet, aber es gibt für das Objekt schon mal einen Plan – und obendrein gute Aussichten, diesen zügig umzusetzen.

Im Jahre 2008 war der Vertrag zur Umsiedlung von Hinterberg unterzeichnet worden. Wie es jetzt im Gemeinderat hieß, sind die Maßnahmen abgeschlossen. „Der letzte Umsiedler aus Hinterberg ist definitiv weg“, sagte Waldemar Locke.

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Vor dem Abriss gerettet

Einzig die 1935 errichtete und wegen ihrer Bauweise denkmalgeschützte Lehmfachscheune harrt noch der Dinge, die da kommen mögen. Die Eigentümerin und die Domowina hatten den Bürgermeister im vorigen Jahr gebeten, sich für den Erhalt der Scheune einzusetzen – mit dem Ziel, diese in den Schusterhof zu integrieren, der neuen Ortsmitte von Trebendorf. Dorthin war das denkmalgeschützte ehemalige Wohnhaus des Trebendorfer Dudelsackspielers Hans Schuster umgesetzt und wieder aufgebaut worden. Zu dem Komplex an der Dorfstraße, der durch die Domowina-Ortsgruppe bewirtschaftet wird, gehören auch Backofenhaus und Museumsscheune. 2010 war der Hof samt Brunnen und gestalteter Außenanlagen feierlich an die Gemeinde übergeben worden, seinerzeit noch durch Vattenfall. Es ist deshalb keine Frage, dass es wohl kaum einen besseren Ort für die Lehmfachscheune geben würde.

Nachdem sich der Technische Ausschuss des Gemeinderats das Objekt in Hinterberg angeschaut hatte, setzte sich der Bürgermeister mit der Denkmalschutzbehörde und der Lausitz Energie Bergbau AG (Leag) ins Benehmen. Im September saß man mit Beteiligung des Bauamts Schleife zusammen. Dabei wurden mehrere Varianten betrachtet – vor allem unter der Bedingung, dass das Baufenster des Bebauungsplans einzuhalten ist.

Scheune ist Heimatgeschichte pur

Mittlerweile steht fest: Die Scheune wird hinter der Zufahrt zum Schusterhof parallel zum Weg platziert. Und sie wird originalgetreu wieder aufgebaut. Nicht nur deshalb ist Bürgermeister Waldemar Locke froh. „Damit wird ein Stück Heimat gerettet“, sagte er im Gemeinderat. Er freue sich auf die Einweihung im nächsten Jahr. Auf Nachfrage von Tageblatt erklärte er im Anschluss, dass in der Lehmfachscheune Kornwagen, Dreschmaschine und andere historische Ackergeräte ihren Platz finden sollen, die bisher unter freiem Himmel „der Natur ausgesetzt“ sind.

Die Leag finanziert das Vorhaben nicht nur, Umsiedlungsmanager Martin Klausch hat auch bei den für die Umsetzung notwendigen Behördengängen geholfen. „Als Gemeinde könnten wir das alles gar nicht leisten“, so Waldemar Locke.

Nach diesen erfreulichen Informationen fasste der Gemeinderat Trebendorf dann gleich noch einen Beschluss zu Hinterberg. Einstimmig befürworteten die Räte die „Einziehung von öffentlich gewidmeten Ortsstraßen, Feld- und Waldwegen im Geltungsbereich des Abbaugebiets I des Tagebaus Nochten“. Das klingt nicht nur sperrig, dahinter verbirgt sich auch ein kompliziertes, mehrstufiges Verfahren.

Hinterberg wird abgebaggert

Entlang einer Sicherheitslinie sind die genauen Koordinaten vieler einzelner Punkte verzeichnet, von wo ab Straßen und Wege dann nur noch als Betriebsstraßen der Leag gelten und später abgebaggert werden. „Einige Wege gibt es schon gar nicht mehr, die sind schon ins Loch gefallen“, warf Bauamtsleiter Steffen Seidlich ein.Es handelt sich um insgesamt 19 Kilometer Ortsstraßen, Feld- und Waldwege auf 39 Flurstücken. Mit der Einziehung verlieren sie den Charakter einer öffentlichen Straße und stehen für die allgemeine Nutzung nicht mehr zur Verfügung. Zugleich entfallen damit die Pflichten des Baulastträgers – in diesem Falle der Gemeinde Trebendorf – zur Instandhaltung, zum Rasenmähen oder zum Winterdienst.

Für die Gemeinde erledigt

Die Entwidmung ist die Voraussetzung dafür, dass Straßen und Wege zurückgebaut oder für den Bergbau genutzt werden können. Danach betritt sie außer den Mitarbeitern der Leag niemand mehr. Deshalb habe das Unternehmen den Wunsch geäußert, das zu bereinigen, so Steffen Seidlich. Seit März sei man mit der Abstimmung zugange. Mit der Einziehung der öffentlichen Straßen und Wege ist das Abbaugebiet I für die Gemeinde komplett erledigt. Sie wird höchstens an den Wegfall der Straßen und Wege erinnert, wenn sie im nächsten Jahr weniger Geld aus dem Straßenlastenausgleich des Freistaats Sachsen bekommt.

Ariane Kraink (Wir für Trebendorf) war überrascht, was für Straßennamen aus der sehr aufwendig erstellten Übersicht hervorgingen. „Gab es die wirklich?“, wollte sie wissen. Worauf der Bauamtsleiter bekannte, dass er die meisten davon auch nicht kennt. Frank Gärtig (Wir für Transparenz in Trebendorf) bemängelte, dass er noch immer keine Antwort hätte, was aus den 180 Eichen dort wird. „Die Bäume gehören zu den Straßen und Wegen dazu. Das ist Teil eines Grundstückstauschvertrags“, erklärte Seidlich. Im Rahmen dieses Tauschvertrags sei auch das Großgrün bewertet worden. „Dafür übernimmt die Gemeinde am neuen Ansiedlungsstandort Hinterberg Straßen mit Kleinwuchs, der erst noch groß werden muss“, erklärte der Bauamtsleiter. Und Waldemar Locke ergänzte: „Wir setzen jetzt bloß um, was die Verhandlungsgruppe in dem Vertrag 2008 zu Hinterberg ausgehandelt hat.“

In einem anderen Verfahren wird derweil die öffentliche Widmung der Straßen und Wege am Umsiedlungsstandort Hinterberg vorbereitet. Diese befinden sich jetzt noch im Eigentum der Leag, sollen aber selbstverständlich öffentlich, also für jedermann allgemein nutzbar sein .

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