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Umstrittene Mülltonnen-Barrikaden in Schleife

Durch eine Baustelle wird der Verkehr über den Jahnring umgeleitet. Dort herrscht Frust bei Fahrern und Anwohnern.

Diese Tonnen behindern den Umleitungsverkehr im Jahnring, sorgen für Ärger.
Diese Tonnen behindern den Umleitungsverkehr im Jahnring, sorgen für Ärger. © Joachim Rehle

Seit der Bahnübergang in Schleife gebaut wird, braucht es Zeit und Nerven, um durch den Ort zu kommen. Die offizielle Umleitung führt nämlich über den Jahnring. Die Anliegerstraße, die sich durch Wohngebiete mit Mehrfamilienhäusern und Eigenheimen schlängelt, ist aber weder breit, noch für Massen von Autos, Lastern, Bussen, Motorrädern und Mopeds sowie Radfahrern ausgelegt. Zudem gibt es keine Gehwege. Dennoch müssen sich Anwohner, Rollstuhlfahrer, Mütter mit Kinderwagen, Radler und Fußgänger, darunter viele Schulkinder, die Straße jetzt täglich mit Hunderten umgeleiteten Fahrzeugen teilen. Das führt zu Frust auf allen Seiten.

Blitzer auf Rennstrecke Jahnring

Während die einen ihr Leben durch das hohe Verkehrsaufkommen gefährdet sehen und unter Lärm, Staub und Abgasen leiden, fühlen sich Kraftfahrer durch die Umleitung behindert und ausgebremst. Das hat zur Folge, dass im Jahnring gerast wird, wann und wo es nur geht, um Zeitverluste aufzuholen. Aufgrund dieser und der anderen Tatsachen sowie vieler Beschwerden von Anliegern erließ die Gemeindeverwaltung bereits eine vorübergehende verkehrsrechtliche Anordnung. Danach gilt im Jahnring aktuell Tempo 30. Nur, daran hält sich kaum jemand.

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Bei einer Messung am 23. September, die von 4.15 bis 8.15 Uhr durch die Verkehrsbehörde des Kreises erfolgte, wurden 230 Fahrzeuge gezählt. Von denen waren, laut Aussage von Kreissprecherin Julia Bjar, 89 zu schnell, weshalb sechs Bußgelder und 83 Verwarnungen ausgesprochen wurden. „Die höchste Überschreitung betrug 29 km/h. Insgesamt kann man sagen, dass sich jeder dritte Fahrer nicht an die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit hielt“, so Bjar. Laut ihrer Auskunft seien im Jahnring daher weitere Blitzaktionen geplant.

Dies bestätigte Bürgermeister Jörg Funda in der Gemeinderatssitzung am Dienstag. Dort erläuterte er, dass bei der jüngsten und nur zweistündigen Blitzaktion der Polizei 124 Fahrzeuge gezählt wurden, von denen 92 zu schnell waren. „Wir haben seit der Umleitung schon vier Mal den Blitzer da gehabt, und es folgen weitere Messungen am Jahnring und am Grenzweg. Denn leider wird die Geschwindigkeitsbegrenzung nicht eingehalten, müssen Anwohner so Einiges ertragen.“

Fahrer-Frust über Tonnen-Aktion

Dies gehe soweit, dass selbst große Lkw die kleinen Nebenstraßen und Wege nutzen und „hoffnungslos stecken bleiben“, obwohl für den Schwerlastverkehr eine großräumige und rechtzeitige Umfahrung angezeigt sei. .„Ich verstehe auch nicht, dass in den sozialen Medien vor den Blitzern gewarnt wird, statt sich einfach an die Geschwindigkeitsbegrenzung und die Umleitungen zu halten“, so Funda , der in diesem Zusammenhang erneut für Verständnis und gegenseitige Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer warb. Ähnlich dem Appell der Gemeindeverwaltung, den es bereits im Amtsblatt von Schleife gab.

Viel geholfen haben Appelle und Blitzaktionen bislang nicht. Im Jahnring ergriffen die Anwohner daher vor einiger Zeit die Eigeninitiative. Sie stellten ihre Müll-, Papier-, Plaste- und Grünschnitt-Tonnen einfach dauerhaft vor ihren Grundstückseinfahrten auf die Straße. Diese „Verkehrsberuhigung“ führt zwar dazu, dass Autofahrer nicht mehr überall rasen können, weil sie bei Gegenverkehr wegen der geringen Straßenbreite und der Tonnen nicht mehr ausweichen können und gezwungen sind, abzubremsen und von Tonne zu Tonne zu warten. Dies wiederum verärgert Kraftfahrer, die darin eine Schikane und ungerechtfertigte Maßnahme sehen.

„Ich fahre regelmäßig nach Schleife zum Einkaufen und zu meinen dort lebenden Eltern. Durch die aufgestellten Tonnen ist es aber noch schwieriger auf der Umleitungsstrecke geworden und ausweichen sogar unmöglich“, beschwert sich eine Leserin aus Rohne bei TAGEBLATT. „Aus diesem Grund habe ich vor einiger Zeit auch schon einen Brief an die Gemeindeverwaltung geschrieben mit der Bitte, dass die Anwohner aufgefordert werden, die Tonnen zurückzustellen. Doch passiert ist nichts.“ Zwar räumt die Rohnerin ein, dass die Umleitung über den Jahnring eine Belastung für die Anwohner sei. „Trotzdem bin ich der Meinung, dass sie kein Recht haben, ihre Tonnen absichtlich dauerhaft als zusätzliche Verkehrsbehinderung aufzustellen.“

Gemeinde toleriert Selbstschutz

Mit ihrer Meinung und Beschwerde ist die TAGEBLATT-Leserin nicht alleine. „Wir haben viele Briefe und Anrufe erhalten, in denen sich Bürger über die Tonnen beschweren“, bestätigt Schleifes Bauamtsleiter Steffen Seidlich. Dennoch verteidigt er die Tonnen-Aktion. „Sie ist aus der Not heraus entstanden und ein Selbstschutz der Bürger, die am Jahnring wohnen, weil alle anderen Maßnahmen bislang einfach nicht wirkten.“ Persönlich könne er diese Art der Selbsthilfe nachvollziehen.

Was die Gegner der Aktion, die ein Zurückstellen der Tonnen fordern, angehe, so meint Seidlich: „Auf welcher rechtlichen Grundlage sollen wir die Tonnen verbieten? Noch dazu, wo es sich in erster Linie um Selbstschutz und Schutz von Kindern, Senioren und sogar Rollatorfahrern handelt, die regelmäßig im Jahnring unterwegs sind und dort nicht einmal einen Gehweg haben.“ Zudem habe die Gemeindeverwaltung Schleife, so Seidlich weiter, mit der verkehrsrechtlichen Anordnung und der Bitte um Blitzaktionen durch Kreis und Polizei alles getan, was ihr gesetzlich möglich sei. „Wir könnten zwar permanent blitzen, damit sich alle Fahrer in der Umgehungsstraße an Tempo 30 halten. Doch Schleife ist nicht der einzige Einsatzort im Landkreis. Und eine andere Umleitungsstrecke ist ebenfalls nicht möglich.“

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Nicht zuletzt würden die Probleme, nach Ansicht von Seidlich, vorrangig aus der mangelnden gegenseitigen Rücksichtnahme resultieren. Und dies beträfe nicht nur ortsfremde Kraftfahrer. „Meist sind es Bürger aus der Gemeinde Schleife, die sich nicht an die Verkehrsregeln, die ausgeschilderte Umgehung und die zulässige Geschwindigkeit im Jahnring halten.“Somit scheint es, dass in Schleife weiter mit Beschwerden, und definitiv mit Blitzaktionen, zu rechnen ist. Zumindest bis 5. November. Dann sollen der Bahnübergang frei und die Umleitung aufgehoben sein.

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