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Nur mit Tickets zur Krippenandacht

Die gibt es ab heute kostenfrei. „Ohne Gottesdienst kein richtiges Weihnachten“, heißt es bei den Kirchen in Weißwasser.

Ökumene in Weißwasser: Für den katholischen Pfarrer Michael Noack (li.) und den evangelischen Pfarrer Martin Zinkernagel ist sie gelebtes Miteinander.
Ökumene in Weißwasser: Für den katholischen Pfarrer Michael Noack (li.) und den evangelischen Pfarrer Martin Zinkernagel ist sie gelebtes Miteinander. © Constanze Knappe

Ein Weihnachtsgottesdienst an Heiligabend in der Eisarena? Pfarrer Michael Noack von der katholischen Gemeinde Heilig Kreuz in Weißwasser fände das super. Martin Zinkernagel von der evangelischen Kirchengemeinde hätte sich dafür hingegen nicht recht erwärmen können. „Nicht weihnachtlich genug“, begründet er.

Zu Heiligabend sind auch in Weißwasser die Kirchen gerappelt voll. Normalerweise. „Ohne Gottesdienst wäre Weihnachten bloß ein simples Fest“, sagt der evangelische Pfarrer. Seiner Erfahrung nach hätten viele Menschen ein Gespür dafür, selbst wenn sie nicht in der Kirche sind. Das bestätigt der katholische Pfarrer. „Viele Menschen fragen nach den Gottesdiensten zu Weihnachten, weil es ihnen ein starkes Bedürfnis ist“, hat auch er festgestellt. Von den beiden großen Kirchen in Deutschland heißt es übereinstimmend: „Die Weihnachtsgottesdienste werden gebraucht.“

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Ideen für Freilichtweihnacht

Auch in Weißwasser. Die beiden Pfarrer waren sich schnell einig, zu Heiligabend etwas machen zu wollen. Ökumenisch sollte es sein. Es habe viele Ideen zu einer Freilichtweihnacht gegeben, erzählt Martin Zinkernagel. Auf dem Marktplatz in Weißwasser zum Beispiel. Alternativ wäre auch die Telux infrage gekommen oder eben die Eisarena. Mittlerweile sagen beide: „Wenn wir 100 Besucher haben dürfen, dann gehen wir in unsere Kirchen.“ Da müsse man nicht frieren, hätte Orgel und – einen schönen Weihnachtsbaum. Dennoch ist ihnen bewusst, „dass alles, was wir jetzt planen, übermorgen schon wieder über den Haufen geworfen sein kann“. Oder wie es Martin Zinkernagel formuliert: „Es wabert viel durch die Landschaft.“ Deshalb warte er auf Post aus Berlin und Görlitz. Beispielsweise dazu, wie viele Menschen denn nun wirklich an den Andachten zu Heiligabend teilnehmen dürfen und ob überhaupt gesungen werden darf oder nicht.

Alljährlich feiert die evangelische Kirchengemeinde in Weißwasser am Heiligabend vier Gottesdienste mit etwa 1.200 Besuchern. Für 2020 gehe man von 100 Menschen pro Andacht aus. Um dies händeln zu können, werden ab heute kostenlose Tickets ausgegeben.

Krippenspiel in Light-Version

Jedes Jahr schreibt Pfarrersfrau Sabine Zinkernagel die Texte für das Krippenspiel – auch für die Light-Variante in diesem Jahr. Da soll die Geschichte vorgetragen werden und zwei bis drei Kinder laufen durch die Kirche. Dafür wird nur eine Probe erforderlich sein. Zu jeder der vier Andachten wirken andere Kinder mit. Den Spätgottesdienst gestalten Jugendliche, die sich das nicht nehmen lassen wollten. Übermorgen werde man im Gemeindekirchenrat besprechen, wie die Besucher in der Kirche platziert werden. Seine Predigt hat Pfarrer Martin Zinkernagel sogar schon fertig. Er sei berüchtigt dafür, sagt er lachend.

Zu den beiden Krippenandachten der katholischen Gemeinde und dem Spätgottesdienst am Heiligabend in Weißwasser kommen alljährlich zusammen etwa 850 Menschen. Wegen der Corona-Beschränkungen werden es 2020 jeweils nur bis zu 100 sein. Auch dafür gibt es Tickets, die ab dem 7. Dezember ebenfalls kostenfrei erhältlich sind. Die Andachten sollen nicht länger als etwa eine halbe Stunde dauern, auch wurde das Liedprogramm reduziert. Die Besucher werden platziert, um Abstände einzuhalten und dennoch eine optimale Auslastung der Kirche zu erreichen.

Wandelkrippenspiel in Bad Muskau

Für Bad Muskau haben sich der katholische Pfarrer Michael Noack und die evangelische Pfarrerin Miriam Arndt auf ein ökumenisches Wandelkrippenspiel am Heiligabend zwischen 15.30 und 17.30 Uhr geeinigt. Vom Grundstück der katholischen geht es zum Grundstück der evangelischen Kirche. In kleinen Gruppen, also vor allem in Familien, werden die Menschen auf den Weg geschickt. Eigentlich besuchen in Bad Muskau um die 300 Leute die Weihnachtsgottesdienste in beiden Kirchen. Wie viele das Angebot des Wandelkrippenspiels nutzen werden, sei vorab nicht zu sagen.

Die evangelische Kirchengemeinde hat an ihre Mitglieder ein Heft „Advent und Weihnachten“ verteilt. Es enthält Texte mehrerer Pfarrer und Liedertexte sowie eine Anleitung für einen Hausgottesdienst in Familie. Etwas Ähnliches habe sich bereits zu Ostern bewährt. Auch gibt es einen digitalen Adventskalender. Für den ökumenischen Part ist Pfarrer Michael Noack zuständig. Er und Zinkernagel sind sich einig, dass in Weißwasser die Ökumene funktioniert, „sehr entspannt und angenehm“.

Gegen die Einsamkeit

Dass unter den Corona-Beschränkungen vor allem Alte und Alleinstehende leiden, wissen beide Pfarrer nur zu gut. Etwa, weil bei den Hochrisikogruppen Besuche in Pflegeheimen oder zu Hause stark eingeschränkt oder gar nicht erlaubt sind. „Wir versuchen, telefonisch Kontakt zu halten, aber das ist eben nicht dasselbe wie ein persönliches Gespräch“, so Michael Noack. In der evangelischen Gemeinde versucht man, die Besuchsdienste bei den vielen Einsamen so gut es geht aufrechtzuerhalten – auch wenn es mitunter nur vor dem Fenster ist. Im evangelischen Kindergarten wurden Tüten für Alte und Alleinstehende gepackt, die katholische Gemeinde hat an ihre Glieder, die über 80 Jahre alt sind, Adventskalender verschickt. Hier wie da gab es viele positive Rückmeldungen. Diese Gaben und Grüße sind kein Ersatz für die üblichen fröhlichen Weihnachtsprogramme der Kitas beider Kirchgemeinden. Aber sie zeigen alten, kranken und einsamen Menschen, dass sie nicht vergessen sind.

Seit persönliche Kontakte auf ein Mindestmaß reduziert werden sollen, ist auch in den Kirchenstuben die Digitalisierung das Tor zur Welt. So gab es erstmals einen digitalen Pfarrkonvent, also eine digitale Konferenz mit 40 Pfarrern. „Eine Revolution im Bistum“, nennt es Michael Noack schmunzelnd. Während das „nicht so ganz die Welt“ von Pfarrer Martin Zinkernagel ist, wie er selber einräumt, schickt sein katholischer Kollege in Weißwasser regelmäßig Botschaften über youtube.

Tickets für Andachten gibt es hier:

Tickets für ev. Andachten zu Heiligabend in WSW: ab 1.12. bei Uhren/Schmuck Schirrock, Bautzner Str. 56Tickets für kath. Andachten zu Heiligabend in WSW: ab 7.12. bei Fliesenleger Cieslik, Gutenbergstraße 18

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