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Tischlerei ist vorbildlicher Ausbildungsbetrieb

Azubis finden und binden, das ist dem neuen Chef der Tischlerei Lehmann GmbH in Weißwasser besonders wichtig.

David Iffland aus Weißwasser (li.) ist Azubi im 2. Lehrjahr in der Tischlerei Lehmann GmbH. Der 19-Jährige möchte sein Hobby zum Beruf machen. Paul Zink (18) beginnt im August die Ausbildung und bekam die Möglichkeit, sich jetzt schon einzuarbeiten.
David Iffland aus Weißwasser (li.) ist Azubi im 2. Lehrjahr in der Tischlerei Lehmann GmbH. Der 19-Jährige möchte sein Hobby zum Beruf machen. Paul Zink (18) beginnt im August die Ausbildung und bekam die Möglichkeit, sich jetzt schon einzuarbeiten. © Knappe

Sein Hobby zum Beruf machen, das möchte David Iffland. Schon als Kind habe er gerne bei Holzarbeiten seinem Vater geholfen, erzählt der 19-Jährige aus Weißwasser. Dabei habe er „relatives Geschick entwickelt“ – und Interesse, daraus eine berufliche Zukunft zu machen. Der junge Mann lernt in der Tischlerei Lehmann GmbH in Weißwasser und hat das als Azubi im zweiten Lehrjahr „noch keinen Tag bereut“. Ein bisschen von der Begeisterung angesteckt hat sich Paul Zink. Der 18-Jährige aus Bad Muskau ist einer von zwei jungen Leuten, die im August ihre Ausbildung in der Tischlerei beginnen. Um sich darauf vorzubereiten, darf er schon jetzt im Betrieb arbeiten. „Das bringt einen Wissensvorsprung“, ist sein Chef Alexander Hanisch überzeugt. Und dieser durfte sich gestern über eine Anerkennung freuen. Dr. Andreas Brzezinski, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden (HWK), übergab ihm eine Urkunde zur Ehrung als „Vorbildlicher Ausbildungsbetrieb 2020“. Die dazugehörige Tafel wird am Eingang befestigt. Sie sei nach Aussage des HWK-Chefs eine gute Werbung, dass junge Leute in dem Betrieb eine Perspektive haben.

Ausgebildet wird in der Tischlerei Lehmann seit deren Gründung 1929. Für Alexander Hanisch ist es überhaupt keine Frage, diese Tradition fortzusetzen. Seit fast einem Jahr hat er in der Firma das Sagen – in vierter Generation, auch wenn er nicht aus der Gründerfamilie stammt. Viel wichtiger aber sei doch, so lässt er durchblicken, dass das Unternehmen eine Zukunft hat.Der 43-Jährige stammt aus Radeberg. Dort gingen seine Eltern zur Wende den klassischen Weg in die Selbstständigkeit. Als zuvor angestellter Betriebsleiter übernahm sein Vater eine Tischlerei. Schon als Schüler erlebte Alexander Hanisch den Arbeitsumfang eines Unternehmers mit 15 Angestellten. Nach der Schule und in den Ferien war er selber oft in der Werkstatt oder auf Baustellen dabei. Je älter er wurde, desto mehr interessierte er sich für die Zahlen und die strategische Entwicklung, besonders für Marketing und Vertrieb. Nachdem der Vater 2012 einen Schlaganfall erlitt, übernahm der Bruder von Alexander Hanisch den Betrieb und spezialisierte die Tischlerei auf Fensterläden. Er selber war mit seiner Alexander Hanisch GmbH mit deren Vertrieb und Montage betraut.

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Wie er jetzt erzählt, hegte er vor etwa zwei Jahren eigene Expansionsgedanken. Er recherchierte über die Nexxt-Change-Börse nach Firmen, die einen Nachfolger suchten. Dabei stieß er auf die Tischlerei Lehmann GmbH in Weißwasser, die zum Verkauf stand. Ganz unbekannt war ihm der Betrieb nicht, da er an Fenstern aus dieser Tischlerei schon Fensterläden montiert hatte. „Nachdem Zahlen und Finanzierung klar waren, ging es ganz schnell“, sagt er. Am 29. Juni 2020 unterschrieb Alexander Hanisch den Notarvertrag. Seither gehören ihm Unternehmen und Immobilie. Keine drei Wochen später begrüßten ihn Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) und Wirtschaftsförderer Thorsten Rennhak in der Stadt. „Ich fühlte mich sofort willkommen“, gesteht Unternehmer Hanisch jetzt. Viermal die Woche pendelt er in seinen Heimatort Demitz-Thumitz.

Mit Kompetenz in der Region

Begonnen hat er mit 28 Mitarbeitern und seither vier weitere eingestellt. Mit Unterstützung der Sächsischen Aufbaubank (SAB) hat er 400.000 Euro investiert, vor allem in die Digitalisierung. Angesichts des fortschreitenden Fachkräftemangels sind ihm die Motivation der Belegschaft und eine moderne Personalführung besonders wichtig. Er selber liebt den Werkstoff Holz. Den mit 20 Prozent eher stiefmütterlichen Marktanteil der Holzfenster sieht er als Herausforderung. Ebenso wie die Tatsache, dass die Tischlerei „historisch bedingt“ viel in Berlin zu tun hat. Er betrachtet stattdessen 65 Kilometer im Umkreis von Weißwasser als sein Zielgebiet. Das aber sei (noch) eine Idealvorstellung – und eine Aufgabe. Erst recht beim Gedanken an Nachhaltigkeit. Da wünscht er sich auch ein Umdenken der Kunden. Das aktuelle Tagesgeschäft beeinflussen Lieferengpässe und die Preisentwicklung auf dem Holzmarkt.

Alexander Hanisch (li.) ist seit einem Jahr Chef der Tischlerei Lehmann GmbH in Weißwasser. Jetzt würdigte Dr. Andreas Brzezinski, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden, die Firma als „Vorbildlichen Ausbildungsbetrieb 2020“.
Alexander Hanisch (li.) ist seit einem Jahr Chef der Tischlerei Lehmann GmbH in Weißwasser. Jetzt würdigte Dr. Andreas Brzezinski, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden, die Firma als „Vorbildlichen Ausbildungsbetrieb 2020“. © Constanze Knappe

Was den beruflichen Nachwuchs angeht, sieht Alexander Hanisch zwei Hürden: überhaupt Azubis zu finden und diese dann auch an den Betrieb zu binden. Wenig hilfreich sei, wenn in den Cliquen junger Leute Bank-Azubis das Dreifache an Ausbildungsvergütung kriegen. Das mache das Handwerk nicht unbedingt attraktiv.Für den neuen Chef der Tischlerei Lehmann steht deshalb nicht nur die Frage, woher er Material günstig bekommt. „Sondern auch, wie ich die Fertigung gestalte und das Produkt so verkaufe, dass es bei den Mitarbeitern als Verdienst ankommt“, erklärt er und spricht sich für Mindestlohn aus. „Auch für dessen Steigerung“, wie er betont. Nur wenn die Nachfrage nach handwerklichen Produkten bei den Mitarbeitern ankäme, finden sie wieder Vertrauen zum Handwerk. Darin schließt er ein, dass Azubis nach der Lehre nicht gleich in die Industrie abwandern. Das in der strukturschwachen Region umzusetzen, sei gar nicht so einfach. Von benachteiligter Region spricht Alexander Hanisch nur ungern. Er verweist stattdessen auf deren Potenzial und die Kompetenz der Menschen hier.

„Beim Strukturwandel wird über Industrie geredet, aber das Handwerk war schon da, bevor man angefangen hat, nach Kohle zu graben“, betont derweil Dr. Andreas Brzezinski. Er lobt: „In dem Unternehmen wird kontinuierlich und sehr gut ausgebildet.“ Jedes Jahr zeichnet die Handwerkskammer Dresden 30 Firmen, in denen Azubis gut betreut werden und gute Abschlüsse schaffen, als „Vorbildliche Ausbildungsbetriebe aus“. Die Tischlerei Lehmann GmbH ist der einzige Betrieb im Nordkreis

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